Berlin - Nicht mal mehr zum großen Jubel reichte die Kraft. Mehr als ein Abklatschen oder eine kurze Umarmung als Geste der Freude über den neuerlichen Einzug in das Finale um die deutsche Meisterschaft waren bei den Spielern von Alba Berlin nicht zu sehen. Viel mehr passten das tiefe Durchpusten von Maodo Lo und Trainer Aito Garcia Reneses perfekt zum Ende einer kräftezehrenden Halbfinalserie. Die Anstrengungen von vier Partien innerhalb von sieben Tagen waren nach, aber vor allem während der nicht gerade hochklassigen Partie deutlich zu erkennen. „Man sieht es am Stil des Spiels, es war einfach langsamer - ein ganz schöner Ritt“, formulierte es Alba-Kapitän Niels Giffey am Mikrofon von Magentasport noch vorsichtig.

Nur knapp vier Wochen Zeit für die Playoffs

Mit dem Hashtag „playoffsbaby“, welcher vor zwei Jahren durch Manfred Lehmann, den Synchronsprecher von Bruce Willis, mit einem TV-Spot etabliert wurde, werben die Basketball-Bundesliga (BBL) und übertragende Sender auch diesmal für die schönste Phase der Saison. Davon ist in dieser Spielzeit allerdings nicht viel zu sehen. Die schönste Zeit des Jahres wurde in knapp vier Wochen gepresst, muss am 15. Juni aufgrund der Olympiaqualifikation enden. Dass bis dahin an nahezu jedem Tag Basketball im Stream oder im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen war und ist, mag die Ligabosse freuen, geht aber auf Kosten der Gesundheit der Spieler. Der Gipfel des Zumutbaren aber ist erreicht und findet bei der Ansetzung der Endspielserie zwischen Alba Berlin und dem FC Bayern München einen unwürdigen und zerstörerischen Höhepunkt.

Ausgerechnet die beiden Mannschaften, die mit Abstand die meisten Spiele in dieser Saison absolviert haben – Alba bislang 79, die Bayern sogar 86 – sollen in folgendem Rhythmus ihr Playoff-Finale bestreiten: Mittwoch und Donnerstag in Berlin, Sonnabend in München, ein mögliches Spiel vier am Sonntag ebenfalls in München, und sollte es tatsächlich benötigt werden, würde die fünfte Partie zwei Tage später in Berlin steigen. Fünf Spiele in sieben Tagen sind zu keinem Zeitpunkt der Saison zumutbar. Die schönste Zeit des Jahres mutiert in diesen Tagen zum „Überlebenskampf der Fittesten“, wie es Niels Giffey nach dem dritten Sieg gegen Ulm formulierte. Viel treffender kann man das, was in den ersten beiden Playoff-Runden zu beobachten war, nicht beschreiben.

Spiele wie dieses am Sonnabend, zur besten Sendezeit um 20.30 Uhr, sollen Werbung für die Sportart sein, verkümmern aber aufgrund der fehlenden Energie und Frische zu fehlerbehafteten Auftritten. Anstatt in der besten Zeit des Jahres die besten Spieler auf ihrem besten Niveau zu sehen, schleppen sich Giffey und seine Teamkollegen seit Wochen von Spiel zu Spiel. Dass Marcus Eriksson, einer der besten Werfer der gesamten BBL, in mehr als 20 Minuten Einsatzzeit in einem so wichtigen Spiel alle Würfe danebensetzte und ohne Punkt bliebt, ist nur ein Beleg der Überbelastung. Niemand möchte Luke Sikma und Johannes Thiemann in den kompletten Playoffs nur hinter der Werbebande sitzend, sondern auf dem Feld spielend sehen. Muskuläre Probleme im Oberschenkel aber lassen bislang keine Einsätze zu, Peyton Siva haben sie zu einer Pause und Louis Olinde sogar zum vorzeitigen Saisonende gezwungen.

Die BBL hält am alten Modus fest und verkürzt nicht

Diese Verletzungen oder die Schulterprobleme von Jonas Mattisseck lediglich in der hohen Belastung in den Playoffs zu sehen, wäre falsch. Allerdings haben diese enge Taktung der Spiele das Verletzungsrisiko unnötig erhöht – #playoffsbaby ist in dieser Saison nicht mehr als eine verpasste Chance, ein weiteres positives Zeichen für den Basketball zu setzen. In der vergangenen Spielzeit war das mit dem Bubble-Turnier in München herausragend gelungen. Drei Wochen an einem Standort und ebenfalls nahezu jeden Tag Basketball wurden im Vorfeld ebenfalls kritisch beäugt und waren belastungstechnisch sicherlich ebenfalls nicht ideal.

Mit Blick auf die aktuell laufenden Playoffs aber hat man die falschen Lehren gezogen. Anstatt den Playoff-Spielplan mit dem Wissen, dass die Saison spätestens am 15. Juni enden muss, anzupassen, vielleicht sogar noch einmal ein Bubble-Turnier an einem Austragungsort zu spielen oder pro Runde im Best-of-Three-Modus, so wie es der Eishockey und der Volleyball gezeigt hatten, wurde an den Best-of-Five-Runden festgehalten. Die Folgen daraus bekommen die Fans zu sehen. Und, viel schlimmer: Die Spieler zu spüren.