Finale in Katar: Man kann eine WM boykottieren, aber nicht Lionel Messi!

Die Weltmeisterschaft in Katar war politisch eine Katastrophe. Aber dann spielte Lionel Messi in der Form seines Lebens. Unsere letzte WM-Kolumne.

Lionel Messi im Finale gegen Frankreich.
Lionel Messi im Finale gegen Frankreich.dpa/Robert Michael

Es lebe Messi, es lebe Weghorst, es lebe unser Opa im Himmel. Diese Nachricht ploppte nach dem Viertelfinale zwischen Argentinien und den Niederlanden im Familienchat auf. Mein Großvater hatte im Erzgebirge Fußball gespielt, in der Familie wird darüber geredet, als sei er ein übersehenes Talent gewesen. Als ich Kind war, spielte er nicht mehr. Aber er guckte Fußball. Jedes Spiel, das im Fernsehen lief, und er steckte alle damit an.

Jedenfalls war klar: Der Bann war gebrochen, die WM-Unlust verschwunden. Nur wenige hielten noch am Boykott fest. Darunter ich. Und nun war passiert, was passieren musste, ich hatte ein historisches Spiel verpasst. Als ich meine Mutter anrief, sprach sie lange über Messi, sie verehre ihn.

Aber was war mit den toten Arbeitern, den Umweltverbrechen, der Korruption?

Die WM habe nichts in Katar verbessert, sagte der Chef der NGO Human Rights Watch vor dem Finale. Den Familien der Männer, die sich totgearbeitet hatten beim Stadionbau, wurde nie geholfen. In der ARD berichtete eine Korrespondentin aus der Region, die WM habe dort das Selbstbewusstsein gestärkt, allerdings in die Richtung, dass man dem Westen weniger folgen müsse. Für mich klingt das nach: Rechte für Schwule? Könnt ihr ja bei euch machen. Die WM war politisch, bis zum Ende, eine Katastrophe.

Trotzdem wurde ich schwach. Beim Halbfinale der Argentinier. Ich wollte Messi sehen. 2006 hatte ich ihm einmal im Gang eines Stadions gegenübergestanden, ich berichtete damals als Reporterin von der WM. Messi war schmal, blass und schüchtern. Die Argentinier nannten ihn La Pulga, den Floh. Er war 18 und spielte seine erste WM. Ein Wunderkind, das in Deutschland leider keine Wunder vollbrachte.

Mich beeindruckte mehr, Diego Maradona in einem Stadion zu erblicken, den Fußballhelden meines Lebens. Er sah ziemlich fertig aus. Nun ist Diego tot und Messi spielte seine letzte WM. Im Halbfinale so, als wolle er alle meine Zweifel an diesem Turnier persönlich auslöschen. Wieso musste die Mannschaft, die ich seit meiner Kindheit liebe, ausgerechnet in Katar ins Finale kommen?

Klar war, dass ich es sehen musste. Es wurde ein historisches Finale, das ich nervlich fast nicht überlebt habe. Danke, Messi, für alles.