München - Die große Überraschung hatte es gegeben, allerdings nur auf dem Spielberichtsbogen. Dort fand sich ja völlig unerwartet Kapitän Philipp Lahm wieder, nach seiner Fraktur im Sprunggelenk im November und nur zwei Trainingseinheiten mit der Mannschaft in dieser Woche. Lahms Kaderplatz war auch ein Ausdruck der Sorge, dass es äußerst knifflig werden könnte für den FC Bayern im Achtelfinal-Rückspiel gegen Schachtjor Donezk. Zumal nach dem gefährlichen 0:0 aus dem Hinspiel vor gut drei Wochen, in dem Xabi Alonso auch noch die Gelb-Rote Karte gesehen hatte und nun gesperrt fehlte.

Gemessen daran haben die Münchner einen unerwartet ruhigen Mittwochabend erlebt, garniert von einem souveränen und durchweg überzeugenden 7:0 (2:0). Thomas Müller (3./FE und 52.), Jérôme Boateng (34.), Franck Ribéry (49.), Holger Badstuber (63.), Robert Lewandowski (75.) und Mario Götze (87.) erzielten die Tore in einer Partie, die beinahe einem Spaziergang ins Viertelfinale glich. Alle Heimspiele bisher endeten in der Champions League zu null.

Es hätte ja nicht besser beginnen können für die Münchner. Gleich der erste gefährliche Angriff brachte nicht nur die Führung mit sich, sondern auch einen weiteren Vorteil für die übrigen 87 Minuten. Denn Olexandr Kutschers Grätsche samt allenfalls leichter Berührung im Strafraum gegen Götze wertete der schottische Schiedsrichter William Collum nicht nur als Foul, sondern er verhängte neben dem Elfmeter auch einen noch weniger zwingenden Platzverweis. Die wirklich klare Torchance, die der Unparteiische wahrgenommen hatte, erhielt erst Müller vom Punkt. Der Nationalspieler trat an, trippelte lange und verlud Torwart Andrij Pjatow gewohnt souverän. „Das Foul und der Platzverweis nach drei Minuten haben uns natürlich voll in die Karten gespielt“, sagte Bayerns Verteidiger Holger Badstuber.

Das war natürlich ein Traumstart für den FC Bayern und damit fast noch ein bisschen mehr als nur das Gegenteil für Donezk. Die weise Einschätzung des rumänischen Schachtjor-Trainers Mircea Lucescu hatte allerdings weiter Bestand, wenngleich mit etwas anderer Gewichtung. „Bayerns Mannschaft ist unserer überlegen, aber der Fußball folgt keinen logischen Regeln“, hatte der 69-Jährige hoffnungsvoll gesagt.

Diesmal galt das allerdings nicht. Es war sogar so, dass die Münchner in ihrem Spiel so klar allen Regeln der Logik folgten, dass ihr Sieg und damit der Viertelfinaleinzug zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise in Gefahr gerieten. Donezk versuchte zwar auch in Unterzahl, sporadisch sein charakteristisches Konterspiel aufzuziehen, mit seinen „Stürmern schnell wie der Wind“, wie Sportvorstand Matthias Sammer gewarnt hatte. Doch auch die Mahnung von Trainer Pep Guardiola hatten sich seine Spieler zu Herzen genommen, trotz der sehr offensiven Formation, in der sie in die Partie gegangen waren. „Wenn wir sie laufen lassen, sind wir kaputt“, hatte Guardiola gesagt.

Sein Puls dürfte sich allerdings zunehmend beruhigt haben, obwohl Arjen Robben wegen eines eingeklemmten Rückennervs nach 19 Minuten von Sebastian Rode ersetzt werden musste. Denn seine Elf agierte weiter nicht nur deutlich überlegen, sondern auch sehr konzentriert. Heraus kamen dabei rasch eine ganze Reihe von guten Gelegenheiten, von Robben, Ribéry und vor allem von Lewandowski, der freistehend und mit einem Kopfball allerdings nur den Pfosten traf. Wenig später traf er immerhin den Torwart und bereitete so zumindest indirekt das 2:0 vor. Denn Boateng, zuvor bereits in diese Szene involviert, schob den Abpraller aus einem Meter Distanz locker ein.

Damit stand Donezk vor einem ziemlich aussichtslosen Unterfangen, und eine Überraschung konnte spätestens kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit als völlig ausgeschlossen betrachtet werden. Denn zunächst Ribéry nach Doppelpass mit David Alaba und Müller nach Ribérys Flankenlauf und einem Abpraller erhöhten in schneller Folge auf 4:0. Später erhöhte Badstuber per Kopfball nach Rafinhas Flanke noch auf 5:0, es war das erste Tor in der Champions League für den Verteidiger. Und die Offensivstrategen Lewandowski und Götze kamen später zur Gaudi der Zuschauer auch noch zu ihren Toren, als Donezk nach und nach auf dem Spielfeld in sich zusammenfiel und ein munteres Schützenfest seinem Ende entgegen ging.

Nach allen Regeln der Logik hatten die Münchner ein fast schon mehr als standesgemäßes Resultat herausgeschossen. Lucescus Weisheit, wonach der Fußball sich nicht beständig an scheinbar zwangsläufige Gesetzmäßigkeiten hält, sollten sie sich fürs Viertelfinale aber ruhig merken. „Ich denke, dass ich das heute ganz gut gemacht habe“, sagte Bayern Münchens Jérôme Boateng, „und dass die Mannschaft verdient weitergekommen ist.“