Der rote Rennoverall, das rote Auto, der gleiche Speed und auch noch fast die gleiche Stimme: Bei Mick Schumacher, 19, erinnert sehr viel an seinen Vater Michael Schumacher, 50. Und auch der Sohn will eine Formel-1-Karriere schaffen. Doch noch fährt er eine Klasse tiefer, in der Formel 2, die am 30./31. März in Bahrain startet. Beim Test in Barcelona stellte sich Mick Schumacher unseren Fragen.

Vor 19 Jahren sagte uns Ihr Vater, Sie sollten lieber nicht sein Nachfolger werden, lieber Fußball- oder Golfspieler. Jetzt sind Sie Ferrari-Junior. Wie ist Ihre Entscheidung gereift?

Mein Vater oder besser meine Eltern haben mir als Kind alle Freiheiten gelassen. Ich habe viele andere Sportarten versucht, aber es gab bei keiner Sportart dieses Gefühl, dass ich das in Zukunft machen möchte. Beim Kartfahren war das anders. Da hatte ich das Gefühl, dass es mich reizt schnell zu sein und mich mit anderen zu messen. Dass ich Rennen fahren möchte, weil es mir einfach Spaß macht. Irgendwann hat mich mein Vater gefragt, ob ich das professionell machen möchte oder nur als Hobby. Und da habe ich gesagt: Ich will das professionell machen.

Haben Sie damals schon geglaubt, eines Tages vielleicht tatsächlich Formel-1-Fahrer werden zu können?

Natürlich ist für jeden Rennfahrer das Ziel, einmal Formel-1-Fahrer zu werden. Das ist die Königsklasse, und da misst man sich mit den Besten. Ich möchte es voll ausgebildet in die Formel 1 schaffen und habe in der Ferrari-Driver-Akademie gute Voraussetzungen.

Wie war das Gefühl, in Maranello als offizieller Ferrari-Fahrer empfangen zu werden?

Es ist offensichtlich, dass Ferrari seit meiner Geburt einen großen Platz in meinem Herzen und auch in den Herzen unserer Familie hat. Deshalb freue ich mich auch auf persönlicher Ebene über diesen Schritt. Das ist erneut ein Schritt in die richtige Richtung, und ich kann nur von dem immensen Know-how profitieren, das dort gebündelt ist. Ich werde alles dafür tun, meinen Traum von der Formel 1 zu verwirklichen. Aber zunächst mal sind wir auf die Formel 2 konzentriert, die ist eine große Herausforderung.

Bei Ihrem Titelgewinn in der Formel 3 jubelten Ihnen in Hockenheim die Massen zu. Sie kennen ja die Bilder Ihres Vaters. Wie fühlt sich das an, plötzlich selbst so im Rampenlicht zu stehen?

Es war ungewohnt für mich, dass so viele Menschen wegen mir gekommen sind, aber es ist natürlich schön solche Unterstützung zu haben.

Glauben Sie, dass der Rummel belastend werden kann?

Das ist eben so, das war immer so. Wenn du jemanden nimmst, der das nicht so gewohnt ist, und ihn in meine Position versetzt, wäre es vielleicht etwas anders. Ich hatte die Zeit, da reinzuwachsen. Das hat mir sehr geholfen.

Jüngst besuchten Sie die Ferrari-Ausstellung zu Ehren des 50. Geburtstags Ihres Vaters. Was haben Sie da empfunden?

Die Fotos und Autos seiner Erfolge zu sehen, war sehr bewegend. Denn natürlich hat mein Vater einen gewaltigen Einfluss auf mich. Er ist der Beste und mein Idol. Ich studiere ganz genau, was er in seiner Karriere gemacht hat, damit ich mir das eine oder andere vielleicht abschauen kann. Er spielt eine große Rolle in meiner Entwicklung als Rennfahrer, und darüber bin ich sehr glücklich.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto und auch der viermalige Weltmeister Sebastian Vettel raten Ihnen, Ihren eigenen Weg zu gehen und sich nicht zu sehr mit Ihrem Vater zu vergleichen. Was bedeutet es Ihnen, solche Leute um Rat fragen zu können?

Sehr viel. Ich glaube, dass sie alle wichtige Erfahrungen gemacht haben und dadurch in ihre Positionen gekommen sind. Dass ich mit so erfahrenen Menschen reden kann und die einem Tipps geben, ist das auf jeden Fall hilfreich. Dennoch bin ich sehr happy darüber, mit meinem Vater verglichen zu werden.

Wer sind Ihre wichtigsten Wegbereiter und Vertrauten?

Auf jeden Fall gibt es sehr viele hinter mir, die mir helfen in jedem Punkt, den ich brauche, um irgendwann ein kompletter Rennfahrer zu sein.

Sie leben in der Nähe von Genf, fahren nun Rennen in den Metropolen der Welt. Werden Sie schon auf der Straße erkannt?

Wenn ich in die Stadt gehe, erkennt mich niemand. Darüber freue ich mich ehrlich gesagt. Das bewahrt mir eine Menge Freiheit. Ich glaube, es ist uns ganz gut gelungen, unser Privatleben einigermaßen geschützt zu halten.

Sie sind in der Schweiz geboren, aber sind Deutschland, das Rheinland und Kerpen doch noch ein Stück Heimat für Sie?

Ja, in Kerpen bin ich auf jeden Fall sehr gerne und drehe auf der Kartbahn meine Runden, wenn es die Zeit zulässt.

Ihr Vater hat das rheinische Lebensgefühl genossen, war beim Karneval und ist Fan des 1. FC Köln. Steckt das auch in Ihnen?

Ja, ich bin auch FC-Fan. Ich gucke zwar nicht so viel Fußball, weil ich nicht soviel Zeit habe. Aber wenn ich die Zeit habe, schaue ich den FC und wünsche ihm natürlich den Aufstieg.