Robert Lewandowski erzielte zwei Tore bei dieser Machtdemonstration.
Foto: Imago Images/Avanti

MünchenMitte der zweiten Halbzeit klatschte Hansi Flick immer wieder in die Hände. Es war der zufriedene und motivierende Beifall eines Übergangstrainers, der gerade auf seinen zweiten Sieg im zweiten Spiel zusteuert. 2:0 führte seine Mannschaft des FC Bayern zu diesem Zeitpunkt gegen Borussia Dortmund, und so sehr sich sein BVB-Kollege Lucien Favre ein paar Meter weiter in seiner Coachingzone auch um Einfluss mühte, deute wenig bis nichts darauf hin, dass der BVB diesem Topspiel der Bundesliga am Sonnabend noch eine Wendung verleihen könnte.

Am Ende siegte der Meister durch die Treffer von Robert Lewandowski (17./76.), Serge Gnabry (47.) und das Eigentor von Mats Hummels (80.) 4:0 (1:0) gegen einen BVB, der im Gegensatz zu den klar überlegenen Münchnern zu keinem Zeitpunkt wie ein ernsthafter Titelkandidat aufgetreten war. Stattdessen hatte Dortmund die nächste Machtdemonstration der Bayern über sich ergehen lassen.

Flicks beeindruckende Bilanz

Es war sogar so, dass die Bayern bei einigen weiteren Chancen in der zweiten Halbzeit einen noch höheren Sieg vergaben, was nach den Turbulenzen der vergangenen Wochen eher überraschend daherkam. Doch auch so reichte es für Flicks Mannschaft zum Sprung auf Tabellenplatz drei, die Dortmunder rutschten dagegen auf Rang fünf ab. Möglich, dass die Bayern Flick den Kader nun als Chef bis zum Winter oder gar Sommer anvertrauen, bis eine langfristige Nachfolgelösung gefunden ist. Eine bemerkenswerte Blanz hat der 54-Jährige bereits vorzuweisen. Wie sein bisher einziges Länderspiel in der Verantwortung bei der EM 2008 als Vertreter von Bundestrainer Joachim Löw (3:2 gegen Portugal) hat er nun auch sein jeweils allererstes Spiel als Trainer in der Champions League (am Mittwoch 2:0 gegen Piräus) und in der Bundesliga gewonnen.

Zu Beginn des 101. Bundesliga-Vergleichs zwischen Bayern und Dortmund klappte noch wie von den Dortmundern erhofft. Lässig mit der Fußspitze bremste Hummels Lewandowski bei einem Konter der Bayern aus, als er dem Polen den Ball wegspitzelte. Doch schon bald danach trat Lewandowski in Erscheinung, wie das Publikum es in der laufenden Saison in bisher jedem der vorangegangenen zehn Ligaspiele bestaunen konnte. Auch diesmal traf er, nun per Kopfball und erstaunlich alleingelassen nach Benjamin Pavards Flanke von rechts. Hummels sah Lewandowskis 15. Ligator aus einigen Metern Entfernung. Und da gerade auch keine anderen Dortmunder Kerle zugegen waren, trug Flicks Konzept, stabil stehen und vorne Lewandowski einsetzen, rasch Früchte.

Dabei hatten die Dortmunder durchaus gleichwertig begonnen. Doch spätestens nach Bayerns 1:0 schien das jüngst gewonnene Selbstbewusstsein wieder verflogen. Die Münchner bestimmten nun klar das Geschehen, beschäftigten die Dortmunder Defensive in rascher Folge und stürzten diese in einige Turbulenzen. Draußen versuchte Favre einigermaßen aufgeregt seine Elf zu ordnen. Doch die Bayern spielten nun nicht nur so, als habe es die zurückliegende Verunsicherung, Instabilität und offensive Ideenlosigkeit nie gegeben. Sie verpassten auch nur knapp das 2:0, nachdem Lewandowski Kingsley Coman bedient hatte, der Franzose aber den Ball nicht richtig erwischte.

Kerlchen statt Kerle

Schon nach 36 Minuten musste Favre erstmals wechseln. Raphael Guerreiro ersetze Jadon Sancho, der mit einer offenbar noch nicht ausreichend ausgeheilten Oberschenkelzerrung ins Spiel gegangen war. Seine Position auf dem rechten Flügel besetzte Thorgan Hazard, Guerreiro übernahm dafür dessen linken. Am Gesamtbild änderte sich aber nichts. Die Bayern blieben klar bestimmend und strahlten dabei jene Selbstgewissheit des Mia san mia aus, die zuletzt verloren gegangen war. Die Dortmunder dagegen, die vor dieser Saison den Titelgewinn als Ziel ausgerufen hatten, wirkten zur Pause mit nur 38 Prozent Ballbesitz und 37 Prozent gewonnenen Zweikämpfen eher wie Kerlchen statt der vorher von Sportdirektor Michael Zorc geforderten Kerle.

Die Hoffnung der Gäste, in der zweiten Halbzeit besser ins Spiel zu finden, hielt gerade einmal ein paar Sekunden. Abgefangen worden war ein Angriff der Dortmunder, der insgesamt starke Sechser Joshua Kimmich schickte Thomas Müller auf die Reise, und als Lewandowski dessen Hereingabe verpasste, durfte eben auch mal ein anderer als der Stürmer den Ball ins Tor schubsen. In diesem Fall Gnabry, der mit seinen nun drei Ligatoren auf Platz zwei in der internen Torschützenliste hüpfte. Und die Dortmunder? Vergaben durch den eingewechselten Paco Alcácer ihre erste und einzige echte Torchance in der 69. Minute. Nach einem kommenden Meister klang auch diese Bilanz nicht. Stattdessen traf Dortmunds ehemaliger Angreifer Lewandowski noch einmal und überbot mit seinen nun 16. Ligatoren in elf Spielen sogar den bisherigen Rekord der Stürmerlegende Gerd Müller. Hummels hatte das nicht verhindern können, und dann unterlief ihm in der Schlussphase auch noch das Eigentor zum 4:0 der Bayern. Flick klatschte, Favre verstaute seine Hände in den Hosentaschen.