Berlin - Fabian Schmutzler hat schon vor seinem ersten Spiel gewonnen: drei Tage schulfrei. Anstatt in dieser Woche zwei Klassenarbeiten zu schreiben, darf der 16-jährige Frankfurter diese nachschreiben und bei der Darts-WM im Alexandra Palace, dem „Ally Pally“, in London die Pfeile mit seinem eigenen Namen werfen. Gibt es bei den vorherigen Spielen keine Marathon-Matches, wird Schmutzler am Donnerstag um 21 Uhr gegen Ryan Meikle beim größten Darts-Turnier der Welt debütieren und damit auch offiziell der zweitjüngste Spieler sein, der jemals bei einer WM angetreten ist.

Und denkt man mal etwas weiter, könnte es noch geschichtsträchtiger werden: Bei einem Sieg, wäre er der jüngste Spieler, der ein WM-Spiel gewonnen hat und würde, neben der finanziellen Belohnung von knapp 18.000 Euro, in den sportlichen Genuss eines Duells mit Peter Wright, dem Weltmeister von 2020 mit dem immer wieder farblich wechselnden Irokesenschnitt und den schrägen Outfits, kommen. Vor drei Jahren, als damals noch Zwölfjähriger war Fabian Schmutzler im Berliner Olympiastadion Augenzeuge, als sein Lieblingsverein Eintracht Frankfurt den DFB-Pokal gewann. Er selbst spielte damals Tischtennis, ein wenig Fußball und hatte sich mal in einer Basketball-AG probiert.

Ein Weihnachtsgeschenk der Eltern, eine elektronische Dartscheibe und Pfeile veränderten sein Leben. Als die Elektronik der Scheibe versagte, erfolgte der Wechsel auf eine Scheibe aus Sisal und neue Pfeile. „Irgendwann hat man mir gesagt, dass ich ganz gut bin“, sagte er jüngst in einem Gespräch mit der Frankfurter Rundschau. Offensichtlich so gut, dass er sich in diesem Jahr für die Weltmeisterschaft qualifizierte. In Vorbereitung auf die laute Atmosphäre in London hat er sich zuletzt während des Trainings in seinem Zimmer mit lauter Musik beschallt. Die eigentlichen Erfahrungswerte aber wird er am Donnerstagabend auf der größten Dartsbühne der Welt sammeln. Erst einmal als Amateur – denn das mit der Profikarriere hebt er sich für die Zeit nach der Schule und dem Abitur in zwei Jahren auf. Dann will er sich ein Jahr voll auf den Sport konzentrieren. Und wenn es nicht klappt, wäre das auch nicht schlimm. Sein eigentlicher Plan sei es ohnehin, Lehrer für Latein und Chemie zu werden. Mit den physikalischen Eigenschaften eines Dartpfeils aber kennt er sich auch hervorragend aus.