Felix Kroos vom 1. FC Union: „Ich hatte Schmerzen, die ich so nicht kannte“

Als es nicht mehr auszuhalten war, fuhr Felix Kroos in die Notaufnahme. „Wenn es einfach nur leichte Bauchschmerzen gewesen wären, hätte ich das nicht gemacht, aber das waren Schmerzen, die ich so noch nicht kannte“, sagte der Mittelfeldspieler des 1. FC Union. Sechs Tage quälte sich der 28-Jährige, verpasste Unions Testspiel gegen den VfL Wolfsburg, für das er fest eingeplant war. Dann verschwanden die Schmerzen so abrupt, wie sie gekommen waren.

Keine medizinische Erklärung

Eine medizinische Erklärung dafür hat Felix Kroos bis heute nicht. „Im Krankenhaus wurden unzählige Tests gemacht, rausgekommen ist aber nichts.“ Nach vier Tagen fragten ihn die Ersten, ob es denn wirklich so schlimm sei oder ob er sich die Schmerzen vielleicht nur einbilde. „Das war dann natürlich eher nicht so schön“, gibt Kroos zu, betont jedoch gleichzeitig: „Von Union haben sich aber zahlreiche Leute immer wieder nach mir erkundigt. Das zeigt auch, welche Wertschätzung man hier im Verein erlebt.“

Angst, dass der Schmerz wiederkommt, hat der erfahrene Mittelfeldspieler nicht. „Es gibt nur Vermutungen, woran es gelegen haben könnte. Darüber mache ich mir keine Gedanken mehr.“

Die Tatsache, dass sein Ausfall − Kroos konnte wegen der Erkrankung fast zwei Wochen nicht vollumfänglich trainieren − zu einem strategisch äußerst ungünstigen Zeitpunkt kam, nagt da schon weitaus mehr an ihm.

Immerhin wird in den Wochen vor dem Pflichtspielauftakt für gewöhnlich das Grundgerüst der Startelf für die ersten Spiele geschweißt.

„Klar nervt das“, ärgert sich der gebürtige Greifswalder, versucht aber fokussiert zu bleiben: „Es bringt mir nichts zu grübeln. Ich denke, dass ich in den Wochen vor der Erkrankung gut mitgezogen habe und Urs Fischer meine Fähigkeiten kennt.“

Doch bereits im Aufstiegsjahr setzte der Trainer, vor allem zum Saisonfinale hin, vermehrt auf Kroos’ Konkurrent Robert Zulj. Nach dessen Abgang hat der 28-Jährige, je nach Position, mit Bundesliga-Urgestein Christian Gentner, dem dänischen U21-Nationalspieler Marcus Ingvartsen und Allrounder Robert Andrich neue, noch hochkarätigere Konkurrenz bekommen.

„Es kann nur von Vorteil für die Mannschaft sein, wenn gute Spieler zusammenspielen“, zeigt sich Kroos dimplomatisch und erklärt: „Wir werden über die Saison auch mehr als nur elf oder fünfzehn Spieler benötigen. Jeder muss bereit sein, wenn die Chance kommt und ich bin davon überzeugt, dass auch ich meine Chance bekommen werde.“

Kroos’ Trumpf: Anders als viele seiner Kollegen hat er schon 65 Spiele in der Bundesliga hinter sich. „Die Aufregung vor einem Spiel ist eine andere, als sie vielleicht ein Mitspieler hat, der bisher noch nie in der Ersten Liga aufgelaufen ist“, sagt der Mittelfeldmann und präzisiert die Situation: „Diese Euphorie und diese riesige Freude, mit Union erstmals in der Bundesliga zu spielen, haben wir natürlich alle im Verein. Aber wenn du dann jede Woche gegen einen Topgegner spielst, kann diese Erfahrung auf jeden Fall helfen.“

Vorfreude auf Werder Bremen

Unter all den Topgegnern hat Felix Kroos jedoch einen klaren Favoriten: Werder Bremen. Die Bremer, für die er fünfeinhalb Jahre spielte, ließen ihn als Teenager einst in aller Ruhe und ohne Druck zu einem gestandenen Fußballprofi reifen.

Das hat Kroos den Hansestädtern nie vergessen: „Der Verein und die Stadt liegen mir noch immer am Herzen.“ Am meisten freut er sich auf seinen alten Kumpel Philipp Bargfrede. Der Bremer ist zwar noch verletzt, doch Kroos hofft wenigstens auf ein Aufeinandertreffen im Rückspiel im Februar. Voraussetzung dafür ist natürlich auch die eigene Gesundheit des früheren Union-Kapitäns. „Die“, dass sei ihm während seiner Krankheitspause noch einmal klargeworden, „ist immer noch das Wichtigste“.