Berlin - Sie glühen für den Fußball – für ihren Einsatz für die Frauenrechte ist die Ultrabewegung bisher allerdings nicht bekannt. Im Gegenteil: Immer wieder kritisieren Initiativen wie das Netzwerk „Frauen im Fußball" Sexismus in der Fankurve und das anhaltende Selbstverständnis der Branche als reine Männerdomäne.

Vor diesem Hintergrund hat das Wuhlesyndikat, die älteste von drei Ultragruppen des 1. FC Union, beim Spiel am Sonnabend eine überraschende Geste der Solidarität gesetzt, die auch internationale Strahlkraft hat. Im Stadion an der Alten Försterei entfalteten die Ultras drei Banner, auf denen zu lesen war: „Kein Stadionverbot fürs Geschlecht. Fan-Sein ist ein Menschenrecht. RIP Sahar Khodayari.“ 

Im Iran ist Frauen der Zutritt zu Fußballstadien untersagt

Die 29-jährige Iranerin Sahar Khodayari zündete sich in Teheran selbst an und starb am 8. September an ihren Verbrennungen – weil ihr eine sechsmonatige Haftstrafe drohte, nachdem sie sich als Mann verkleidet, ganz in das Blau ihres Lieblingsvereins Esteghlal Teheran gehüllt, ins Stadion schleichen wollte. Unter der Mullah-Diktatur im Iran werden die Rechte der Frauen konsequent beschnitten, es gibt strikte Bekleidungsvorschriften – und der Zutritt zu Fußballstadien ist ihnen strikt untersagt.

Khodayaris Tod hat in und außerhalb des Irans massive Proteste ausgelöst, auf Twitter sammelten sie sich unter dem Hashtag #bluegirl. Viele Kritiker nehmen die Fifa ins Visier und fordern, dass der Verband den Iran stärker unter Druck setzt, das Stadionverbot für Frauen aufzuheben.

Der Kapitän der iranischen Männernationalmannschaft sagte, das Verbot sei das Ergebnis eines „verkommenen und widerlichen Denkens“. Der französische Nationalspieler Paul Pogba twitterte, er wünsche Sahars Familie Stärke. Jetzt sind die Proteste für die Rechte iranischer Frauen auch in deutschen Fankurven angekommen. Auch beim Spiel in Düsseldorf wurden entsprechende Transparente gezeigt.

Union war vorab nicht informiert, begrüßt den Protest aber ausdrücklich: „Es ist gut, wenn solche Solidaritätsbekundungen mit weiblichen Fußballfans aus der Szene selbst kommen – die ja nach wie vor eher männlich dominiert ist“, sagte Union-Sprecher Christian Arbeit.