Muss aus privaten Gründen beim Spiel gegen die Bayern passen: Union-Coach Fischer.
Foto: Imago Image/Matthias Koch

BerlinDer 1. FC Union muss das Bundesliga-Spiel gegen den FC Bayern München ohne seinen Trainer Urs Fischer bestreiten. Der 54-Jährige kehrt nach dem Tod seines Schwiegervaters am Sonnabend zwar aus der Schweiz nach Berlin zurück, wird die Mannschaft aber erst nach zwei negativen Coronavirus-Tests wieder betreuen können. Das teilte der Fußball-Bundesligist am späten Freitagnachmittag mit. Die Entscheidung sei in Absprache mit der Task Force Sportmedizin/Sonderspielbetrieb der Deutschen Fußball Liga (DFL) getroffen worden. 

Auf das Spiel gegen den FC Bayern, der als Tabellenführer in das Geisterfinale der höchsten deutschen Spielklasse geht, werden die Eisernen also von den Co-Trainern Markus Hoffmann und Sebastian Bönig vorbereitet. Hoffmann, der 47 Jahre alte Österreicher, wird beim Re-Start nach der Coronavirus-Pause am Sonntag (18.00 Uhr/Sky) als verantwortlicher Coach an der Seitenlinie agieren.

Urs Fischer hatte das Quarantäne-Trainingslager von Union im niedersächsischen Barsinghausen verlassen und hatte sich in seine Schweizer Heimat begeben, um seiner Familie beistehen zu können. Bis zuletzt hatte man im Klub darauf gehofft, dass der Fußballlehrer am Wochenende seinem Beruf und seiner Berufung nachkommen kann.

„Unser aller Mitgefühl gilt Familie Fischer in dieser schweren Zeit. Die Mannschaft, das Trainerteam und Oliver Ruhnert haben die ungewohnte Situation professionell angenommen und sich konzentriert auf das Spiel vorbereitet. Trotzdem hoffen wir, dass Urs Fischer bald wieder zurück ist und seine Arbeit mit dem Team fortsetzen kann“, sagte Union-Präsident Dirk Zingler in einer Mitteilung. 

.

Auch wenn man nur darüber spekulieren kann, welchen Einfluss die Absenz von Fischer auf den Ausgang der Partie gegen den FC Bayern hat, ist doch klar, dass das die Sache nicht einfacher machen wird. Fischer, der Mann, der die Unioner nach dem Aufstieg im vergangenen Sommer innerhalb von nur wenigen Wochen mit ruhiger Hand zu einem konkurrenzfähigen Team entwickelt hat, wird der Mannschaft mit seinen analytischen Fähigkeiten fraglos fehlen. Und darüber hinaus ist den Köpenickern im Vergleich mit dem Branchenprimus wegen Corona ja irgendwie auch der Heimvorteil abhanden gekommen. Geisterkulisse statt Tollhaus. Tristesse statt Traumkulisse.

Kann man da überhaupt von einem Heimspiel sprechen? „Ein Heimspiel ohne Zuschauer gegen Bayern München ist auf jeden Fall für uns ein Nachteil. Auch wenn es wie eine Floskel klingt: Bei uns sind die Fans der zwölfte Mann“, sagt Manager Oliver Ruhnert.

Selbst der klassische Vorteil für einen Außenseiter bei einem ersten Spiel – und nicht weniger stellt diese Partie des 26. Spieltages nach der zweimonatigen Zäsur ja da – ist perdu. „Nach einer normalen Vorbereitung sagst du ja immer, es ist gut, wenn du auf so eine Mannschaft früh in der Saison triffst“, führte Ruhnert weiter aus. Auch er hofft wie alle bei Union, dass die bisher ergatterten 30 Zähler die Basis für den Klassenerhalt sind. Doch Gewissheiten gibt es weniger als je zuvor.

Zudem wissen zumindest einige Profis der Bayern mit einer Geisterspielkulisse umzugehen. Robert Lewandowski (der wäre im März wegen seiner Knieverletzung nicht mal dabei gewesen), Manuel Neuer, David Alaba, Jérôme Boateng und Thomas Müller kennen das aus ihrem Champions-League-Auftritt 2014 bei ZSKA Moskau (1:0). Bei Union hingegen hatte nur Christian Gentner Erfahrungen damit gemacht, der im Jahr zuvor mit Stuttgart bei Lazio Rom in der Europa League scheiterte. Wer kann nun damit besser umgehen? Es gibt mehr Fragen als Antworten. Die sonst so geordneten Bahnen des Ligabetriebs sind außer Kraft gesetzt.