Im Grunde sind wir doch alle nur Stadtaffen. Alle, die wir in diesem Freilaufgehege namens Berlin leben. Alle, die wir es irgendwie aushalten in diesem Großstadtdschungel. Vielleicht träumen wir davon, mal aufs Land zu ziehen. Mehr Bäume, weniger Beton. Aber wir bleiben. Freiwillig.

Oder wie Peter Fox es sagt: „Es ist laut, dreckig, stinkt, und überall trittst du in Hundescheiße. Eigentlich ist das Wahnsinn, dort zu leben. Aber ich liebe das trotzdem.“ Wir alle lieben es trotzdem.

Synonym für das junge Berlin

Peter Fox, 46, der eigentlich Pierre Baigorry heißt und Berühmtheit erlangt hat als Sänger der Reggae-Dancehall-Crew „Seeed“, ist einer der ehrlichsten und glaubwürdigsten Stadtsöhne, wenn es darum geht, ein Berlingefühl zu beschreiben. In „Dickes B“ („oben an der Spree“) tun die Sommer gut und die Winter tun weh. Wer kennt das nicht? Und in „Schwarz zu blau“ besingt er den Unterschied zwischen „Du kannst so hässlich sein“ und „Du kannst so schön schrecklich sein“. Wer hat das noch nie gefühlt?

Peter Fox ist also in etwa das, was Hertha BSC so gerne wäre: Sympathieträger und mehr noch Synonym für das junge, hippe und digitale Berlin, mit all den Brüchen und Widersprüchen, die sich auch außerhalb der Stadtgrenzen vermarkten lassen. Dafür tut der Fußballklub zurzeit alles. Das innovativ Neue ist ihm dabei meist wichtiger als das traditionell Alte. Dem Wortgeprotze einer Agentur vertraut er mehr als dem kreativen Potenzial seiner Fanszene. Als würden die da oben besser wissen, was die da unten wollen.

Ärger mit den Fans in der Ostkurve

Auch deshalb hat Hertha an diesem Wochenende erstmals „Dickes B“ als Einlaufsong im Olympiastadion gespielt und nicht wie ein Vierteljahrhundert lang zuvor „Nur nach Hause“ von Frank Zander. Gab natürlich wieder Ärger mit den Fans in der Ostkurve. Alles wie immer zuletzt, wenn die Klubführung im Alleingang versuchte, das mausgraue Image mit schrillen Farben (pinkfarbene Trikots) oder frechen Tönen („In Berlin kannst du alles sein. Auch Herthaner“) zu verändern.

Peter Fox ist ein Fußballfan, als er noch in Kreuzberg wohnte, kickte er für den Kiezklub FSV Hansa 07. Eine Schwäche für Hertha hat er auch. Bereits vor fünf Jahren half er dabei, Zanders Hymne etwas moderner zu gestalten. Es kam etwa eine gerappte Passage dazu. Doch es dürfte dem Musiker sicherlich nicht gefallen, dass er nun in einen Fußballkulturkampf geraten ist. In dem Song „Stadtaffe“ heißt es übrigens: „Durch die Stadt weht ein rauer Wind, man trifft Rudel junger Hunde, die sauer sind.“ Richtig sauer.