Salzburg - Ganz Salzburg brennt auf sein „Finale dahoam“ gegen den FC Liverpool, doch beim Champions-League-Sieger wollte Jürgen Klopp nicht einmal bei der Pressekonferenz auch nur einen Millimeter herschenken. „Ist natürlich scheiße für den Dolmetscher, wenn ein Deutsch sprechender Trainer daneben sitzt“, polterte der Teammanager des Premier-League-Tabellenführers vor dem letzten Gruppenspiel bei RB am Dienstag (18.55 Uhr/DAZN).

Klopp grätscht Übersetzer verärgert dazwischen

Der langjährige Zweitliga-Verteidiger Klopp (52) grätschte während der Pressekonferenz bei den Ausführungen des Übersetzers so harsch dazwischen, weil er eine Aussage seines Kapitäns Jordan Henderson als falsch übersetzt empfand. „Er hat nicht gesagt: 'Wir wollen es leicht angehen', sondern 'wir sind uns der Schwere der Aufgabe bewusst', das normale Zeug halt“, sagte der Trainer der Reds in seiner Muttersprache und führte aus: „Also schon zuhören. Sonst kann ich das auch übersetzen. Das ist ja nicht so schwer.“

Dann wechselte Klopp wieder ins Englische und raunte den mitgereisten Journalisten von der Insel entgegen: „Ich bin schon im Wettkampfmodus. Das kann ich Ihnen sagen.“ Die Mannschaft sollte dem Beispiel des Trainers folgen, denn im Falle einer Pleite bei den Salzburgern um Jungstar Erling Haaland könnten die Reds als zweiter Titelverteidiger in der Geschichte der Königsklasse nach dem FC Chelsea 2013 die K.o.-Runde verpassen.

Nach dem 1:1 gegen Neapel ist alles anders bei den Reds

Ein echtes Finale schon Monate vor dem Endspiel am 30. Mai 2020 in Istanbul? Das lag noch vor Kurzem außerhalb des Vorstellungsvermögens der Anhänger. „Ich weiß doch, wie die Menschen ticken“, sagte Klopp, „sie wollten, dass wir ein Urlaubsspiel in Salzburg haben.“

Doch nach dem 1:1 am fünften Spieltag gegen Neapel ist alles anders. Anstelle eines gemütlichen Ausflugs in die Mozartstadt im hektischen Adventsprogramm sind Topstar Virgil van Dijk und Co. richtig gefordert. Ein Remis würde reichen, um den drohenden GAU zu verhindern. Auch eine Niederlage mit einem Tor Unterschied könnte sich der souveräne Spitzenreiter der Premier League erlauben, sofern er nach dem spektakulären 4:3 im Hinspiel mindestens viermal trifft.

„Jetzt wird die Hütte brennen, wie sie noch nie gebrannt hat“

Doch Salzburg, das Rang drei und damit den „Abstieg“ in die Europa League wie Liverpool sicher hat, glaubt ans Wunder. „Wir haben jetzt ein Endspiel, ein 'Finale dahoam' gegen Liverpool. Besser geht's nicht“, sagte der frühere Bremer Zlatko Junuzovic: „Jetzt wird die Hütte brennen, wie sie noch nie gebrannt hat!“ 29.520 Zuschauer finden in besagter „Hütte“ Platz, bis zu 100.000 (!) wollten das Spiel sehen.

Weil auf dem Schwarzmarkt bis zu 1000 Euro für ein Ticket aufgerufen werden (Normalpreis: 60 bis 80 Euro), schrieb die Krone: „Euphorie in Salzburg - Wahnsinn kennt keine Grenzen mehr“. Reporter sogar aus Kasachstan und Kolumbien haben sich akkreditiert, die Pressekonferenz mit Klopp am Montag musste aus Platzgründen vom PK-Raum ins größere VIP-Zelt verlegt werden. Das „Spiel der Spiele“ stellt laut Salzburger Nachrichten „jede andere Partie, die jemals in Salzburg stattgefunden hat, in den Schatten“.

Salzburg hofft auf Heimvorteil

Schafft die von Red Bull mit Millionen geförderte Betriebssportgruppe die Sensation und zieht als erste österreichische Mannschaft in die K.o.-Phase ein? „Liverpool ist das beste Team der Welt“, sagte Torjäger Haaland (acht Treffer in fünf Spielen), „aber wir haben zu Hause eine gute Chance.“

Einen Sieg gegen ein englisches Team hat Salzburg im Europacup aber noch nie gepackt. „Jedes Mal vor dem Einschlafen geht mir das Spiel durch den Kopf“, sagte Torwart Cican Stankovic, „es kommt ganz schön was auf uns zu. Sie haben den besten Trainer, den besten Angriff und die beste Verteidigung...“ Zu Hause aber, betonte Sportchef Christoph Freund, „können wir jedem Gegner weh tun. Die Sensation ist möglich“. (sid)