BerlinBirgit Schwarze hat am Donnerstag einen Sonder-Newsletter verschickt, mal wieder, wie so oft in Zeiten von Covid-19. An alle Fitness-Studios in Deutschland ist die Mail gegangen, nicht nur an diejenigen, die in ihrem Verband organisiert sind, im Arbeitgeberverband Deutscher Fitness- und Gesundheitsanlagen (DSSV). Birgit Schwarze ist dessen Präsidentin und informierte nun über den erneuten Lockdown in ihrer Sparte. Die Antworten ließen nicht lange auf sich warten. „Unsere Mitglieder haben uns mitgeteilt, dass sie jetzt rechtliche Schritte prüfen werden“, sagt die Verbandschefin. Geklärt werden soll, wie der Beschluss der Bundeskanzlerin und der Ministerpräsidenten gekippt werden kann, Fitness-Studios für vier Wochen zwangsweise zu schließen.

Die  Branche ist schwer getroffen von der Nachricht, weil sie weiß, wir hart die Konsequenzen sie treffen werden. „Das war ja auch nicht zu erwarten“, sagt Birgit Schwarze. „Das Bundesgesundheitsministerium hat ja in seinen Empfehlungen zum Verhalten während der Pandemie geschrieben, man solle auf seine Ernährung achten und Sport treiben. Und nun werden mehr als elf Millionen Menschen wieder von ihrem Sportangebot abgekappt.“ Genau 11,66 Millionen waren es laut Statistischem Bundesamt 2018. 61 Prozent trainierten demnach mehrmals die Woche.

Niederschmetternde Ergebnisse

„Die werden jetzt für eine Politik des Wegsehens bestraft“, sagt Birgit Schwarze und kommt auf potenzielle Hotspots in Deutschland zu sprechen. Private Veranstaltungen seien vor allem die potenziellen Virenschleudern, „welcher Art auch immer solche Zusammenkünfte sind, bei denen einige Hundert Leute sich versammeln und sich anstecken“. Was sie Politik und Behörden vorhält: „Niemand hat das kontrolliert.“ Und das Fitness-Studio als Quell der Ansteckung? „Das ist doch Quatsch!“

Die Leittragenden sind nicht nur die Mitglieder, „physisch, aber auch psychisch, denn das Training ist für viele auch in dieser Hinsicht ein wichtiger Ausgleich“. Die Betreiber der Studios werden durch den Schließungsbeschluss in schwere Bedrängnis gebracht. „Die Fitness-Branche ist ohnehin eine innovative Branche, in der ständig in neue Geräte investiert wird“, sagt Schwarze. „Durch die Pandemie stiegen die Ausgaben zusätzlich, weil in die Hygiene investiert wurde, in Plexiglaswände und ähnliche Dinge.“

Der DSSV hat eine Erhebung unter seinen Mitgliedsbetrieben gemacht, um die wirtschaftlichen Ausfälle durch Covid-19 zu ermitteln, und ist dabei zu einem niederschmetternden Ergebnis gekommen. „Es gilt die Faustformel: Jeder Monat im Lockdown kostet den Unternehmer ein Jahr, um den wirtschaftlichen Schaden wieder auszugleichen“, sagt Birgit Schwarze.

Rund 9300 kommerziell betriebene Anlagen zählt das Fitness-Gewerbe in Deutschland. Wie viele es am Jahresende noch sein werden, will die DSSV-Präsidentin nicht prognostizieren, schon gar nicht möchte sie die Zahl möglicher Insolvenzen abschätzen. „Das wäre nicht seriös.“

Viel Schaden, wenig Nutzen

Die staatlichen Hilfen, von denen sie gehört hat und die 75 Prozent des Umsatzes ausmachen sollen, kommentiert Birgit Schwarze zurückhaltend. „Wir warten erst mal ab, bis wir etwas Schriftliches in der Hand haben“, sagt sie. „Unsere Fachleute aus dem juristischen und steuerfachlichen Bereich werden dann die Fakten herausfiltern. Staatliche Hilfen – das hört sich zwar immer sehr schön an, was aber davon bei den Betrieben auch wirklich ankommt, ist eine andere Sache.“ Birgit Schwarze hat da so ihre Erfahrungen gemacht.

Viel Schaden, wenig Nutzen, so fasst die DSSV-Präsidentin die Schließung der Fitness-Studios zusammen. „Im Dezember geht es dann weiter wie nach dem ersten Lockdown auch: mit zwei Metern Abstand und all den anderen Hygienemaßnahmen“, sagt sie. Unter diesen Bedingungen, das hat eine Studie der Universität Oslo mit 3754 Probanden zwischen 18 und 64 Jahren ohne Vorerkrankungen unlängst ergeben, sind die Risiken gering. „Keine erhöhte Verbreitung von Covid-19“, stellten die Forscher fest.

Und sogar ein Prominenter hat sich schon für die Branche starkgemacht. Bereits Ende April war das, das Plädoyer lautete: „Wer mit dem nötigen Abstand zu anderen in einem Geschäft einkaufen geht oder sich beim Sport im Fitnessstudio fit hält, sollte das tun können.“ Gesagt hat das Jens Spahn, der Bundesgesundheitsminister.

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