Berlin - Hoch über den Dächern von Berlin hat Florian Wellbrock lieber erst mal tiefgestapelt. Neben der viermaligen australischen Olympiasiegerin Emma McKeon und weiteren drei Top-Schwimmern bewarb der Olympiasieger am Donnerstag in der 14. Etage eines Hotels an der Storkower Straße den anstehenden Kurzbahn-Weltcup (1. bis 3. Oktober) in der Hauptstadt. Siege oder gar neue Glanzleistungen versprach der 24-Jährige aus Magdeburg allerdings nicht.

„Ich hatte keine optimale Vorbereitung. Letzte Woche bin ich zehn Kilometer geschwommen, es ist ein bisschen hart, sich davon zu erholen“, sagte Wellbrock über seine Ziele zum Start in die Becken-Saison: „Ich bin selbst gespannt. Mal schauen, was passiert.“ Eines stellte Deutschlands Vorschwimmer aber klar: „Die olympische Goldmedaille hat Hunger auf mehr gemacht.“

Wellbrock startet in Berlin auf drei Freistil-Strecken

Diese Lust auf Siege trieb ihn zum Saisoneinstieg vor einer Woche beim Freiwasser-Rennen in Barcelona auch zum Triumph, obwohl er körperlich nach der Sommerpause noch längst nicht in Topform ist. Er sei aber „auf jeden Fall motiviert“ sagte Wellbrock: „Der Medaillenkampf macht für mich am meisten Spaß.“

Auf seiner Paradestrecke 1500 Meter Freistil wollte sich Wellbrock am Sonnabend in der Schwimm- und Sprunghalle im Europasportpark (SSE) an der Landsberger Allee eigentlich ein heißes Duell mit seinem Dauerrivalen Michailo Romantschuk liefern. Doch der Ukrainer verzichtet krankheitsbedingt kurzfristig auf einen Start. Wellbrock krault dagegen noch über 400 Meter Freistil am Freitag und über 200 Meter Freistil am Sonntag.

Wellbrock will am fehlenden Puzzleteil arbeiten

Außerdem nimmt der Doppel-Weltmeister von 2019 an der Kurzbahn-EM in Kasan (2. bis 7. November) und der -WM in Abu Dhabi (16. bis 21. Dezember) teil. Der Erwartungsdruck ist nach seinem 10-Kilometer-Triumph von Tokio nochmals gestiegen, doch damit kann der Magdeburger sehr gut leben. Er selbst habe „das Gefühl, dass ich immer noch nicht fertig bin“, sagte Wellbrock: „Jetzt gilt es, am noch fehlenden Puzzleteil zu arbeiten.“

Die Saison auf der 25-Meter-Bahn kommt ihm deshalb gerade recht. „Ich möchte versuchen, mich auch auf der Kurzbahn in der Weltspitze zu etablieren, das ist mir bislang noch nicht gelungen“, sagte er. Außerdem könne man von den Zeiten auf der 25-Meter-Bahn „ein bisschen ableiten, was auf der Langbahn möglich ist“. Die Saisonhöhepunkte sind im Mai und August die WM (Fukuoka) und EM (Rom) auf der 50-Meter-Bahn und im Freiwasser.

Wellbrock ist beim Weltcup allgegenwärtig, sein Konterfei ziert auch zahlreiche Plakate in den Berliner Schwimmbädern. Er wirbt in der DSV-Aktion „#ärmelhoch“ für mehr Impfbereitschaft in der Bevölkerung. Bis mindestens Olympia 2024 in Paris wird man ihn seine Bahnen durch das Wasser ziehen sehen. Ob das immer in Magdeburg sein wird, lässt er offen. Sein Trainer Bernd Berkhahn hatte nach Olympia in einem Gespräch durchblicken lassen, dass es für ihn Angebote anderer Nationen gibt. „Die Angebote sind immer zahlreich und auch sehr verlockend. Da denkt man schon darüber nach. Es ist nicht so einfach im deutschen Sport, im Verbandssystem. Das muss man sich gut überlegen“, sagte der Bundestrainer dem Mitteldeutschen Rundfunk. Für Wellbrock kein Grund, nervös zu werden. „Ich bin Vollprofi, könnte bei ihm überall auf der Welt trainieren“, sagt er.

Wellbrocks Verlobte, die Olympiadritte Sarah Köhler, fehlt in Berlin wegen Schulterproblemen. Trotzdem ist das Teilnehmerfeld spektakulär: Nicht nur das DSV-Olympiateam nimmt teil, sondern auch sieben aktuelle und zwei frühere Olympiasieger. Der größte Name auf der Meldeliste ist Emma McKeon. Insgesamt springen 328 Athleten aus 34 Nationen ins Wasser.