Denen, die es mit dem 1. FC Union halten, mag die Nachricht vielleicht nicht neu erscheinen, doch jetzt haben sie es auch schwarz auf weiß: Das Stadion An der Alten Försterei gehört zu den beliebtesten in Deutschland. Das Verbraucherportal Testberichte.de wertete für das Arena-Ranking 240.000 Google-Rezensionen zu allen 55 Fußballstadien von der Ersten bis zur Dritten Liga aus – und siehe da: das eiserne Wohnzimmer landete mit 4,7 Sternen bei 3000 Bewertungen nur knapp hinter Dortmunds Signal Iduna Park (4,7 bei 20.000 Bewertungen) auf Rang zwei. Noch vor der Münchner Allianz Arena (3./4,6/35.000) oder der Frankfurter Commerzbank-Arena (11./4,5/10.000). Das familiäre Ambiente, die gute Akustik, die Nähe zum Spielfeldrand und die kurzen Wege im Stadion sowie die fairen Preise haben zum Spitzenranking für die Alte Försterei gesorgt. Das Olympiastadion, Heimstätte von Hertha BSC, schaffte es auf Rang zehn (4,5/16.000).

Doch genau diese Alte Försterei, die für ihre impulsive Stimmung bis über die Grenzen der Bundesrepublik bekannt ist, wird am Sonntag ab 18 Uhr für 15 Minuten schweigen. Grund ist ein Protest der Ultragruppierung „Wuhlesyndikat“, das RB Leipzig als „Produkt“ versteht.

Oliver Ruhnert: „Unsere Fans wissen, was sie da tun“

Oliver Ruhnert hätte alles gut gefunden, nur eben nicht RB Leipzig zum Start. Vor Bekanntgabe des Bundesliga-Spielplans vor zwei Monaten sagte der 46 Jahre alte Manager: „Das (ein Spiel gegen RB Leipzig; Anm. d. Red.) würde ich nicht gut finden, weil dann eine andere Thematik und ganz andere Dinge in den Fokus treten würden.“ Es kam, wie es kommen musste: Union trifft am Sonntag im Ostderby auf Leipzig. Krasser könnten die Gegensätze kaum sein.

Nun äußert sich Ruhnert erstmals zur Fanaktion: „Ich habe immer gesagt, dass es nicht sein muss am ersten Spieltag, weil man dann ein Politikum draus macht. So ist es jetzt auch. Im Grunde wünschen wir uns alle die Unterstützung von den Rängen, aber unsere Fans haben sich schon sehr klare Gedanken darüber gemacht und wissen, was sie da tun.“

Nicht allen Spielern gefällt das Fanvorhaben. Torwart Rafal Gikiewicz, 31, wurde deutlich: „Euer geplanter Boykott in den ersten 15 Minuten ist nicht gut für uns Spieler. Es interessiert mich nicht, wer unser Gegner ist. Ich will einfach nur mit eurer Hilfe gewinnen.“ Dazu sagt Ruhnert: „Wir müssen die Auffassung der Fans respektieren. Alles Weitere ist nicht Aufgabe der Spieler. Die Jungs sollen sich innerhalb des Spielerrats dazu austauschen.“

Ebenfalls Verständnis äußert Abwehrspieler Neven Subotic: „Es gibt viel zu wenig solcher Proteste. Unsere Fans beziehen klar Position. Ich stelle mich hinter sie.“ Und weiter sagt der 30-Jährige, der sich für einen möglichen Startelfeinsatz am Sonntag fitgemeldet hat: „Ich bin auch dafür, dass man einen anderen Weg des Protests geht. Aber ein Protest der nicht wehtut, kommt nicht an und wäre eher ein Luxusprotest. Wir zahlen den Preis, die Fans zahlen den Preis. Wir hoffen daher, dass die Nachricht gehört wird.“