FC Union vs. Sandhausen: Union sucht nach der verlorenen Konzentration

Die Räder rollten im Schritttempo durch den Wald, beim 1. FC Union war am Ostermontag Entspannung angesagt. Ein wenig Mobilisierung der Muskeln im Kraftraum, eine kleine Runde auf dem Fahrrad, dann durften die Fußballer nach Hause. An der Alten Försterei ist nach aufreibenden Monaten mit Notfall-Kurztrainingslagern, Spieler-Suspendierungen und gestrichenen freien Tagen Ruhe eingekehrt. „Unterm Strich gesehen können wir mit einem Punkt leben“, sagte Norbert Düwel nach dem 1:1 (0:1) in Sandhausen.

Über dem Strich standen allerdings erneut zwei gegensätzliche Halbzeiten, die dem Trainer zu denken geben müssen. Denn nur an seiner Systemumstellung in der Halbzeitpause lag es nicht, dass im zweiten Abschnitt ein Rädchen ins andere griff, wo noch in Hälfte eins alles unabhängig voneinander rotiert hatte. Von der Konstanz, die Kapitän Damir Kreilach als Ziel für die verbleibenden Spiele bis Saisonende ausgegeben hatte, war nichts zu sehen gewesen.

Selbst die betroffenen Fußballer können das Phänomen nicht erklären. Natürlich spüren sie auf dem Platz, wenn aus dem Mühen von elf Individualisten auf einmal eine kollektive Bewegung wird. „Das macht Spaß“, sagte Christopher Trimmel nach der Radtour durch den Wald und meinte Halbzeit zwei. „Mir ist das unerklärlich, warum das in der ersten Halbzeit nicht funktioniert.“

Der erste Spielabschnitt, in dem Union kaum etwas gelang, hatte schon früh darin gegipfelt, dass Trimmel einen Ball ans Bein geschossen bekam, der ins eigene Tor prallte (6.). Ein unglücklicher, aber bis zur Pause verdienter Rückstand. Man habe sich zu wenig bewegt, lautete die Erklärung der Union-Spieler. Das Vertrackte daran: Die Unioner liefen in beiden Hälften gleich viel (etwa 58 Kilometer), aber die ersten 45 Minuten nur hinterher.

Nach der Umstellung der Abwehr von Vierer- auf Dreierreihe agierte das gesamte Team entschlossener und nutzte die Überzahl im Mittelfeld. Eroll Zejnullahu, 20, der sich vor dem 0:1 noch hatte düpieren lassen, und der eingewechselte Björn Jopek, 21, setzten spielerischen Impulse, und der dritte junge Mittelfeldmann, Valmir Sulejmani, 19, erzwang mit entschlossenen Dribblings unter anderem die Ecke, die zum Ausgleich (Eigentor Timo Achenbach, 51.) führte.

Dennoch ist die Systemfrage nicht die entscheidende. Auch mit Viererkette gab es gute, und mit der Dreierkette schlechte Halbzeiten. Warum aber schafft Union es fast nie 90 Minuten mutig und konzentriert zu agieren? Richtige Zuspiele im falschen Moment oder falsche Zuspiele im richtigen Moment gab es in Sandhausen übrigens in beiden Abschnitten, weshalb vielversprechende Konter vergeben wurden. Nach dem trainingsfreien Dienstag, wird die Ruhe daher schnell vorbei sein, wenn Düwel am Mittwoch vor- und nachmittags zur Übung auf den Platz bittet. Zur Freude von Trimmel. „Die Einheiten brauchen wir“, sagte der 28-Jährige.