Fast zwei Wochen ohne Heimspiel – das kennen die Fans von Alba Berlin eigentlich nur aus dem Zeitfenster, in dem ihre Mannschaft coronabedingt ausgebremst wurde. Wenn der deutsche Meister am Freitagabend (19 Uhr) in der Arena am Ostbahnhof in die Halbfinalserie der Play-offs gegen Ludwigsburg startet, ist es allerdings tatsächlich schon zwölf Tage her, dass die Berliner vor heimischem Publikum gespielt haben. Da schreibt so manche Fan-Gruppierung der Berliner sicher etwas im Spaß davon, dass man sich bereits gefühlt in der Sommerpause befinde und in so einem Rhythmus gar kein so rechtes Play-off-Fieber aufkommen könne.

In der NBA steigt derzeit jeden Tag ein Spiel

Während beispielsweise die Kollegen der nordamerikanischen Profiliga NBA derzeit in den Conference Finals im Osten und Westen jeden zweiten Tag zu Werke gehen, lässt es die Bundesliga etwas ruhiger angehen. Nach jeweils zwei Spielen in jeder Serie von Freitag bis kommenden Montag gibt es erst einmal in jeder Halbfinal-Serie eine Pause von vier Tagen, bevor das nächste und möglicherweise schon entscheidende Spiel der Serie ansteht. „Über die ganze Saison spielen wir alle zwei, drei Tage, aber in der wichtigsten Phase können wir alles, was wir im Training und der Saison daraus gelernt haben, nicht benutzen“, sagt Alba-Trainer Israel Gonzalez. „Dieser Rhythmus ist sehr ungewöhnlich.“

Einerseits liegt er mit dieser Bewertung nicht falsch, andererseits muss gesagt sein, dass man im Vorfeld der Play-offs nicht hätte wissen und schon gar nicht davon ausgehen können, dass alle vier Viertelfinal-Duelle in einem klaren 3:0-Sieg für München, Bonn und eben Ludwigsburg sowie Alba Berlin enden. An vorgegeben Rahmenterminen und Belegungen der jeweiligen Hallen ist zudem so kurzfristig nichts zu ändern. Das haben die Eisbären Berlin in ihrer Finalserie gegen München im Negativen zu spüren bekommen, indem sie vier Spiele innerhalb von fünf Tagen absolvieren mussten und ihr letztes Halbfinale direkt am Vortag des Beginns der Finalserie bestritten.

Jetzt sollte man es im Sinne der Belastung und Regeneration der Spieler vielleicht doch eher positiv sehen, dass es für die Basketballer etwas längere Pausen in und zwischen den Play-off-Serien gibt. Den positiven Effekt gab es schließlich in dieser Woche bei Alba Berlin in der Trainingshalle zu sehen. Der zwischenzeitlich kranke und in zwei Viertelfinalspielen fehlende Luke Sikma ist wieder in das Training eingestiegen. Auch Malte Delow konnte eine Erkrankung auskurieren, Johannes Thiemann nach Knieproblemen ebenfalls wieder mit der Mannschaft trainieren. Selbst beim mittlerweile schon seit langer Zeit verletzten Marcus Eriksson sieht es wieder besser aus. Er konnte bereits ohne Kontakt mit dem Team trainieren. Ein Einsatz am Freitag ist für den schwedischen Flügelspieler zwar außer Reichweite, aber „er ist wieder nah dran“, so Gonzalez.

Ludwigsburg ist für Gonzalez eins der aggressivsten Teams der Liga

Der Alba-Trainer kann also aus dem Vollen schöpfen, wird aber auch die komplette Mannschaft benötigen, um gegen Ludwigsburg bestehen zu können. Die physisch starken Schwaben sind für ihn eins der aggressivsten Teams der gesamten Liga und „in den vergangenen Jahren immer besser geworden“, sagt Gonzalez. Und meint damit nicht nur die laufende Saison, in der es für Alba Berlin zwei Niederlagen gab. Vor zwei Jahren standen sich beide Teams im Finale um die deutsche Meisterschaft gegenüber, im vergangenen Jahr beendete Ludwigsburg die Hauptrunde als bestes Team.

Teil dieser Mannschaft waren übrigens die Berliner Oscar da Silva und Jaleen Smith. „Nachdem uns Ludwigsburg in der Hauptrunde zweimal geschlagen hat, werden sie mit viel Selbstvertrauen in die Serie gehen“, sagt Smith. „Sie sind tough und spielen sehr körperlich. Um zu gewinnen, müssen wir auf jeden Fall physisch mithalten und in der Offensive geduldig unser Spiel aufziehen.“ Im Ludwigsburger System war der 27-jährige Amerikaner im vergangenen Jahr noch das wichtigste Element, hatte mit seinen Leistungen entscheidenden Anteil am Erfolg. Nach überstandenen Anpassungsproblemen hat er in den zurückliegenden Wochen gezeigt, wie wertvoll er auch für Alba Berlin sein kann. Daran dürfte auch die ungewohnt lange Pause nichts geändert haben.