Finke beurlaubt, Podolski vor dem Verkauf: Köln geht über die Wupper

Liebe Freunde des 1. FC Köln, keine Sorge, dieses Mal hat es wirklich nur den Anschein, dass Euer Klub des Wahnsinns ist, nein, dieses Mal ist alles anders: Es läuft nach Plan. Nach einem − wie die Recherchen dieser Zeitung ergeben haben − genialen Zehnjahresplan, der von einer im Hintergrund agierenden Task Force im Dreischichtensystem erdacht und erarbeitet worden ist. Die namhaftesten Mitglieder der 1 948-köpfigen Arbeitsgruppe sind: das Festkomitee des Kölner Karnevals, der (leider) über die Grenzen der Domstadt hinaus bekannt gewordene Volksmusikant Wolfgang Niedecken, Hella von Sinnen, Helmut Zerlett und Band, die Familie Millowitsch, Wolfgang Petry, Wolf-Dieter Poschmann und Lotti Krekel.

Allesamt engagierte Töchter und Söhne der Stadt, die sich die Ordnung der mal wieder ins Chaos geratenen Dinge zur Aufgabe gemacht haben. Die nicht Ruhe geben werden, bis der 1. FC Köln ein ganz normaler Fußballverein an einem ganz normalen Standort ist.

Der Masterplan vom 1. FC Köln

Erster Schritt (erledigt): Rücktritt des Klub-Präsidenten Wolfgang Overath auf der Mitgliederversammlung am 13. November vergangenen Jahres, was umgehend das gewünschte Machtvakuum zur Folge hatte.

Zweiter Schritt (in Arbeit): Verkauf von Publikumsliebling und Torschützenkönig Lukas Podolski an den englischen Premier-League-Klub Arsenal London.

Dritter Schritt (Abmachung getroffen): Der ehemalige Präsident Dietmar Artzinger-Bolten nimmt sich ein Beispiel an Dietmar Artzinger-Bolten und kümmert sich wie schon nach dem Thomas-Häßler-Transfer im Jahre 1990 auch dieses Mal um eine sinnvolle Reinvestition der Millionenerlöse.

Vierter Schritt (erledigt): der Abschied von Sportdirektor Volker Finke, der in seiner dreizehnmonatigen Amtszeit die an ihn geknüpften Erwartungen als zur Autokratie neigender Einzelgänger sogar noch übertreffen konnte.

Fünfter Schritt (folgt in wenigen Wochen): die Entlassung von Trainer Ståle Solbakken, der am Sonnabend mit seinem Amoklauf gen Fankurve noch einmal seine Unberechenbarkeit und damit auch seine Untauglichkeit für höhere Aufgaben unter Beweis gestellt hat.

Sechster Schritt (für den Sommer 2013 angedacht): Was in den Vereinigten Staaten von Amerika eine Selbstverständlichkeit ist, nämlich der Umzug einer sportlichen Unternehmung von einem unheilvollen zu einem zukunftsträchtigen Standort, wird auch auf den 1. FC Köln angewendet. Als Kandidaten kommen dabei der Reihe nach die größten deutschen Städte ohne aktuellen Bundes- beziehungsweise Zweitligisten in Frage, also Essen, Leipzig und Wuppertal.

Kanzlerin lockt den Effzeh

Für Essen und Wuppertal sprechen die geringen Umzugskosten und die Nähe zum Stammpublikum (wobei das von einigen Task-Force-Elementen als mögliches Problem für einen umgreifenden Neustart bewertet wird), für Leipzig wiederum die Zehn-Punkte-Gutschrift, welche der Deutsche Fußball-Bund in Übereinkunft mit der Bundeskanzlerin als eine Art Solidaritätszuschlag (Förderprogramm Ostfußball) in Aussicht gestellt hat.