Formel E: Konzept der ersten vollelektrische Rennserie der Welt kommt bei jungem Zielpublikum gut an

Berlin - Der Rummel war enorm. In der Eingangshalle des ehemaligen Tempelhofer Flughafens bildeten sich lange Schlangen mehrheitlich junger Menschen. Nur anderthalb Stunden vor Rennstart lädt die Formel E bei jedem ePrix ihre zwanzig Fahrer zur Autogrammstunde. Geduldig erfüllten die Piloten alle Wünsche. Hier ein Selfie, da eine Unterschrift. Anders als die Formel 1 mit ihrem streng gesicherten Fahrerlager gibt sich die Formel E mit ihren Stars allürenfrei und zugänglich.

Hip und innovativ und möglichst zuschauernah präsentiert sich die erste vollelektrische Rennserie der Welt bei ihrem dritten Berliner Gastspiel. Auf dem Vorfeld des Flughafens hat die Formel E ihr eVillage aufgebaut: Große Spielkonsolen, neue Elektromobile, Stände, Mitmachgeräte.

Wie ein Videospiel

Das Konzept zum Anlocken der Jugend, die die Formel 1 für den Motorsport ihrer Opas hält, ist einfach: Die Rennen funktionieren wie Videospiele. Die Übergänge von der virtuellen zur realen Welt sind fließend.

Die Hardware dreht ihre Kreise vor dem Publikum, die Software ist interaktiv. Die Einblendungen von Geschwindigkeit oder Batteriestand auf den Videowänden zielen auf die Generation der Gamer. Das Faszinosum liegt darin, dass die Virtualität realisiert wird.

Einfluss auf das Renngeschehen

Leise geht es nämlich bei der Formel E lediglich auf der Strecke zu. Abseits der Fahrbahn erzeugt sie bewusst viel Lärm. Als erste Rennserie der Welt setzt das jüngste Projekt der Fia auf Interaktion durch Social Media mit einer jungen, internetaffinen Zielgruppe.

Per Online-Abstimmung können die Fans den drei Fahrern, die die meisten Stimmen über ein soziales Medium erhalten, einen zusätzlichen Energieschub und damit einen Wettbewerbsvorteil verabreichen: Der Fan-Boost kommt zwar bei den Fahrern, die ihr Schicksal lieber selbst in der Hand haben, mehrheitlich nicht gut an, für die Zielgruppe ist es dagegen die Möglichkeit, direkten Einfluss auf das Renngeschehen zu nehmen.

Autobauer werben für ihre Produkte

Wie sehr sich die Formel E um diese Jugend bemüht, zeigt sich auch zwischen Qualifikation und Rennen, wenn einige Piloten sich im eVillage dem Duell mit den Fans an der Konsole stellen. Neben der Jagd nach der schnellsten Zeit, lernt der Spieler mit der Energie auszuhalten. Genau wie Piloten müssen Fans an der Konsole strategisch fahren.

Anders als in der ersten beiden Saisons nutzten dieses Jahr auch die großen deutschen Automobilhersteller das Rahmenprogramm, um für ihre neuesten batteriebetrieben Produkte zu werben. Durchaus kurios: Audi, BMW und Mercedes buhlen um die Gunst der Besucher, obwohl sie in der Formel E bisher noch gar an den Start gehen. Das wird sich ändern: Audi steigt nächste Jahr als Werksteam ein. BMW folgt 2018/2019, auch die Stuttgarter Autobauer haben sich die Option gesichert.