Moskau - Als professionelle Basketballerin seit mehr als 100 Tagen in einem russischen Gefängnis - die Lage von US-Olympiasiegerin Brittney Griner geht auch der deutschen Nationalspielerin Satou Sabally nah.

„Wir müssen mehr Aufrufe machen, wir müssen Brittney Griner nach Hause bringen, weil das einfach eine unglaubliche Situation ist. Sie ist zwei Meter groß und hockt wahrscheinlich in einer kleinen Zelle für etwas, das sehr umstritten ist“, sagte Deutschlands beste Basketballerin der Deutschen Presse-Agentur. „Ich fühle mich nah zu ihr, weil sie eine WNBA-Spielerin ist und in Russland war. Ich war zu der Zeit in der Türkei.“

Seit 17. Februar in Untersuchungshaft

Griner, die zweimalige Olympiasiegerin und Starspielerin des WNBA-Teams Phoenix Mercury, war am 17. Februar wegen des Vorwurfs des Drogenbesitzes am Moskauer Flughafen Scheremetjewo festgenommen worden und sitzt seither in Untersuchungshaft. Wie die Nachrichtenagentur Interfax Anfang März unter Berufung auf den russischen Zoll berichtet hatte, sollen bei der Kontrolle im Gepäck der Amerikanerin sogenannte Vape-Kartuschen und Haschisch-Öl entdeckt worden sein. Griner drohen fünf bis zehn Jahre Haft.

Der letzte veröffentlichte Stand aus Russland ist eine Entscheidung von Mitte Mai, als die Untersuchungshaft um einen Monat verlängert wurde. Wann es zu einer Verhandlung kommt, ist ebenso offen wie die Frage, ob es tatsächlich nur um einen Drogenverstoß geht oder ob die russische Führung nicht doch auch politische Absichten verfolgt - und Griner beispielsweise als Faustpfand für einen Austausch russischer Gefangner in den USA einsetzen möchte. Das US-Außenministerium jedenfalls stuft Griners Verhaftung als unrechtmäßig ein, ist bei Auskünften zu ihrem Fall aber sehr zugeknöpft und allgemein.

Zum Geld verdienen nach Russland

Griner spielte wie zahlreiche andere WNBA-Profis für zusätzliche Einnahmen monatelang in Europa - so wie Sabally bis vor wenigen Wochen noch in der Türkei aktiv war und dort mit Istanbul die Meisterschaft holte. „Sie ist eine professionelle Spielerin in der WNBA und sollte genug Geld verdienen, um überhaupt niemals nach Europa gehen zu müssen. Aber das ist eine Sache, die wir machen müssen, sage ich immer in Anführungszeichen“, erklärte Sabally. „Wir wollen uns weiterentwickeln und nicht große Teile des Jahres rumsitzen und gutes Geld auf dem Tisch liegen lassen.“ Die WNBA-Saison in den USA geht meist nur grob von Mai bis September.

Insbesondere Angebote von russischen Vereinen könne man aus finanzieller Sicht gar nicht ablehnen, berichtete die 24 Jahre alte Berlinerin. „Zu Russland kann man nicht nein sagen. Jetzt gerade ist das umstritten, auch mit dem Krieg. Aber wäre alles normal, würde ich nach Russland gehen“, sagte Sabally trotz der russischen Invasion in die Ukraine.

Sie selbst verdiene in ihrer dritten Saison bei den Dallas Wings etwa 80.000 US-Dollar. „Es würde reichen, aber für was für einen Lebensstil als Profispielerin? Plus, wir haben nur zehn oder 15 Jahre, das ist nichts, das wir 40 Jahre lang machen können“, erklärte Sabally. „Und da ist dann halt die Frage, nimmt man nur die 80.000 oder spielt man weiter Basketball und verdient noch was dazu. Das Viel-, Viel-, Vielfache noch dazu. Auf jeden Fall in Russland.“

Druck auf die US-Regierung

Mit nichts davon müssen sich die Basketballer in der NBA beschäftigen - und keiner von ihnen säße nach so langer Zeit noch immer in russischer Untersuchungshaft, glaubt Sabally. „Das ist eine Sache, die nicht der Fall wäre, wäre sie ein Mann und ein NBA-Spieler meiner Meinung nach.“ Wie viele andere WNBA- und NBA-Profis hatte sich die deutsche Nationalspielerin vor kurzem den Aufrufen angeschlossen, mehr Druck auszuüben auf die US-Regierung.

„Es gibt eine Person, die sie zurückbringen kann, und das ist unser Präsident“, sagte zuletzt auch Griners Ehefrau Cherelle in einem Interview des Fernsehsenders ESPN. „Er hat die Macht.“ Von Biden erwarte sie nun, dass er diese auch nutzt, damit Brittney Griner freikommt. Sie habe die Stimme ihrer Ehefrau zum letzten Mal am Tag ihrer Festnahme gehört, sagte Cherelle Griner. Das war vor 15 Wochen.