Heidenheim - Unmittelbar mit dem Schlusspfiff begann die Zeit der Vier-Augen-Gespräche. Die waren auch dringend nötig, um zumindest ansatzweise Klarheit in das zu bringen, was sich vorher zugetragen hatte. Der größte Klärungsbedarf bestand nach sieben Treffern bei den Torhütern.

Union-Torwart Jakob Busk wurde von Stephan Fürstner ins Gebet genommen, und Heidenheims Keeper Kevin Müller vergewisserte sich zum Beispiel bei Steven Skrzybski, ob der diesen unfassbaren Ball tatsächlich so beabsichtigt habe. Antwort: „Natürlich!“

Steven Skrzybski befindet sich beim 1. FC Union in einer schwierigen Situation. Bei seinen sieben Startelfeinsätzen zu Saisonbeginn hatte er dreimal getroffen und drei Vorlagen geliefert. Trotzdem setzte Union-Trainer Jens Keller fortan auf den Außenbahnen auf Simon Hedlund und Akaki Gogia.

Deshalb war Skrzybski froh, bei seiner Rückkehr in die Startelf gleich doppelt getroffen zu haben. So richtig glücklich machte ihn das an seinem 25. Geburtstag aber nicht. Zum einen ging das Spiel in Heidenheim 3:4 (0:1) verloren, zum anderen kann er nicht sicher sein, ob die zwei sehenswerten Tore reichen, um wieder zur Stammformation zu gehören.

Keller jedenfalls stand der Sinn nach dem Ende der sechs Spiele währenden Unbesiegbarkeit nicht nach überherzlichen Glückwünschen. „Stevie war bis zu seinen zwei Toren nicht richtig im Spiel“, sagte er. Wobei hinzugefügt werden muss, dass diese Einschätzung nicht falsch oder gar böswillig war.

Sechs Tore in 14 Minuten

Insbesondere in der ersten Hälfte hatte bei den Unionern kaum etwas so funktioniert wie geplant. Was vielleicht auch daran lag, dass Marcel Hartel nach den zwei U21-Länderspielen in Aserbaidschan und Israel von Keller geschont wurde und Hedlund bereits auf dem Hinweg zum Flughafen die Rückreise per Taxi hatte antreten müssen. Der Magen rebellierte. Wohl nur aufgrund des Ausfalls des schwedischen Außenangreifers bekam Skrzybski mal wieder eine Chance von Beginn an.

Für sich kann der nun 25-Jährige festhalten, dass er in einer persönlichen Drucksituation das geliefert hat, was von einem Stürmer zuvorderst erwartet wird. Die Art, wie er seine beiden Tore erzielte, ließ Freund und Feind staunen. Sebastian Polter, der Union per Foulelfmeter auf 1:2 herangebracht hatte, war besonders von Skrzybskis Drehschuss zum 3:4 beeindruckt: „Den mit links in der Höhe zu nehmen, ist extrem schwierig.“

Heidenheims Schlussmann Müller hingegen begriff nicht, was da beim 2:3 geschehen war, weshalb Skrzybski erklärte: „Ich habe gesehen, dass alle mit dem Rückpass rechnen. Der Winkel, den ich treffen musste, war schmal. Das war meine einzige Chance.“ Er nutzte sie von der Grundlinie.

Allerdings waren Polters achter sowie Skrzybskis vierter und fünfter Saisontreffer nur drei von unglaublichen sechs Tore innerhalb von 14 Minuten nach dem Seitenwechsel. „Die Anzahl der Fehler war bei allen Spielern zu hoch“, ärgerte sich Keller.

Beispielsweise konnte Aushilfsrechtsverteidiger Peter Kurzweg die Heidenheimer Außenspieler nicht am Flanken hindern, und in der Innenverteidigung machte Marc Torrejon keine gute Figur. Zudem − damit sind wir beim Zwiegespräch zwischen Fürstner und Busk angelangt − war die Entscheidung von Busk diskussionswürdig, einem Freistoßspezialisten wie Marc Schnatterer keine Menschenmauer in den Weg zu stellen. „Ich glaube nicht, dass man eine Mauer stellen muss. Aber man muss den Ball halten“, befand Keller.

Dem widersprach Busk nicht, verteidigte den Mauerverzicht aber: „Ich werde es das nächste Mal wieder so machen.“ Bei einem Schuss aus 30 Metern ist es ihm lieber, freie Sicht zu haben. Trotzdem hatte er den Ball kurz aus dem Auge verloren. „Ich bin auch nur menschlich“, sagte er.

Somit ist die Krux für Skrzybski: Union spielte nicht so, wie es der Trainer wollte − und verlor. Letztlich ist dies das Entscheidende. Dass ihm nach einem TV-Interview ein Scheinwerfer auf die Schulter fiel, besiegelte den wenig glücklichen Geburtstag. „Das passt zum heutigen Tag“, sagte Skrzybski.