Erfahren im Trainer-Hochwurf: Die Bayern feiern nach dem Pokaltriumph den 50. nationalen Titel.

Berlin/MünchenAls der Bus am Sonntagvormittag leicht verspätet Richtung Flughafen Tegel fuhr, lag eine teils sehr kurze Berliner Nacht hinter der Reisegruppe des FC Bayern. Laut Augenzeugen waren Serge Gnabry und Alphonso Davies erst um sieben Uhr in der Früh im Hotel eingetroffen, stilecht ausgestattet mit einem Pizzakarton. Eingeläutet worden war der Feier-Marathon nach dem 4:2 (2:0) gegen Bayer Leverkusen im Pokalfinale beim Bankett mit 100 Teilnehmern, ehe sich die Spieler mit Taxen und teils noch in kurzen Hosen mit Sportvorstand Hasan Salihamidzic zu einer Privatfeier in der Party-Hauptstadt aufmachten. Der Franzose Corentin Tolisso war dabei mit einer Champagnerflasche im Arm aufgefallen. Und als es längst wieder hell war, war es Salihamidzic nach der Rückkehr am Morgen im Stile eines Concierge, der Joshua Kimmich aus dem Taxi half. Bei der Abreise nur wenige Stunden später sorgte David Alaba für zusätzliche Kopfschmerzen, als er im Teambus die Sirene eines Megafons auslöste, wie beim Bezahlsender Sky zu sehen und zu hören war.

Dass es die Münchner krachen ließen in Berlin, war von Karl-Heinz Rummenigge zuvor beschwingt in Auftrag gegeben worden. Die Mannschaft habe sich das nach dem 50. nationalen Titel verdient und solle die 30. Meisterschaft, den 20. Pokaltitel und das 13. Double begießen, hatte der Vorstandschef befunden. „Sie hat eine Top-Saison gespielt, und wenn man das Double holt und im dritten Wettbewerb auch noch vorhanden ist, dann ist das à la bonne heure“, sagte er. Und ehe Rummenigge von den „großen Zielen“ sprach, vom zweiten Triple nach 2013 beim Champions-League-Turnier im August in Lissabon, erlaubte er sich eine Spitze gegen den Anfang November beurlaubten Trainer Niko Kovac, auf den Hansi Flick und die Rückkehr zur Dominanz gefolgt waren.

„Wir hatten das Pokalspiel in Bochum, das war ein furchtbares Spiel“, erinnerte Rummenigge an dieses 2:1 beim Zweitligisten und die folgende 1:5-Niederlage in der Liga in Frankfurt, nach der Flick übernahm. „Der hat das natürlich top gemacht. Der hat die Mannschaft wieder FC-Bayern-liken Fußball spielen lassen und hat auch die Empathie in die Mannschaft zurückgebracht“, lobte Rummenigge. „Das Ergebnis sieht man jetzt: Wir haben sehr verdient die Bundesliga gewonnen und auch den Pokal noch obendrauf – alles top natürlich bei uns im Moment.“

Das galt überwiegend auch fürs Pokalfinale mit den Toren von Alaba (16.) und Gnabry (24.), ehe sich Lukas Hradecky Robert Lewandowskis Distanzschuss selbst durch die Beine und ins Tor klatschte (59.). „Mein Fehler hat alles kaputt gemacht“, sagte Leverkusens Torwart über jene Phase, in der es die Werkself verstanden hatte, gegen die hoch stehenden Münchner zu Chancen zu kommen. Mehr als Sven Benders 1:3 (64.) gelang zunächst aber nicht. Lewandowski, zum fünften Mal Schützenkönig in Liga und Pokal, ließ seinen zweiten Treffer per Lupfer folgen (89.), ehe Kai Havertz einen Handelfmeter verwandelte (90.+5).

Als „sensationell“ wertete Flick die aktuelle Erfolgsserie, „die Einstellung ist einfach fantastisch“. Nur die zwischenzeitlichen Turbulenzen in der Defensive und fehlende Kühle beim Nach-Hause-Spielen des Sieges nahmen die Bayern als Makel und Warnung vor den Vergleichen mit der stärkeren europäischen Konkurrenz aus Berlin mit - und zudem die Eindrücke eines Finales in geschlossener Gesellschaft. Ein „trauriger Moment“ sei es auch, sagte Thomas Müller wegen des fehlenden Publikums und sprach von einer „nachdenklichen Minute“ bei der Siegerehrung.

Bevor es am Montag in den Kurzurlaub geht, mussten und müssen die Bayern noch zwei Pflichten bewältigen. Nach der Rückkehr aus Berlin stand am Sonntag ein Empfang beim Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter an, Tags darauf ist noch ein Marketingtermin vorgesehen. Erst danach kann Flicks Kader durchschnaufen, ehe am 19. Juli mit einem Coronatest sowie Cyber- und Kleingruppentraining die Vorbereitung auf die Fortsetzung der Champions League ansteht, in der das Viertelfinale nach dem 3:0 im Achtelfinal-Hinspiel beim FC Chelsea so gut wie erreicht ist.

Dann sollen Alaba, Thiago und Javier Martínez auf jeden Fall noch dabei sein. Während der Abschied von Martínez, 31, Ende August ansteht, kämpft Flick noch um den Verbleib der beiden anderen. „Auf jeden Fall werden ich und das Trainerteam uns mit allem, was wir haben, einsetzen, dass wir zwei solche Qualitäten halten können“, sagte er. Beide zögern seit Wochen mit ihrer Vertragsverlängerung über 2021 hinaus. Bei Alaba geht es wohl vor allem ums Gehalt. Über Thiago hatte Rummenigge schon vor dem Pokalfinale gesagt, dass sich ein Abschied andeute. Jürgen Klopps FC Liverpool gilt als interessiert. Dort kennen sie sich nach den Titeln in der Champions League (2019) und in der Premier League (2020) auch mit dem Feiern aus.