Felix Kroos über Gladiatoren und die Lehren aus der letzten Saison

Trotzdem gibt es unterschiedliche Sympathien. Was macht bei Union den Unterschied?

Die Leute wollen sehen, dass man sich das Attribut Fußballgott verdient.

Wie schafft man das?

Indem man  zeigt, dass man sich nicht wichtiger nimmt als den Verein und  die Mannschaft. Das ist gar nicht zu viel verlangt. Das erkennen die Leute, dafür haben sie ein Gespür. Deshalb ist es  gar nicht so schwierig: Du musst nur Gas geben und für den Verein da sein. Dann sind die Leute zufrieden.

Im Team sind Sie als Kapitän Bezugsperson. Was macht Sie dazu?

Das Auftreten. Man muss vorangehen und darf nicht nur viel reden, sondern muss das auch in Taten umsetzen. Ich würde das auch machen, wenn ich die Binde nicht am Arm hätte.

Was war der Auftrag von Jens Keller, als er Sie ernannt hat?

Er hat nur gesagt, dass er mir das zutraut. Darüber habe ich mich gefreut. Das ist jetzt ein Jahr her und ich habe damals schon gesagt, dass ich das nicht so hoch hänge. Ich bin nicht der Einzige, der Dinge entscheidet. Das ist immer eine Zusammenarbeit im Team und niemals ein Alleingang.

Was haben Sie denn auf und neben dem Platz im Blick?

Du musst gucken, dass du die anderen unterstützt. Reden, mitlaufen. Das sollte aber jeder tun. Man darf nicht vergessen, dass man sich auch ein bisschen um sich selbst kümmern muss, damit man  eine gute Leistung bringt.

An Ihrer Spielweise scheiden sich die Geister. Sie lösen Situationen mit Auge und Technik. Das wirkt manchmal arg lässig.

Wie das nach außen wirkt, weiß ich nicht. Ich weiß nur, dass ich immer versuche, das Beste zu geben und zu erreichen. Ich bin jetzt neun Jahre dabei und will mich weiter verbessern. Aber ich werde mich nicht grundsätzlich verändern. Die Meinung des Trainers ist mir ein bisschen wichtiger  als alles, was von außen kommt. Okay, ein bisschen ist untertrieben.

Was sind die Lehren, die Sie aus der vergangenen Saison mitnehmen?

Es lag an Kleinigkeiten, dass wir nicht den ganz großen Erfolg geschafft haben. Wir haben eigentlich nur Stephan (Fürstner, d. Red.), der schon mal in so einer Situation war. In solchen Momenten entscheidet nicht nur das fußballerische Können, sondern auch der Kopf. Die Erfahrung haben wir jetzt, und ich hoffe, dass uns das besser macht. Aber das ist keine Garantie, dass wir wieder da oben sein werden. Das müssen wir uns hart erarbeiten.

Die drei entscheidenden, verlorenen Auswärtsspiele in Hannover, Braunschweig und Stuttgart waren nicht Ihre besten Saisonpartien.

Das ist mir relativ egal, weil die Saison vorbei ist.

Sie ziehen keine Lehre daraus?

Nein.

Und jetzt?

Gehe ich schlafen. Wenn Sie mich nach meinen Stärken fragen, Schlafen ist auf jeden Fall dabei. Das kann ich immer und überall. Zumindest tagsüber. Und in der NBA ist ja gerade Sommerpause.