FC Union - Fortuna Düsseldorf: Damir Kreilach - der Eigentormann

Berlin - Der am unwahrscheinlichsten anzunehmende Rotationsfall ist eingetreten. Damir Kreilach, seit Jahren die Konstante beim 1. FC Union, fehlte in der Startelf. Bis zur Partie bei Fortuna Düsseldorf hatte der ehemalige Kapitän in 2414 von 2430 Spielminuten auf dem Platz gestanden, am zwölften und 19. Spieltag war er in der Schlussphase ausgewechselt worden.

In Düsseldorf saß er nun eine knappe Stunde draußen und sah, wie sich die Kollegen im Großen und Ganzen souverän im Rennen um Rang eins zurückmeldeten, trotz Schwächen im Kleinen und Speziellen. Dann betrat der Mittelfeldregisseur den Platz und drehte die Partie – zugunsten des Gegners. „Wir machen zwei Eigentore, ein richtiges und ein dummer Ballverlust im Mittelfeld“, ärgerte sich Union-Coach Jens Keller. Kreilach hatte beides zu verantworten.

Der Punkt, als das Spiel kippte

„Sehr bitter“, fand es auch Torwart Daniel Mesenhöler, was  nach Kreilachs Einwechslung geschehen war. Trotz Halbzeitführung und schnellem 2:0 nach dem Seitenwechsel hatte er in der Schlussminute noch den 2:2-Ausgleich kassiert. Ein Punkt, der niemanden bei den Eisernen zufriedenstellt.

„Weil das Eigentor zu dem Zeitpunkt kam, in dem wir das Spiel gut im Griff hatten. Dann ist das Spiel gekippt“, sagte Mesenhöler.

Zum zweiten Mal innerhalb einer Woche hat ihn Kreilach bezwungen, als er nun in der 80. Minute versucht hatte, eine Flanke von Ihlas Bebou zu klären. Das war das von Keller angesprochene richtige Eigentor. Das falsche folgte kurz vor Abpfiff, als Kreilach am Mittelkreis den Ball verstolperte, und Bebou erneut flanken konnte. Özkan Yildirim vollstreckte.  Tiefe Furchen zierten danach Kellers Stirn, er sagte: „Wir sind sehr enttäuscht, nur mit einem Punkt nach Hause zu gehen. In der ersten Hälfte war die Führung etwas glücklich. Nach dem 2:0 haben wir es aber sehr gut verteidigt und wenig zugelassen“. Wenn nicht Kreilach gewesen wäre.

Zwei Eigentore in drei Spielen

Er, der Union schon so oft vor Enttäuschungen bewahrt hat, dank seiner Kampf-, Schuss- und Willenskraft. Auf den immer Verlass ist. Zwei Eigentore in drei Spielen. Kreilach ließ den Kopf hängen. Dass ausgerechnet ihm, dem konstanten Vorbild, die entscheidenden Fehler passieren, ist tragisch, aber auch erklärbar. Er will den Ball, er sieht, wo er gebraucht wird. Er will das Richtige. Damit ist er beispielhaft für das momentante Streben und Scheitern der Unioner.

Trainern wird gerne ein glückliches Händchen angedichtet, wenn sie den Ausgang einer Partie mit einer offensichtlichen, für alle leicht zu erkennenden Maßnahme positiv beeinflussen. Das Paradebeispiel so einer Verbesserungsmaßnahme ist der Spielertausch, und Kellers Händchen erwies sich zunächst als ein besonders glückliches. Nach zwei Niederlagen hatte er auf mehr Wucht im Angriff und noch mehr Tempo auf den Außen gesetzt: Philipp Hosiner und Kenny Prince Redondo waren mit von der Partie und erzielten ihr viertes beziehungsweise drittes Saisontor. Sie hatten zuletzt Ende Oktober (Hosiner) und Mitte November (Redondo) von Beginn an gespielt.

Mit den beiden Neuen in der Startelf verschob sich die Grundformation auf ein 4-4-2, und schnell zeigte sich, dass diese Veränderung Schatten und Licht ins Union-Spiel brachte. In der Rückwärtsbewegung fehlte im Zentrum zwischen Mittelfeldreihe und Angriffsduo jemand, der die durch die Mitte drängenden Fortunen in Empfang nahm. Die glänzende Kehrseite der Medaille war die Überzahl, die dieBerliner dank ihrer schnellen Flügelspieler Steven Skrzybski und Redondo in der Offensive blitzschnell herstellen konnten: Zu viert nebeneinander stürmten sie aufs Tor. Beim ersten  Versuch übersah Redondo die Kollegen, beim zweiten eine Minute später legte der vorrückende Rechtsverteidiger Christopher Trimmel auf Hosiner zurück. Überfall erfolgreich, 1:0 (15.).

Zwar stellten die Unioner danach das Zentrum  besser zu, dafür waren sie über die Flügel anfällig und wackelten nach Eckbällen. Zudem  verschenkte Toni Leistner den Ball als letzter Mann an Rouwen Hennings. Roberto Puncec und Keeper Daniel Mesenhöler retteten  (35.). Nach dem Seitenwechsel verhalf der Düsseldorfer Verteidiger Kevin Akpoguma seinerseits mit einer Kopie des Leistner-Patzers Redondo zum 2:0 (55.), bevor sich das zweite Händchen von Keller als ein sehr unglückliches erwies. Nach Kreilachs finalem Ballverlust analysierte der ebenfalls eingewechselte Simon Hedlund die Situation erst falsch und ging dann nicht energisch dazwischen. „Die rechte Seite war komplett offen, nachdem Stevie da nicht mehr gespielt hat“, regte sich Leistner hinterher auf. „Das war ohne Charakter und ohne Willen auf der rechten Seite.“