Pilsen - Uli Hoeneß saß schon Augenblicke nach dem Schlusspfiff in einer Limousine und ließ sich zum Bankett chauffieren. Schnell weg aus dem lausig kalten Stadion, hin zum feierlichen Ausklang einer nur bedingt vergnüglichen Dienstreise. Auch Matthias Sammer wollte eigentlich rasch entschwinden, genauso Thomas Müller. Doch irgendjemand musste ja etwas sagen. Zu diesem 1:0 (0:0) des FC Bayern bei Viktoria Pilsen. Zum nächsten eingestellten Rekord, dem neunten Sieg hintereinander in der Champions League. Und natürlich auch zum vorzeitigen Einzug ins Achtelfinale.

Eigentlich ganz nette Anlässe zum Plaudern. Doch ebenso den nächsten schwerfälligen Auftritt erklären zu müssen, diese Aussicht bereitete den Münchnern offenbar wenig Freude. „Zwei Sätze“, kündigte Müller also an, nachdem er sich gedrängt sah, sich doch zu äußern. Geworden sind es einige Minuten Bestandsaufnahme, und hängen blieb vor allem ein Satz, der die Lage beim FC Bayern treffend abbildete. „Es fehlt so ein bisschen die Leichtigkeit im Moment. Wir müssen jedes Spiel ackern“, sagte Müller.

Wie schon in Hoffenheim hatten sich die Münchner sichtlich gemüht, jene Leistung abzurufen, die das verwöhnte Publikum erwartet und sie sich auch selber wünschen. Nur geworden war das erneut nichts. Am Ende mussten die Bayern sogar froh sein, die überraschend ausgeglichene Partie durch das Kopfballtor von Mario Mandzukic aus der 65. Minute gewonnen zu haben. „Natürlich wünschen wir uns jetzt mal wieder Spiele, in denen wir besser in Fahrt kommen“, sagte Müller.

Philipp Lahm, der Kapitän, der schon von Amts wegen reden muss, wurde von Amts wegen sogar ziemlich energisch. „Wir müssen es schleunigst hinbekommen, dass wir die Anfangsphase nicht so verpennen wie in letzter Zeit. Wir lassen den Gegner immer daran glauben, dass er was holen kann“, sagte er. Wegen des 5:0 im Hinspiel sei man „vielleicht ein bisschen lockerer“ ins Rückspiel gegangen. „Das darf uns nicht passieren. Das ist Champions League“, erinnerte Lahm. Er sieht offenbar durchaus Anlass für Gespräche, die sich um die Themenfelder Einstellung, Bereitschaft und Konzentration drehen könnten.

Nicht nur in Pilsen hatte die Mannschaft von Trainer Pep Guardiola Anflüge von Laxheit gezeigt. Sie war auch schon in vorherigen Spielen mit Nachlässigkeiten aufgefallen. Gegen Mainz 05 war das so, gegen Hertha BSC ebenfalls, danach in Hoffenheim – und auch in Pilsen hatte nicht viel gefehlt, und der FC Bayern wäre zum vierten Mal in den jüngsten fünf Partien einem 0:1 hinterhergelaufen.

Sammer bleibt im Ungefähren

Es ist ein Kritteln auf hohem Niveau, aber es ist eben ein Gegentrend erkennbar zu den viel beklatschten Serien, mit denen die Münchner nationale und internationale Bestmarken gerade neu auflegen. Ein gefährlicher Trend, findet offenbar Lahm, vor dem Derby gegen den mittlerweile ziemlich stabilen und selbstbewussten FC Augsburg – vor allem aber vor dem anschließenden Vergleich in Dortmund mit dem sehr stabilen und sehr selbstbewussten Verfolger.

Derjenige, der in solchen Phasen sonst gerne mal zum Ausdruck gebracht hatte, dass er seine Kernkompetenz auf den Themenfeldern Einstellung, Bereitschaft und Konzentration verortet, der trat nun als Streichler auf. Ob aus Überzeugung oder weil er zuletzt von der Vereinsführung schroff zurückgepfiffen worden war, ließ sich nicht zweifelsfrei ermitteln.

Nur eines ging aus Sammers Äußerungen, deutlich hervor, auch wenn er im Ungefähren blieb: Aufgefallen ist ihm der jüngste Gegentrend ebenfalls, und Gefallen findet der Sportvorstand keineswegs daran. Er sagte zwischen vielen verständnisvollen Abers: „Die Ergebnisse sind mehr als gut, sie sind sehr gut, sie sind top. An anderen Dingen müssen wir noch ein bisschen arbeiten.“ Was er unter „anderen Dingen“ versteht? Über „die Art und Weise“ der mehr als guten Ergebnisse könne man „sicherlich ein bisschen reden“, sagte Sammer vorsichtig. Nach Leichtigkeit klang auch das nicht.