Die Bayern haben zum Auftakt komplikationslos 3:0 in Fürth gewonnen, aber diskutiert wird weniger über die Spieler als über das Drumherum, hier: Jupp Heynckes und Matthias Sammer. Schon vor ein paar Wochen im Trainingslager am Kalterer See hatte der Chefcoach in der um sich greifenden Sammer-Mania den Kanal gestrichen voll. Heynckes Worte wurden sogar als „Wutrede“ interpretiert. Mit Sammer sei „das Aufgabengebiet genau abgesteckt“. Für ihn, so der 67-Jährige, ändere sich „nichts“. Der FC Bayern brauche einen „unbequemen“ Mann wie Sammer.

Das ist nun etwas mehr als vier Wochen her, aber inzwischen mehren sich Hinweise, dass Sammer dem Kollegen eventuell etwas zu unbequem geworden sein könnte. Die Sport-Bild zitiert den Ehrenpräsidenten Franz Beckenbauer aktuell so: „Wenn sich plötzlich alles nur noch um Sammer, Sammer, Sammer dreht, wirst du als Chefcoach natürlich eifersüchtig.“

Interessante Äußerung

Sorgen scheint sich auch Oliver Kahn zu machen. Dem Ex-Nationaltorhüter geht es um die Außenwirkung von Sammer: "Sammers starke Präsenz auf dem Trainingsplatz und seine öffentlichen Kommentare zur Spieltaktik lassen ihn aktuell eher wie einen zweiten Trainer erscheinen", schreibt Kahn in seinem Blog.

In der Talksendung Sky 90 formulierte der Frankfurter Vorstandschef Heribert Bruchhagen über die Beziehung von Trainer und Sportchef: „Ich kann mir gut vorstellen, dass Heynckes das nervt.“ Wenn Heynckes bei den Bayern „als Autorität Nummer eins“ das Training leite und „Sammer sitzt dahinter und zeigt nach links und nach rechts“, also, „wenn bei mir einer im Rücken so rumgezeigt hätte, hätte ich gesagt: ‚Jetzt pass mal auf, mein Freund. Jetzt schleich dich oben in dein Büro und guck von mir aus hin, wo auch immer du willst‘.“

Bruchhagens Äußerungen sind auch deshalb so interessant, weil der Frankfurter ein guter Kumpel vom Münchner Co-Trainer Hermann Gerland ist, mit dem er regelmäßig zu telefonieren pflegt. Bruchhagen könnte also durchaus informiert sein über die Beziehungskisten beim FC Bayern.

Kritik an Heynckes

Bereits am Freitag hatte Beckenbauer in einer Gesprächsrunde bei Sky die Verpflichtung des Sportdirektors als „beste der letzten Jahre“ bezeichnet: „Sammer wird den Sättigungsgrad verschieben. Er hat die letzten Jahre gesehen, was uns nicht gefallen hat: Die Einstellung der Spieler, jeder hat nur noch für sich gespielt. Es gab keinen Zusammenhalt, wenn einer den Ball verloren hat, haben die anderen immer nur Recht viel Glück gewünscht, ihn wieder zu gewinnen.“ Das, mit Verlaub, muss Jupp Heynckes auch als Kritik an seiner Trainertätigkeit interpretieren.

Es bestehen ohnehin wenig Zweifel, dass der Chefcoach am Saisonende gehen wird. Er will es so und die Bayern wollen es vermutlich auch so. Schon nach dem verloren gegangenen Champions- League-Finale hörte sich Heynckes so an, als hätte er genug. Sein alter Weggefährte Berti Vogts glaubt zu wissen, dass es sich vor dieser Saison ungefähr so abgespielt haben muss: „Jupp hat dann gesagt: Uli, diese Saison helfe ich euch noch, dann gehe ich zurück zu Borussia Mönchengladbach.“ Diese Einschätzung, so der ehemalige Bundes-Berti bei Sky, gehe „in Richtung Gewissheit“. Auch Heynckes selbst hatte in einem SZ-Interview verlautbart, am 30. Juni 2013 gehe „ein Lebensabschnitt zu Ende“.

Im selben Interview sagte Heynckes aber auch: „Die Zusammenarbeit mit Matthias Sammer ist klasse.“ (mit zys)