Und jetzt? Jupp Heynckes? Der Mann ist ein verdienter Fußballtrainer, allerdings ist er auch 74 Jahre alt. Doch wenn es im Fußball den Mechanismus gibt, einen Chefcoach nach einem 1:5, 16 Gegentoren in zehn Spielen und dem jeglichen Ambitionen zuwiderlaufenden vierten Tabellenplatz zu entlassen, dann resultiert beim FC Bayern München daraus die Strategie, Jupp Heynckes zu kontaktieren.

Nachfolger von Niko Kovac dringend gesucht

Nach der Entlassung von Niko Kovac am Sonntagabend jedenfalls haben die Verantwortlichen beim FC Bayern zügig eine Stelle zu besetzen. Im November einen Trainer zu finden, dürfte nicht schwierig sein. Einen Trainer zu finden, der den deutschen Rekordmeister aus einer verfahrener Situation befreit, im Idealfall sogar mit der Meisterschaft als krönendem Abschluss, ist defensiv formuliert: schwierig.

Um einmal hoch heranzugehen: José Mourinho ist seit Dezember des vergangenen Jahres zu haben. Ein Coach mit Meriten, aber auch mit Macken, die kaum kompatibel sein dürften mit dem FC Bayern und seinen Angestellten, den leitenden wie den spielenden. Das hat sich an Niko Kovac gezeigt. Der leidet zwar nicht an einem ausgeprägten Ego wie der Kollege Mourinho, aber gerade das beschleunigte am Ende seinen Abgang.

Seit der sportlichen Krise des FC Bayern im vergangenen Jahr stand Kovac unter besonderer Beobachtung im Klub. Vor 15 Monaten als Alternative zur Alternative verpflichtet, als Plan C für Plan A (Thomas Tuchel) und Plan B (Jupp Heynckes), hat Kovac um Akzeptanz kämpfen müssen. Gegenüber Karl-Heinz Rummenigge vor allem, der ihn schon vor dieser Saison trotz Double aus Pokal und Meisterschaft loswerden wollte und nur nicht zum Zuge kam, weil sich Bayern-Patriarch Uli Hoeneß vor den Trainer seiner Wahl stellte.

Gehakt hat es außerdem im Umgang mit dem teuren Kader. Das nahm zuletzt beinahe tragische Züge an. Etwa als Niko Kovac die Münchner Offensivkraft Thomas Müller der Öffentlichkeit als Notlösung präsentierte und der Mannschaft insgesamt vorhielt, ihr  Auftreten habe mit Einstellung, weniger mit strategischer Ausrichtung zu tun.

Nun sucht der FC Bayern wieder einen Coach, der in sein Beuteschema passt. Mark van Bommel von PSV Eindhoven würde sich wahrscheinlich nicht sträuben, wenn Uli Hoeneß ihm ein Angebot unterbreitete. Oder Luis Enrique. Der ist vereinslos und daher ohne Ablöse zu bekommen. Aber vermutlich hat Jupp Heynckes schon längst einen Anruf aus München erhalten. Und sei es nur aus alter Gewohnheit.