Leroy Sané soll mit Bayern-Trainer Hansi Flick eine halbe Stunde lang telefoniert haben.
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MünchenHansi Flick trug ein blau-glänzendes Sakko und lächelte. Im Hintergrund stand der Pokal der Champions League, vor Flick lag sein neuer Vertrag als Cheftrainer bis zum 30. Juni 2023. Vor allem aber hielt der 55-Jährige in seiner rechten Hand einen Stift, der es zu einiger Berühmtheit gebracht hat. Zumindest wird davon ausgegangen, dass es sich um jenen Kugelschreiber handelte, der Flick als Geburtstagsgeschenk nach dem 3:0-Sieg im Achtelfinal-Hinspiel der Champions League beim FC Chelsea von Karl-Heinz Rummenigge mit den Worten überreicht worden war: „Und mit Stiften beim FC Bayern unterschreibt man manchmal auch Papiere.“ Was der Vorstandschef in London am 25. Februar deutlich in Aussicht gestellt hatte und bereits am 3. April vereinbart worden war, ist nun auch final vollzogen worden. „Die Tinte ist trocken“, vermeldete der FC Bayern am Donnerstag.

Das Foto erzählte auch davon, welch hoffnungsvoller Auftrag mit dem vergleichsweise langfristigen Vertrag verbunden ist für Flick. Neben den nationalen Titeln in der Bundesliga und im DFB-Pokal soll die Trophäe der Champions League erstmals seit 2013 gewonnen werden. Das weiß natürlich auch Flick. „Beim FC Bayern ist das Double im Grunde Pflicht, und alle sehnen sich nach dem Triple“, sagte er gerade im Vereinsmagazin 51. Viel Optimismus sprach aus ihm bereits Mitte März zu Beginn der Corona-Krise samt Zwangspause, die er damals auch wegen des Laufs seiner Mannschaft bedauerte. „Wir haben in allen drei Wettbewerben die Chance, sehr erfolgreich zu sein. Das Triple ist ja immer ein Thema, und es scheint im Machbaren zu sein“, sagte Flick damals.

Inzwischen geht es erst einmal darum, überhaupt wieder spielen zu dürfen. Nichtsdestotrotz treiben die Bayern die Planungen für die mittel- und langfristige Zukunft voran. Nach den Verlängerungen mit Flick sowie den Spielern Thomas Müller (bis 2023) und Alphonso Davies (2025) wurde auch das Arbeitspapier von Nachwuchschef Jochen Sauer bis 2023 ausgedehnt. Zudem intensivieren die Münchner wieder ihre Bemühungen um Manchester Citys Flügelspieler Leroy Sané, dessen Wechsel für mehr als 100 Millionen Euro Ablöse im Sommer 2019 wegen seines Kreuzbandrisses geplatzt war.

Die Sport Bild berichtete von einem rund 30-minütigen Telefonat Flicks mit dem 24-Jährigen. Am Donnerstag vermeldete die Bild-Zeitung ohne weitere Angaben, der alternativ diskutierte und auch vom FC Liverpool umworbene Leipziger Timo Werner, 24, werde „im Sommer auf keinen Fall nach München wechseln“. Für Sané sollen die Bayern nun rund 70 Millionen Euro Ablöse erwägen, City hoffe auf rund 85 Millionen Euro. Legt man diese Zahlen zugrunde, wäre eine Einigung nicht fern.

Das gilt umso mehr für Bayerns U17-Coach Miroslav Klose, 41, der zu Flicks weiterem Co-Trainer neben Hermann Gerland und Danny Röhl befördert werden soll. Die offizielle Aufnahme in Flicks Stab stehe „unmittelbar bevor“, schrieb die SZ. Zuständig wäre der ehemalige deutsche Nationalstürmer Klose unter anderem fürs Coaching der Offensive. Gut möglich, dass zu dieser auch bald Sané zählen wird.

Auch kurzfristig drücken die Münchner aufs Tempo. Das gilt vor allem für Präsident Herbert Hainer. Im Zuge der Debatte um die Wiederaufnahme des Spielbetriebs der Bundesliga sprach aus dem ehemaligen adidas-Vorstandvorsitzenden vor allem der langjährige Unternehmer. „Ich glaube, kein Fan mag ein Spiel ohne Zuschauer, mir ergeht es genauso“, sagte Hainer im Interview mit dem Magazin kicker, „aber man muss klipp und klar festhalten: Wenn wir nicht bald wieder anfangen zu spielen, wird die Bundesliga hinterher nicht mehr so aussehen wie heute. Dann wird ein erheblicher Teil der Vereine aus der 1. und 2. Liga in große wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten oder sogar in die Insolvenz gehen.“ Die Kritik, wonach der Fußball gerade eine Sonderrolle beanspruche, verstehe er dabei „ohnehin nicht“, sagte Hainer, „die Profifußballer gehen ihrem Beruf nach, wie das in anderen Bereichen auch der Fall ist – solange es aus gesundheitlichen Aspekten zu verantworten ist.“

Dafür soll das Hygienekonzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) sorgen. Die mit Nachdruck vorgetragene Offensive aus München kurz vor den Beratungen von Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten verpuffte am Donnerstag allerdings zunächst. Erst am kommenden Mittwoch soll in einer weiteren Konferenz der Kanzlerin mit den Länderchefs eine Entscheidung fallen, ob die Liga mit sogenannten Geisterspielen fortgesetzt wird.

Für Niklas Süle böte sich dadurch die Chance, nach seinem Kreuzbandriss noch in dieser Saison mitwirken zu können. „Ich befinde mich mit dem Reha-Training auf der Zielgeraden“, sagte der Innenverteidiger nun im Vereinsmagazin und gab sich ebenfalls offensiv. „Ich werde im Herbst 25, mein Ziel ist es jetzt, Führungsspieler zu sein“, sagte er, „ich möchte in den nächsten zwei, drei Jahren den nächsten großen Schritt machen. Und wenn die Leute dann sagen, ich gehöre zu den Besten der Welt, freue ich mich. Das ist mein Ziel.“ Der Gewinn der Champions League wäre dafür sicher zuträglich.