Manuel Neuer (l.) ist der Stammkeeper beim FC Bayern, Alexander Nübel möchte ihn gerne beerben.
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MünchenFür Aufregung hatte der kolportierte Wechsel von Schalkes Torwart Alexander Nübel zum FC Bayern ohnehin gesorgt, die Bestätigung führte noch einmal zu zusätzlichen Aufwallungen. Genügt hatten dafür jene vier Sätze, die eine Pressemitteilung der Münchner am Sonnabend kurz nach dem Abflug ins Trainingslager nach Katar umfasste. Darin wurde der ablösefreie Transfer zum 1. Juli ebenso bestätigt wie der Fünfjahresvertrag für das 23 Jahre alte Talent.

Es ist ein Coup mit vielen Nebenwirkungen, sowohl für den FC Schalke als auch für den FC Bayern, der Nübel angeblich weniger Gehalt bezahlen wird als S04 ihm angeboten hatte. Umgehend setzte Schalkes Trainer David Wagner im Trainingslager in Fuente Álamo (Spanien) Nübel als Kapitän ab und ernannte Mittelfeldspieler Omar Mascarell, 26, zum Nachfolger. Zudem ließ Wagner offen, ob Nübel nach seiner noch zwei Ligaspiele andauernden Rotsperre ins Tor zurückkehren wird.

Schalke 04 setztNübel als Kapitän ab

„Sehr, sehr gut“ habe Vertreter Markus Schubert, 21, zuletzt gespielt, sagte Wagner, „ich wünsche mir nichts mehr, dass er die nächsten zwei Spiele genauso weitermacht, genauso gut spielt, und dann werde ich darüber nachdenken“. Möglich also, dass Nübel ohne weitere Spielpraxis nach seinen 35 Einsätzen in der Bundesliga, vier im DFB-Pokal und zwei in der Champions League zum FC Bayern stößt.

Wie es dort für ihn weitergeht, ist ungewiss, zumal der ehrgeizige Manuel Neuer, 33, kaum freiwillig auf Spiele verzichten dürfte. Laut Sport-Bild hat der Nationaltorwart des FC Bayern das schon intern kundgetan. Dabei soll es um angeblich 15 Saisoneinsätze für Nübel gegangen sein. Beschäftigen dürfte Neuer, der 2011 vom FC Schalke nach München überlief, die Verpflichtung seines designierten Nachfolgers auch wegen der schon länger angedachten, aber noch nicht vollzogenen Verlängerung seines Vertrages um zwei Jahre bis 2023. Sein bisheriger Stellvertreter Sven Ulreich, 31, ebenfalls noch bis 2021 gebunden, dürfte im Sommer einen Wechsel anstreben. Es sei denn, die Bayern entscheiden sich entgegen der bisherigen Planungen für eine Ausleihe Nübels, bei der dieser Spielpraxis sammeln könnte.

Bei den Überlegungen über das weitere Vorgehen wird auch dem ehemaligen Bayern- und Nationaltorwart Oliver Kahn, 50, als Vorstand eine wichtige Rolle zukommen. Möglich, dass er schon in Katar das Gespräch mit Neuer sucht. An diesem Dienstag wird Kahn in München vorgestellt, abends wird er im Trainingslager am Persischen Golf erwartet. Es wird für die Bayern auch darum gehen, die Debatte einzudämmen, die ab Sommer ein ständiger Begleiter sein könnte.

Neuer will beim FC Bayern eigentlich verlängern

Schon jetzt wird der Wechsel heiß diskutiert. „Bayern hat die Chance genutzt, um einen sehr talentierten Torhüter nach München zu holen. Das ist sehr, sehr weitsichtig“, sagte Trainer Hansi Flick am Sonntag in Doha, wo auch Ajax Amsterdam mit Coach Erik ten Hag weilt, der als möglicher Nachfolger Flicks gehandelt wird. Dieser geht von einer Verlängerung mit dem „weltbesten Torhüter“ Neuer aus, lobte seine Nummer zwei Ulreich und sagte: „Was kommt, ist aktuell nicht mein Thema.“

Auch, weil Flick vorerst nur bis zum Saisonende im Amt bestätigt wurde. Für die zweite Saisonhälfte erneuerte Flick seinen Wunsch nach der Verpflichtung eines Rechtsverteidigers für seinen kleinen Kader, in dem ohnehin einige Ausfälle zu beklagen sind und nun auch Flügelspieler Serge Gnabry wegen Beschwerden an der Achillessehne vorerst mit dem Training aussetzen muss. „Es wäre schön, wenn wir da Verstärkung haben. Ein Rechtsverteidiger ist wichtig“, sagte Flick, da man Benjamin Pavard dann dauerhaft ins Abwehrzentrum ziehen könnte. Zudem könnte Flick mit Joshua Kimmich fest als Sechser planen. Nebenbei stünde einem womöglich gar ablösefreien Winterabgang von Innenverteidiger Jérôme Boateng, 31, dann wohl nicht mehr viel im Wege, wenngleich Flick sagte, er gehe davon aktuell nicht aus. Arsenal gilt als größter Interessent.

Der ehemalige Nationaltorwart René Adler äußerte derweil auf Sky Bedenken in Bezug auf Nübels Wechsel und verwies auf dessen geringe Anzahl an Profispielen sowie auf die Bedeutung von Praxiserfahrung für einen jungen Torhüter. Ähnlich sieht es der ehemalige Bundestrainer Berti Vogts, der Nübels Verpflichtung zwar nachvollziehen kann, eine direkte Ausleihe aber für sinnvoller erachtet hätte. „Das wäre für seine Entwicklung vielleicht besser gewesen“, sagte Vogts.

Einig sind sich die Experten, dass dem FC Bayern mit dem ablösefreien Transfer ein Coup gelungen ist. „Eine bessere Besetzung auf der Torhüterposition, glaube ich, gibt es weltweit nicht, wenn man zwei solche Keeper hat“, sagte Thomas Hitzlsperger, Vorstandschef des VfB Stuttgart. Und sogar Neuer sagte schon im Oktober bei der Nationalmannschaft, dass Nübel auf Sicht sein Nachfolger werden könne. Wichtig sei dafür vor allem Spielpraxis, befand Neuer. Dieser steht er künftig nun selbst im Wege.