Macht mit, wenn Not am Mann ist: Hertha-Trainer Bruno Labbadia.
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BerlinMit kleinen Trainingsgruppen kennt sich Bruno Labbadia spätestens seit der Corona-Zwangspause im März und April aus. Dennoch kann Herthas Cheftrainer der derzeitigen Situation auf dem Schenckendorffplatz nicht viel Positives abgewinnen. „Das ist alles andere als optimal“, sagte Labbadia, der zu Wochenbeginn seine Anweisungen an nur noch elf Akteure geben konnte. Gleichwohl will der Hesse das Beste aus seinem Rumpfkader herausholen: „Wir wussten, dass der Zeitpunkt alles andere als günstig ist. Trotzdem haben wir einen klaren Plan für die Spieler, die noch da sind.“ Die Zeit und den kleinen Kreis wolle er nutzen, um sowohl weiter an taktischen Dingen als auch an der Frische seiner Profis zu arbeiten und „um das ein oder andere Einzelgespräch“ zu führen.

In erster Linie hat die Länderspielpause den Teilnehmerkreis kurz vor dem Saisonstart auf eine überschaubare Größe schrumpfen lassen: Gleich neun Nationalspieler hat Hertha abgestellt – trotz der undurchsichtigen Corona-Lage und Reisen in Risikogebiete. Bis zuletzt hatten die Blau-Weißen darauf gehofft, dass ausnahmsweise der Berliner Senat mal Schützenhilfe leistet. Eine neue Verordnung, die Reiserückkehrer aus Covid-19-Risikogebieten in eine fünftägige Quarantäne zwingt, ist jedoch am Montag noch nicht erlassen worden. Dennoch hofft Hertha insbesondere die drei niederländischen U21-Nationalspieler noch vor ihrer Abreise nach Belarus wieder zurück nach Berlin beordern zu können. „Das ist ein offener Austausch und kein Gegeneinander“, sagte Labbadia und verneinte damit einen kolportierten Zoff mit dem benachbarten Fußballverband.

Dass am Montag lediglich neun Feldspieler und zwei Torhüter zur Verfügung standen, lag auch daran, dass weitere Herthaner kurzfristig passen mussten. Neben Abwehrchef Dedryck Boyata, dessen Achillessehnenverletzung konservativ behandelt werden soll, fehlten auch die Verteidiger Niklas Stark (Infekt) und Karim Rekik (Leisten- und Adduktorenprobleme) sowie der Stürmer Dodi Lukebakio (Sprunggelenk). Anders als bei Boyata hofft Labbadia bei den drei Letztgenannten auf eine Rückkehr in dieser Woche.

Weil das Gros der Nationalspieler erst nächsten Mittwoch wieder in Berlin zurückerwartet wird, droht nicht nur die Generalprobe beim Hamburger SV am Sonnabend, sondern auch der Pflichtspielauftakt in der ersten Pokal-Runde bei Zweitligist Eintracht Braunschweig (11. September) extrem schwierig zu werden. „Das wird ein Kaltstart“, sagte Labbadia und erklärte: „Aber jammern hilft nicht. Wir nehmen die Situation so an und haben schon in Corona-Zeiten das Beste daraus gemacht.“ Dass Hertha trotz aller Widrigkeiten das Spiel in Braunschweig gewinnen muss, stellte Herthas Cheftrainer klar: „Das muss reichen. Auch, wenn der Gegner gut ist.“