Die Fifa hatte die Qual der Wahl. Allerdings nicht im geläufigen Sinne, wonach die Qual bei der Wahl ja eigentlich darin besteht, sich zwischen zwei Könnern entscheiden zu müssen. Nein, im Hinblick auf die WM 2014 stand für die Entscheidungsträger des Weltverbandes ein doch eher komplizierter Personalentschluss auf dem Plan: Nehmen wir Wolfgang Stark oder Felix Brych als Vertreter des deutschen Schiedsrichterwesens mit nach Brasilien? Stark, der im Mai 2012 ein Relegationsspiel zur Bundesliga zwischen Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC einfach weiterlaufen ließ, obwohl sich mitten in der Verlängerung halb Düsseldorf zum freudigen Rasenherausreißen auf dem Platz eingefunden hatte. Oder Brych, der im Oktober vergangenen Jahres weltweit als Phantomtor-Schiedsrichter in die Schlagzeilen geraten war. Und der Sieger ist − Brych.

Das Deutsche Schiedsrichter-Dilemma, kurz DDSD, wirft jedenfalls die historische Frage auf, wann der DFB zuletzt mit einem Referee von Weltklasseformat bei einem Großturnier mitgemischt hat. Markus Merk? Aber nicht doch, Merk war, was allzu leicht vergessen wird, keine natürliche Autorität, sondern ein zur Kleinlichkeit neigender Unparteiischer, der mit aufgesetzter Geste und großer Distanz zu den Profis zu Werke ging. Bernd Heynemann? Aber nicht doch, Heynemann war nur ein Starschiedsrichter, einer, der im Zweifel stets den großen Namen bevorteilte.

Erst in den Siebzigerjahren wird man wirklich fündig. Insbesondere in den Jahren 1970 und 1974, als Rudolf Glöckner und Kurt Tschenscher Einfluss auf den Verlauf der Weltmeisterschaften in Mexiko und Deutschland nahmen. Glöckner zum Beispiel als souveräner Leiter des Endspiels 1970 zwischen Brasilien und Italien, Tschenscher vier Jahre später wiederum als Hüter des schönen Spiels. Er war es nämlich, der den Total Voetbal der Niederländer mit einer konsequenten Regelauslegung vor der Treterei der Brasilianer zu schützen wusste.