Berlin - Florian Kohfeldt genoss den Traumstart nach fast sechs Monaten Bundesliga-Abstinenz. Doch der neue Wolfsburger Trainer wusste auch, dass noch viel Arbeit auf ihn wartet. „Es war einiges gut, aber es war auch einiges, was wir benötigen werden gegen Salzburg in der Champions League, nicht so gut“, befand der 39-Jährige nach dem 2:0 bei Bayer Leverkusen und dem Ende der Negativserie - rechtzeitig vor dem wichtigen Auftritt gegen RB Salzburg in der europäischen Königsklasse. „Deshalb werden wir jetzt bis Dienstag durchtrainieren, keinen freien Tag machen und nicht nur regenerieren“, sagte der Coach, der die kurze Leistungsexplosion seines Teams nach der Pause mit zwei Treffern binnen drei Minuten sehr emotional feierte.

„Das war einfach wunderschön für mich, seit mehr als zwei Jahren wieder wirkliche Bundesligaluft zu schnuppern mit Zuschauern“, sagte Kohfeldt, der sich in kurzer Zeit schnell eingefunden hat und seine Vorstellungen umsetzen konnte. „Ich habe schon das Gefühl, dass wir in den letzten Tagen auch einen gewissen Draht gefunden haben. Da war schon ziemlich viel ‚Wir‘, auch auf der Fahrt zum Stadion. Das hat mir sehr gut gefallen.“

Kohfeldts neue Formation

Sportlich hat der neue Trainer mit einer neuen Formation im 3-4-3-System und einer offensiveren Verteidigungstaktik nur wenige Dinge geändert. „Wir wollten möglichst viele Spieler auf die Positionen bekommen, wo sie sich am wohlsten fühlen und die Intensität gegen den Ball mit reinnehmen“, erklärte der Coach, der ein glückliches Händchen mit den beiden Einwechslungen von Dodi Lukebakio und Paulo Otavio zur zweiten Halbzeit hatte. Beide Spieler waren am spielentscheidenden Doppelpack durch Lukas Nmecha und Maximilian beteiligt.

Das neue System sei aber keineswegs in Stein gemeißelt. „Wenn Wout Weghorst in der Champions League am Dienstag zurückkommt, müssen wir sehen, ob es das beste System ist. Darüber werden wir jetzt noch ein paar Stunden nachdenken“, erklärte Kohfeldt.

Kohfeldt will gegen RB Salzburg offensiv beginnen

Florian Kohfeldt geht seinen Einstand in der Wolfsburger Arena am Dienstag (18.45 Uhr/DAZN) gegen RB Salzburg offensiv an. Nmecha konnte sich zuletzt in der Rolle des Vollstreckers immer mehr in Szene setzen, nun steht auch Wout Weghorst nach überstandener Coronavirus-Infektion wieder zur Verfügung.

Nachdem der ehemalige Werder-Coach schon in Leverkusen die Grundformation seines Vorgänger Mark van Bommel überarbeitete, scheint die bislang bei den Wölfen selten praktizierte Doppelspitze durchaus eine realistische Variante zu sein. „Ich würde ungern die Diskussion dauerhaft aufmachen: Lukas oder Wout? In meinem Kopf spielen beide sehr häufig zusammen. Und so einen Doppelsturm muss man erstmal wegverteidigen“, sagte der Trainer vor dem wegweisenden Gastspiel des österreichischen Meisters am Mittellandkanal.

Arnold lobt den neuen Wolfsburger Trainer

Nach nur zwei Punkten aus den ersten drei Spielen bleibt dem Tabellenletzten der Gruppe G auch kaum etwas anderes übrig, als den Vorwärtsgang einzulegen. Zweifellos riskant gegen die spielstarken Gäste, die mit einem Sieg bei den Niedersachsen erstmals die K.-o.-Phase in der Champions League erreichen würden.

Die Spieler haben die Umstellungen - in einer allerdings insgesamt sehr mäßigen Partie gegen eine ersatzgeschwächte Bayer-Elf - gut angenommen und sich sichtlich wohlgefühlt, in der Art zu spielen. „Der Trainer hat den richtigen Impuls gesetzt mit der Intensität gegen den Ball. Das kam zur richtigen Zeit und war ein sehr gelungener Auftritt von uns“, befand Wolfsburgs Rekordspieler Arnold, der seinen ersten Saisontreffer erzielte.

„Kohfeldt war sofort in unserem Kopf“, sagte Abwehrchef Josuha Guilavogui, der Salzburg vor der zurückgewonnenen Wolfsburger Intensität in den Zweikämpfen warnte: „Wenn wir wie in Leverkusen als Team agieren, ist es sehr hart, gegen uns ein Tor zu schießen.“

Was den frühen Trainerwechsel betrifft, zeigte sich Arnold aber auch selbstkritisch. „Da macht man sich schon Gedanken. Wir haben als Mannschaft nicht funktioniert und jeder Einzelne hat nicht seine Leistung abgerufen“, sagte Arnold. Es sei mit dem neuen Coach schon ein Unterschied in der Philosophie. Aber nur am neuen Trainer habe es auch nicht gelegen. „Man weiß nicht, wie es gewesen wäre, wenn der Trainer geblieben wäre.“