Auf Tipps des großen Lewis Hamilton konnte Lando Norris vor dieser Saison nicht bauen. „Ich habe ihn nicht angerufen“, sagte der McLaren-Jungspund: „Ich habe ja nicht mal seine Nummer.“ Doch auch ohne die Unterstützung des Superstars der Branche ist aus dem Teenie Norris eine der großen Überraschungen der bisherigen Formel-1-Saison geworden.

Die Formkurve bei Norris steigt und steigt, zuletzt legte der erst 19 Jahre alte Rookie zwei aufregende Rennen hin - und geht nun mit jeder Menge Selbstbewusstsein in sein Heimspiel in Silverstone. „Ich kann es kaum erwarten“, sagte der Brite voller Vorfreude auf den Klassiker am Sonntag (15.10 Uhr/RTL und Sky). Er freue sich, die „Atmosphäre zu erleben“, wolle „das Wochenende genießen“ und, ganz wichtig, Norris versprach seiner immer größer werdenden Fan-Gemeinde: „Wir werden so hart wie möglich daran arbeiten, wieder Punkte zu holen.“

Dass es Norris als derzeit WM-Achter in den bisherigen neun Rennen viermal in die Punkte geschafft hat, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Schließlich ist McLaren trotz eines Fernando Alonso in der jüngsten Vergangenheit abgehängt worden. Und nun macht sich Norris daran, den Ex-Weltmeister aus Spanien bei dem Traditionsrennstall vergessen zu machen. Und das Königreich beginnt zu träumen, dass der talentierte Teenie Hamilton irgendwann als Weltmeister beerben könnte.

Lando Norris: Der Gegenentwurf zu Lewis Hamilton

Auf seinem Weg an die Spitze gilt Norris, der in den Nachwuchsserien dominierte und 2017 in der Formel 3 auch Mick Schumacher locker hinter sich ließ, als eine Art Gegenentwurf zu seinem Landsmann. Außer der Liebe zum schnellen Autofahren haben sie nicht wirklich viel gemeinsam. Norris kommt aus einem reichen Elternhaus, das Vermögen seines Vaters wird auf über 200 Millionen Euro geschätzt. Trotzdem verzichtet er auf ein Jetset-Leben. Zudem ist Norris der Prototyp der Generation Playstation: Er fing mit dem Rennsport nicht im Kart an, sondern auf der Konsole.

Erst kurz vor seinem siebten Geburtstag sah Norris sein erstes Kartrennen. „Es sah cool aus, also wollte ich auch mal fahren“, sagte Norris: „Damit ging es los, und ich machte meinen Weg nach oben.“ Vergleiche mit Racing-Point-Fahrer Lance Stroll, dem der Vorwurf anhaftet, dass sein Vater Lawrence Stroll die Karriere des Sohnes erkauft hat, lässt Norris nicht gelten. „Ich mag es nicht, permanent darüber zu reden, aber verglichen mit Stroll ist er nicht einmal annähernd so wohlhabend“, sagte er über seinen Papa.

Tatsächlich fährt Norris in einer ganz anderen Liga. Sein mit gut 400.000 Euro dotierter Vertrag bei McLaren läuft Ende des Jahres aus, und es wird erwartet, dass ihm ein neuer Deal mindestens das Sechsfache auf das Konto spülen wird. Doch Norris will auf dem Weg nach oben noch viel mehr, Partys und Alkohol stehen bei ihm deshalb erst einmal auf dem Index. „Davon will ich mich dieses Jahr fernhalten. Das ist meine Chance in der Formel 1“, sagte er: „Die muss ich nutzen. Ich werde nichts Dummes tun und meine Karriere aufs Spiel setzen.“