Der Streit bei Hertha zwischen Fans und Geschäftsführung nimmt immer absurdere Züge an. Am Mittwoch hat die „Fanhilfe Hertha B.S.C.“ Geschäftsführer Michael Preetz angezeigt. Auf Nachfrage teilte die Fanhilfe mit, dass „die Gesamtheit aller seiner (Preetz’) Aussagen in diesem Zusammenhang herabwürdigend und beleidigend“ sei.

Die Anhänger fühlten sich also dazu verpflichtet, wegen „übler Nachrede“ und „Beleidigung“ nun Anzeige bei der Berliner Polizei gegen Preetz zu erstatten. Zudem habe man eine Anklage gegen die für den Polizeieinsatz am 27. Oktober im Dortmunder Stadion zuständige Polizeieinheit bei der Staatsanwaltschaft in die Wege geleitet. Zwei unbeteiligte Fans hätten einen Trümmerbruch im Ellenbogen und einen Mittelhandknochenbruch erlitten. An besagtem Tag kam es zu schlimmen Auseinandersetzungen zwischen Hertha-Fans und der Polizei mit über 45 Verletzten.

Sicherlich darf der Polizeieinsatz hinterfragt werden. Ob man wegen dem Zünden von Pyrotechnik einen ganzen Block stürmen und mit Pfefferspray und Schlagstöcken agieren muss, darf angezweifelt werden. Was allerdings in diesem Zusammenhang seltsam erscheint, ist die Anzeige gegen Preetz, die wohl im Sande verlaufen wird. Die Fans sind vor allem darüber verärgert, dass sich der 51-Jährige sofort auf die Seite der Polizei stellte – und nicht auf die der eigenen Fans. Auf eine gemeinsame  Erklärung der Fanhilfe, in der der Polizeieinsatz als „unverhältnismäßig“ bezeichnet wurde, entgegnete Preetz, dafür „kein Verständnis“ zu haben. Der Ex-Stürmer fand das gar „abenteuerlich“. „Einen möglicherweise unverhältnismäßigen Einsatz der Polizei mit Gewalt zu rechtfertigen“, sagte der Manager weiter, „das muss mir mal einer erklären.“ Man müsse nun diejenigen identifizieren, die das Übel sind und rigoros ausschließen.

Wo ist hier die üble Nachrede?

Zur Erinnerung: So genannte Fans hatten in der Halbzeit Toiletten zerstört, mit abgebrochener Keramik gegen Sicherheitskräfte gekämpft und damit einen Schaden im fast sechsstelligen Betrag herbeigeführt.

Zur Preetz-Anzeige zurück: Bei allem Respekt vor den Fans – wo ist hier die üble Nachrede oder Beleidigung? Nach Paragraf 186 Strafgesetzbuch (StGB) ist die üble Nachrede eine Art von Ehrdelikt, das sich von der Beleidigung (Paragraf 185) dadurch unterscheidet, dass nicht die Äußerung eines bestimmten negativen Werturteils unter Strafe gestellt wird, sondern das Behaupten und Verbreiten ehrenrühriger Tatsachen. Sicherlich, mit dem Aufbrummen von Kollektivstrafen agierte Hertha zuletzt nicht immer souverän. Man kann die Fans teils verstehen, die das als Angriff auf die Fankultur sehen. Aber von übler Nachrede oder gar Beleidigung zu reden, das geht zu weit. Die Anzeige der Fans gegen ihren eigenen Manager ist die Spitze des Eisbergs.

Was kommt als nächstes? Dass die Fans die Freundin von Marko Grujic wegen Verleumdung (187) anzeigen, weil diese preisgibt, dass die Stimmung in serbischen Stadien impulsiver sei? Oder dass Marvin Plattenhardts Sara wegen Erregung öffentlichen Ärgernisses (183a) verklagt wird, weil sie im Sommer in zu kurzem Trikot auf der Tribüne sitzt? Wäre alles zumindest ein ähnlich groteskes Schauspiel.