FC Union - Bielefeld: Köhluschkas Grinsen

Glücklicherweise sind Torsten Mattuschkas Füße mit mehr Geschick gesegnet als seine Hände. Sonst würde dem 1. FC Union ein trauriges Weihnachtsfest ins Haus stehen. Denn wenn es darum geht, aus drei Metern eine Torte auf ein kopfgroßes Ziel zu werfen, ist er so gefährlich wie ein Elfmeterschütze mit zusammengebundenen Füßen. Benjamin Köhler grinste. Nach den Weihnachtsfeiertagen wird er seine Freundin heiraten und damit Geld in die Hochzeitskasse kommt, bot er nach dem 4:2 (3:1) gegen Bielefeld sein Gesicht für ein Entgelt als Zielscheibe dar. Mattuschka durfte die Eiweißschaumsahneschlacht eröffnen, die ersten zwei Würfe aber waren zu Köhlers großer Freude herausgeworfenes Geld.

Die beiden 33-Jährigen sind die Erfahrensten im Kader des 1. FC Union, aber auch dessen größte Kindsköpfe. Seitdem Köhler im Sommer nach vielen Bundesligajahren in seine Heimatstadt zurückgekehrt ist, albern die zwei Mittelfeldspieler zusammen herum, was dem Duo den Namen Köhluschka eingebracht hat. Bei so viel Freundschaft verwundert es nicht, dass Mattuschka vor der Tortenparty dafür Sorge getragen hatte, dass der klebrig-süße Junggesellenabschied nicht von einem sportlichen Fiasko überschattet wurde. Nach frühem Rückstand war der Kapitän an allen vier Treffern maßgeblich beteiligt.

Dank des Erfolgs zum Jahresabschluss können sich die Köpenicker auf eine verheißungsvolle Fortsetzung nach der Winterpause freuen. „Wir haben eine jetzt zufriedenstellende Halbserie gespielt“, resümierte Uwe Neuhaus. Angesichts dessen, dass seine Mannschaft nach 19 Spielen mit 31 Zählern bei Punktgleichheit nur ein paar Tore hinter dem Relegationsrang liegt, ist das ein zurückhaltendes Fazit. „Ich glaube, dass wir alle noch unter dem Eindruck stehen, dass wir so viele Spiele hintereinander nicht gewonnen haben“, sagte Neuhaus.

Doch sein Team hat rechtzeitig die Kehrtwende geschafft und dem 4:0 in Bochum den nächsten Sieg folgen lassen. Dabei ließ sie sich wie schon im Heimspiel gegen St Pauli nicht davon schocken, dass Torwart Daniel Haas nach weniger als einer halben Minute hinter sich greifen musste. Haas war es zu verdanken, dass es danach nicht wie gegen St. Pauli weiterging, als es nach sechs Minuten 0:2 gestanden hatte. „Wir haben 15 Minuten gebraucht, um uns zu schütteln“, sagte Neuhaus.

Als erster besann sich Mattuschka und führte das Team mit einfachen Mitteln zum Erfolg. Zunächst servierte er Mario Eggimann einen Eckball auf den Kopf (18.), später dann Adam Nemec (42.). Da half den Bielefeldern auch nicht, dass ihr Trainer sie eine Woche darauf vorbereitet hatte. „Die Standards waren einfach nicht zu verteidigen“, sagte Stefan Krämer.

Nicht vorbereitet waren die Gäste auf Kohlmanns Vorstöße. Wie Eggimann trug der Linksverteidiger eine Mitschuld am 0:1, machte seinen Fehler aber gleichfalls mit einem Tor wett (26.). Beim zweiten Ausflug in den gegnerischen Sechzehner holte er den Foulelfmeter heraus, den Mattuschka zum 4:1 verwandelte (49.). Dass Kohlmann im direkten Gegenzug einen Bielefelder Strafstoß und somit das 2:4 verursachte, reduzierte die Begeisterung auf den mit 20 314 Zuschauern besetzten Rängen nicht.

Neuhaus ließ sich von der Euphorie nicht mitreißen. Die Serie aus sechs nicht gewonnenen Spielen in Liga und Pokal macht dem Trainer zu schaffen. Dass Union trotzdem den Anschluss nicht verloren hat, liegt daran, dass die Konkurrenten ebenfalls patzten, nachdem sie Union besiegt hatten. „Jede Mannschaft, die das im nächsten Jahr vermeiden kann, wird gute Chancen haben, um den Aufstiegsplatz mitzureden“, sagte Neuhaus. Und weil die Unioner es satt sind, am Saisonende schweigend auf Platz sieben einzulaufen kündigte er an, dass er in der Winterpause in Ruhe noch mal alles analysierend von links auf rechts drehen wolle. Allerdings blieb er seinem Realismus treu: „Ich weiß nicht, ob ich auf ein Ergebnis kommen werde.“

Unter Umständen weiß sein Kapitän Rat. Denn dem fiel sogar für seine eklatante Wurfschwäche eine simple Lösung ein: Er ging mit Torte Nummer drei zum Nahangriff über. Jetzt grinste Mattuschka.