Berlin - So schnell wird Luxus zum Glückfall. Noch am Sonntag wusste Union-Trainer Jens Keller nicht wohin mit all den Stürmern in seinem Kader. Schon am nächsten Tag löste sich das Problem in Wohlgefallen auf – und ohrenbetäubenden Jubel aus. Mit seinem ersten Pflichtspieltor legte Philipp Hosiner in der 12. Minute die Basis für das 2:0 (2:0), den vierten Sieg in Serie. Dass der im Sommer von Stade Rennes abgeworbene Österreicher in der Startelf auftauchte, lag daran, dass Collin Quaner am Montag der Oberschenkel zwickte.

In der Theorie war das eine Schwächung, schließlich führt Quaner mit sechs Treffern aus sechs Spielen die Torschützenliste der Zweiten Liga an. In der Praxis allerdings bewies Hosiner, warum eigentlich er als Topangreifer vorgesehen war. Er ersprintete einen von Kenny Prince Redondo verstolperten Ball und brachte ihn abgeklärt im langen Eck unter. Mit dem frühen 1:0 war der Plan von Gästetrainer Ewald Lienen vereitelt. Eng hatten seine Spieler beieinander stehen sollen, um Unions Kombinationsspiel zu verhindern. Zudem sollte das in dieser Saison sehr effektive Pressing der Mannschaft von Jens Keller unterbunden werden. Durch Ballbesitz fern des eigenen Strafraums. Beides misslang.

Nach dem Rückstand spielten die Unioner die Souveränität aus, die sie so früh in einer Saison gewonnen haben wie schon lange nicht. 14 Punkte in sieben Partien haben sie nun gesammelt und stehen auf Rang zwei, der Offensivkraft sei Dank. Wenn sich St. Pauli über die Mittellinie arbeitete, kombinierten sich die Köpenicker nach Ballgewinn mit jenen Kurzpässen durchs Mittelfeld, die Lienen hatte verhindern wollen. In der 30. Minute verschönerte Hosiner eine solche Stafette mit dem Einsatz seiner Hacke. Doch Adressat Damir Kreilach beließ es bei einem Schüsschen.

Weil sich Hosiner nach dem ersten Spieltag verletzt hatte, summierte sich seine Einsatzzeit bis Montag auf gerade mal 105 Minuten. Zunächst war dennoch nichts von fehlendem Spielrhythmus zu sehen. Immer wieder hatte er im richtigen Moment die richtige Vorahnung, wo sich eine Lücke auftun würde.

In der 42. Minute zeigte sich im Duell mit Lasse Sobiech zwar noch ein physischer Rückstand, als der Hamburger Innenverteidiger ihm das Spielgerät nach Steilpass vom genesenen Kapitän Felix Kroos vom Fuß nahm. Allerdings überließ der Spielführer von St. Pauli das gewonnene Gut umgehend Redondo: 2:0.

Der Dank dafür gebührt der bürokratischen Trägheit des Deutschen Fußball-Bunds (DFB). Denn der Innenverteidiger hatte am Donnerstag gegen 1860 München Gegenspieler Jan Mauersberger absichtlich in die Kniekehlen getreten. Der DFB leitete ein Eilverfahren ein, eine längere Sperre droht. Da die Hamburger jedoch bis Montag mit der vom DFB erbetenen Stellungnahme warteten, war alle Eile umsonst, ein Urteil vor Anpfiff ausgeschlossen.

Das dritte Mal hatte Hosiner dann in der 50. Minute das richtige Gespür für den sich öffnenden Raum, und Redondo den in die Tiefe gestarteten Kollegen im Blick. Nun zeigte sich, dass er doch noch nicht in Topform ist. Nach der vergebenen Chance mussten sich die Gastgeber dem letzten Aufbäumen der St. Paulianer erwehren. In Gefahr geriet der Erfolg jedoch nicht, Keller zog Kroos als Absicherung ins defensive Mittelfeld neben Stephan Fürstner zurück. Und so ist Union jetzt im eigenen Stadion seit elf Monaten unbezwungen.

Wenn demnächst auch noch Simon Hedlund sticht, derzeit nur Nummer drei im teaminternen Ranking und in der 67. Minute für Hosiner eingewechselt, dürfte die Serie vermutlich noch ausgebaut werden.