Hertha spielt und keiner darf rein. So könnte das Olympiastadion auch bei den ersten beiden Heimspielen gegen Frankfurt und Stuttgart aussehen.
City-Press

BerlinNeun Spieltage lang genoss die Fußball-Bundesliga vergangene Saison ein Privileg in Pandemiezeiten. Trotz Kontaktverbots für die Bürger durfte der Kontaktsport mit dem Ball stattfinden. Das Hygienekonzept der DFL für die Profis und der gute Wille der Politiker machten es möglich. Jetzt soll der zweite Schritt folgen: eine Teilzulassung von Fans in den Stadien mit 1,50-Meter-Abstandsregel, mit Personenerfassung, ohne Alkohol, ohne Sitzplätze, ohne Gästefans. Das klingt auf den ersten Blick erst mal einfach. Aber der Teufel steckt im Detail. Berlins zwei Bundesligisten stehen exemplarisch dafür, wie unterschiedlich man mit dem Coronavirus umgeht.

Der 1. FC Union scheiterte bei der DFL und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn mit seiner Idee, durch Corona-Massentests das kleine Stadion an der Alten Försterei bis auf den letzten Platz mit rund 22.000 Fans zu füllen. Hertha BSC geht beim Verhandeln über die Zuschauerkapazität einen ganz anderen Weg – nämlich genau den umgekehrten. In der „Bild am Sonntag“ wurde kolportiert, dass die Blau-Weißen überlegen, bei den ersten beiden Heimspielen gegen Eintracht Frankfurt am 26. September und gegen den VfB Stuttgart am 17. Oktober gar keine Fans ins große Olympiastadion zu lassen.

Ein Minusgeschäft für Hertha BSC

Die Begründung für diese Planspiele findet sich in der Infektionsschutzverordnung des Senats. Denn diese erlaubt nur Großveranstaltungen unter freiem Himmel mit bis zu 5000 Besuchern. Das Ganze gilt zunächst bis zum 24. Oktober. Auf der Geschäftsstelle des Traditionsvereins hat man diese Zuschauer-Obergrenze durchgerechnet. Das Resultat ist wenig überraschend: Bei Ticketeinnahmen von nur 5000 Zuschauern wären die Kosten für Stadionmiete, Ordner, Cateringservice, die höher sind als bei einem Geisterspiel, nicht ansatzweise gedeckt. Es ist ein Minusgeschäft für den Klub. Und das will sich Hertha trotz 374 Millionen Euro von Investor Lars Windhorst nicht leisten.

Bei 15.000 Fans wäre es ein Nullsummenspiel ohne Gewinn, das ergab eine vereinsinterne Finanzstudie. Nach dem Hygienekonzept der DFL könnte das Olympiastadion (Fassungsvermögen: 74.475 Sitzplätze) aber bis zu einem Drittel gefüllt werden. Das wären dann rund 25.000 Fans. Hinter den Kulissen versucht Hertha also nun, einen Kompromiss mit dem Senat und dem zuständigen Gesundheitsamt Charlottenburg zu finden. Schließlich stimmen die Länderchefs in den nächsten Tagen über das DFL-Zuschauerkonzept ab.

Das Gedankenspiel, dass gar keine Hertha-Fans zum Bundesligastart ins Olympiastadion kommen, ist eine Drohkulisse, um etwas Druck auf die Politik auszuüben. Während andere Bundesligisten ihre Arenen füllen, bleibt das Olympiastadion leer? Es wäre eine Blamage für die Hauptstadt. Das Kuriose daran: Einige blau-weiße Fans, die sich vom Motto „Alle oder keiner“ leiten lassen,  würden es sogar noch gut finden.