Deutlicher Abstand bei den Union-Fans. Da kommen auch Aerosole beim Singen nicht weit. Und doch ist das jetzt verboten.
Foto: Matthias Koch

BerlinWo man singt, da lass dich nieder. Bösewichter haben keine Lieder. Diese Zeilen des böhmischen Dichters Johann Gottfried Seume hatten jahrhundertelang Geltung. Mittlerweile gilt auch das nicht mehr. Singen gehört jetzt zur Achse des Bösen. Doch, doch!

Durch Berlins alte Infektionsschutzverordnung konnten Veranstalter spezielle Schutz- und Hygienekonzepte ausarbeiten, um eine Ausnahme vom Gesangsverbot zu bekommen. Mit dem obligatorischen Abstand von 1,50 Meter war es also erlaubt. Galt ja selbst für Chorsingen in geschlossenen Räumen. Nur diese Detailregelung wurde in der jüngsten Verordnung vom 3. Oktober gestrichen, wodurch Fan-Gesänge und Sprechchöre ohne Ausnahme verboten sind.

Also ehrlich, geht es noch? Wollt ihr einem das letzte bisschen Spaß nehmen? Die Fans geben sich erheblich Mühe, die leeren Reihen auf den Rängen stimmlich zu übertünchen – und nun ist auch dies nicht mehr erlaubt? Was kommt als Nächstes? Reden wird auch verboten? Oder gar das Atmen?

Unions Pressesprecher Christian Arbeit hat völlig recht, dass man langsam an die Grenze dessen kommt, was nachvollziehbar ist. „Als wir hier letzte Woche Freitag gespielt haben, war das noch erlaubt – und es sind ja keine anderen Menschen, die fünf Tage später hier sind und sich viel Mühe geben, alle bisher bekannten Regeln einzuhalten“, so Arbeit beim RBB.

Kinder in der Schule gehen zum Singen auf den Schulhof. Das geht. Aber wehe du strapazierst deine Stimmbänder in einer Freiluftarena. Nicht mehr nachvollziehbar ist das alles. Bestimmungen sollen für die Menschen da sein, nicht als Zweck für sich selbst.