Noch vor 14 Tagen war die Hertha-Welt in bester Ordnung. Die Aufbruchstimmung, die der neue, sehr kommunikative Trainer Ante Covic und auch der Rekordeinkauf, der 20-Millionen-Euro-Mann Dodi Lukebakio, entscheidend mit erzeugt hatten, bekam nach dem starken 2:2 beim FC Bayern München am ersten Spieltag noch einmal einen Schub. Die Neugier auf die Mannschaft, die laut Manager Michael Preetz fortan attraktiveren Fußball spielen sollte als in den Jahren zuvor, war groß. Es folgten aber das ernüchternde 0:3 im Olympiastadion gegen den VfL Wolfsburg und nun das bittere 0:3 auf Schalke, ein Spiel, das zuvor von Herthas Verantwortlichen als „richtungsweisendes Duell“ tituliert worden war. Mit zwei Selbsttoren durch Niklas Stark und Karim Rekik schlug sich die Mannschaft beinahe selbst. Häme in den sozialen Netzwerken ist die Folge. Der Slogan „Ein Eigentor ist hart, zwei Eigentore ist Hertha“ wurde zum Renner.

Fakt ist, der Auftritt in der Arena zu Gelsenkirchen hat die Euphorie, ja, den Zauber des Neuanfangs unter Covic erst einmal erstickt. Das ist ernüchternd für den mit viel Enthusiasmus gestarteten Trainer, die Mannschaft und die Fans. Nach drei Spieltagen ist Hertha auf einen Abstiegsplatz abgestürzt, was zu diesem Zeitpunkt noch kein Beinbruch ist, aber sehr ernst genommen werden muss. Bei Hertha sollte man aus eigener Erfahrung wissen, wie schwer es in der Bundesliga ist, schnell aus dem Tabellenkeller herauszukommen – siehe die Spielzeiten 2009/10 und 2011/12.

Stagnation unter Dardai

Im Mai hatte sich die Vereinsführung für einen neuen Coach entschieden, wollte nach Jahren der Stabilität unter Pal Dardai mit den Plätzen 15, 7, 6, 10 und 11 einen Qualitätssprung herbeiführen und offensiveren, attraktiveren Fußball anbieten. Manche interpretierten die teils starken, aber auch oft schwächeren Auftritte in der jüngeren Vergangenheit unter Dardai als Stagnation.

Jetzt ist aber vor allem eines verloren gegangen, was unter dem Ungarn meist funktionierte: die Stabilität in der Defensive. Die zwei Eigentore auf Schalke und Strafstoß gegen Wolfsburg, der durch den formschwachen Rekik verursacht wurde, sorgen für eine große Unsicherheit im Deckungsverbund, der auf dem Papier personell gut aufgestellt zu sein scheint. Hertha muss nun schnell die viel zitierte Balance finden zwischen einer funktionierenden, robusten Abwehr und der angestrebten Offensiv-Power.

Lohnender Blick nach Köpenick

Ein Blick zum Stadtrivalen Union nach Köpenick lohnt sich aber auch für Hertha BSC. Dort kann ein kampfstarkes Kollektiv qualitativ weitaus besser aufgestellte Gegner bezwingen und ein enges, lautes Stadion mit euphorischen Fans die Profis in ungeahnte Höhen tragen. Schon Pal Dardai hatte den Vorzug einer engen, steilen Arena, die Hertha unbedingt bauen will, erkannt. „Solch ein Stadion und tolle Fans können plus zehn Punkte in einer Saison einbringen.“ Doch Nachfolger Covic und Co. müssen erst einmal im großen Olympiastadion Punkte sammeln. Und in 14 Tagen beim Tabellenletzten Mainz 05. Das ist schon wieder ein richtungsweisendes Duell.