Heimatverbundenheit und einen gewissen Stolz schätzen sie in Katalonien, und so gesehen passt Gerardo Daniel Martino in das Anforderungsprofil, das der FC Barcelona häufig für seine Trainer erstellt. Den Newell’s Old Boys aus seiner argentinischen Heimatstadt Rosario ist Martino immer verbunden geblieben. Dreimal spielte der heute 50-Jährige für seinen Jugendverein als Profi, von 1979 bis 1990, von 1991 bis 1994 und noch einmal 1995. Danach unternahm er einige Ausflüge, unter anderem trainierte er zwischen 2007 und 2011 die Nationalmannschaft von Paraguay. Doch Martino besann sich einmal mehr auf seine Wurzeln, kehrte als Trainer nach Rosario zurück und gewann mit seiner Mannschaft in diesem Jahr den Meistertitel.

Nun müssen sie bei den Old Boys bereits zum vierten Mal Abschied nehmen von Martino. Der ehemalige Mittelfeldspieler, der nur einmal für die argentinische Nationalmannschaft auflief, zieht in sein nächstes und zugleich größtes Abenteuer. In Europa ist er nahezu unbekannt. Dennoch wird er nun beim FC Barcelona Nachfolger von Tito Vilanova, der erneut an Ohrspeicheldrüsenkrebs erkrankt ist und jüngst seinen Rücktritt erklärt hatte. Martino, der auf den Spitznamen „Tata“ hört, erhält bei bei den Katalanen einen Zweijahresvertrag.

Übergeordnete Logik

Es ist ein Traditionsbruch und ein Experiment, das der FC Barcelona mit Martino eingeht. Am liebsten vertrauen die Katalanen ihre Luxuskader Trainern aus den eigenen Reihen an. Vilanova und dessen Vorgänger Pep Guardiola, der den FC Barcelona noch ohne Martino auf der Bank an diesem Mittwoch mit dem FC Bayern beim Uli-Hoeneß-Cup in München empfängt, waren die jüngsten Beispiele.

Und doch folgt die Verpflichtung Martinos einer übergeordneten Logik. Denn auf eine Weise ist der Trainer mit seinem neuen Verein bereits vertraut. Nach einem seiner Abschiede aus Rosario spielte er für Barcelona SC Guayaquil, einem von Einwanderern aus Katalonien in Ecuador gegründeten Ableger des FC Barcelona. Und vor allem wird er jener Schule zugerechnet, die Barcelona perfektioniert hat: der des offensiven und attraktiven Ballbesitzfußballs. Marcelo Bielsa war Martinos Mentor, ein Verfechter dieser Philosophie und neben Diego Maradona eine weitere Ikone der Newell’s Old Boys. Es heißt, Bielsa, zuletzt selbst im Gespräch beim FC Barcelona, habe dem Klub seinen Freund Martino empfohlen.

Eine wohl ebenfalls maßgebliche Fürsprache kam von Barcelonas wichtigstem Spieler, der einst auch bei den Newell’s Old Boys gekickt hatte. „Gerardo Martino ist ein großartiger Trainer. Seine Mannschaften spielen schönen Fußball. Ich mag Tata Martino“, hatte Lionel Messi bereits vor Monaten gesagt. Für den Weltfußballer ist Martinos Verpflichtung auch ein beruhigendes Signal nach dem Transfer von Brasiliens Jungstar Neymar. Martino dürfte Messis Sonderstellung in der Mannschaft kaum anrühren. Allein schon aus Heimatverbundenheit.