Sebastian Andersson bejubelt seinen Treffer zum 2:0 für den 1. FC Union gegen den 1. FC Köln.
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Berlin-KöpenickErfolg macht hungrig. Lässt die Gier anwachsen. Weckt den Hunger auf mehr. Sowohl intrinsisch wie auch extrinsisch. Was uns zu Sebastian Andersson führt, dem Matchwinner beim 2:0 (1:0) gegen den 1. FC Köln. Mit seinen Saisontreffern Nummer sieben und acht weckt Union Toptorjäger noch mehr Begehrlichkeiten. Bei Klubs, die durchaus finanzkräftiger sind als die Eisernen. Und es hätten ja sogar neun Tore sein können, wenn er nicht beim 1:2 auf Schalke den Strafstoß großzügig an Marcus Ingvartsen abgetreten hätte. „Er hat mich gefragt, und ich hatte den letzten in München verschossen“, sagte er und demonstrierte damit einen bei Stürmern nicht alltäglichen Ansatz von Selbstlosigkeit.   All das wirft die nicht ganz unberechtigte Frage auf, wie lange die Köpenicker tatsächlich noch auf Tore der Marke „Flanke Katz, Kopfball Hrubesch“ oder im vorliegenden Fall „Ecke Christopher Trimmel, Treffer Andersson“ bauen können?

Interessanterweise wurde diese Frage vor einigen Monaten schon mal von ganz anderer Seite aufgeworfen. Nämlich von Christian Gentner bei dessen ersten Gesprächen mit Union Vereinsführung nach der Relegation der Köpenicker gegen den VfB Stuttgart. „Ich habe vor der Saison schon Oli gefragt, ob wir es schaffen, ihn zu behalten. Weil ich in der Relegation ja schon gemerkt habe, wie stark See sein kann“, so der 34-Jährige. Seinerzeit konnte Oliver „Oli“ Ruhnert ihn beruhigen. Und auch jetzt beobachtet Union Manager das Ganze gelassen. Offiziell läuft der Vertrag des aus Kaiserslautern gekommenen Profis nur bis Ende Juni 2020. Er wäre also im kommenden Sommer ablösefrei. Ein Thema, das Ruhnert kein Kopfzerbrechen bereitet, weil es keins ist!

Ich fokussiere mich auf die letzten Spiele vor der Winterpause und dann werden wir sehen. Ich mag es in Deutschland sehr, ich denke, die Liga passt zu mir. Aber wenn ein gutes Angebot aus England kommt, wer weiß ...

Sebastian Andersson, schwedischer Torjäger in den Diensten des 1.FC Union.

Mit anderen Worten: Union besitzt eine Verlängerungsoption. Ob die durch den Aufstieg schon aktiviert wurde oder ob sie im Lauf der Spielzeit in Kraft tritt, beispielsweise nach einer gewissen Anzahl von  Spielen,  darüber spricht in Köpenick keiner. Man sieht sich aber für den Fall X gewappnet. Ablösefrei sei Andersson jedenfalls nicht.

Alle wissen um den Wert des Angreifers. Dass Union so erfolgreich vor allem nach Eckbällen ist – vier Treffer aus 47 Versuchen sind Ligabestwert – hat natürlich mit der Kopfballstärke des 1,90 Meter großen Modellathleten zu tun. Einzig Robert Lewandowski konnte neben dem Schweden über vier Kopfballtore jubeln.

Eine Garantie dafür, dass Andersson über den Sommer hinaus bleibt, gibt es aber nicht. Treueschwüre mag er nicht abgeben. Auch, um nicht zu lügen. „Ich bin nicht mehr so jung. Und um Verträge kümmert sich mein Berater“, so Andersson, der jahrelang in Schweden und auch im Europa unter dem Radar durchgeflogen war. Was auch Auswirkungen auf seinen Marktwert hatte. Ans große Geld ist der zweifache Familienvater bislang nicht gekommen. Lautern war seine erste Auslandsstation. Bei Union ist seine Entlohnung  durch den Aufstieg zwar gestiegen, aber sie scheint immer noch weit von dem entfernt zu sein, was Ruhnert gern als „Altverträge“ – ergo überteuert – bezeichnet und was im Team nicht unbekannt ist.

Ein umtriebiger Berater

In diese Dimensionen möchte aber sein Berater Martin Dahlin vorstoßen. Der ist ebenso umtriebig auf dem Transfermarkt wie früher als Stürmer in den gegnerischen Strafräumen. So spricht er seit Wochen mit Kandidaten, die dazu bereit wären, Andersson eine sechsstelliges Monatsgehalt zu garantieren. Mit diesen Überlegungen – der VfB Stuttgart und der HSV sollen mehr als interessiert sein – soll er Union konfrontiert haben. Womöglich, um eine vorzeitige Vertragsverlängerung zu deutlich aufgestockten Bezügen zu erreichen.

Ruhnert empfindet es zwar als legitim, dass Dohlin sich um seinen Klienten kümmert und die Grenzen ausloten will, aber er muss das Große und Ganze bei Union im Blick haben. Überteuerte Verträge können einen Klub teuer zu stehen kommen, sollte es mal wieder runter gehen.

Andersson selber hat sich noch nicht festgelegt. „Das Wichtigste ist, spielen zu können“, meinte der schwedische Nationalspieler, dessen Chancen sich dort verbessern, würden, wenn er bei einem Topverein und womöglich international agieren könnte. Viele Chancen dafür hat Andersson nicht mehr. Er ist immerhin schon 28.