Berlin - Eintracht Frankfurt setzt auch ohne erneute „Adler-Invasion“ auf die nächste magische Nacht, RB Leipzig treibt gegen stimmgewaltige Schotten die Aussicht auf den ersten Titel der Klubgeschichte und das mögliche Double an: In den Halbfinal-Hinspielen der Europa League kämpfen die beiden Bundesligisten um die seltene Chance auf eine internationale Trophäe – und zunächst um das erste Endspiel im „kleinen Europapokal“ mit deutscher Beteiligung seit 2009.

Damals unterlag Werder Bremen Schachtar Donezk im Finale des Uefa-Pokals. Noch weiter zurück liegt das letzte europäische Finale der Eintracht. 42 Jahre nach ihrem Triumph im Uefa Cup soll es am 18. Mai in Sevilla wieder so weit sein. Im Hinspiel am Donnerstag (21 Uhr, RTL) beim Premier-League-Klub West Ham United soll der Grundstein gelegt werden. Man sei „längst in den Play-offs, nun geht’s in die Finals“, spornte Trainer Oliver Glasner seine Mannschaft an. Und die Hoffnung auf eine gute Ausgangslage für das Heimspiel am 5. Mai kommt nicht von ungefähr.

Denn auswärts liefert die launische Diva vom Main in dieser Saison regelmäßig magische Nächte. Kein anderes Team blieb in der Europa League in der Fremde ungeschlagen, die bisherigen K.-o.-Duelle mit Betis Sevilla und dem FC Barcelona entschied die Eintracht jeweils im gegnerischen Stadion für sich.

Heimspielatmosphäre wie beim 2:1 in Sevilla oder gar eine „Adler-Invasion“ mit 30.000 weiß gekleideten Anhängern wie beim 3:2 im Camp Nou wird es nicht geben – Rauswurf statt hessischer Party lautet das britische Motto. „Das ist der größte Dreck und ich schäme mich dafür“, schimpfte Vereinspräsident Peter Fischer im „Aktuellen Sportstudio“ des ZDF mit Blick auf die Ankündigungen der Hammers.

Er schäme sich, „dass man uns heute schon bedroht: Jeden, den wir im Stadion erwischen, der sich als Eintrachtler zu erkennen gibt, den schmeißen wir raus“. Nur das Minimalkontingent von 3000 Tickets gibt es für die Eintracht-Anhänger, ansonsten kündigten die Gastgeber eine „Zero Tolerance Policy“ an. Schon im Halbfinale 2019 beim FC Chelsea machte die SGE damit schlechte Erfahrungen, viele Fans wurden damals des Stadions verwiesen. „Doch die 3000 werden trotzdem versuchen, ein Heimspiel draus zu machen“, sagte Fischer trotzig.

Auf einen Ansturm der Gästefans kann sich derweil RB Leipzig einstellen. Rund 8000 Schotten werden in Sachsen erwartet, die Hotels in der Stadt sind weitgehend ausgebucht. Das Duell mit dem BVB-Bezwinger Glasgow Rangers (21 Uhr, RTL+) dürfte zum deutsch-schottischen Fußball-Fest werden. RB-Trainer Domenico Tedesco ging dem schottische Ansturm vorab freiwillig aus dem Weg. „Wir leben noch immer in einem sehr guten Hotel in der Innenstadt. Man hat mir gesagt, dass 200 Fans in dieses Hotel kommen, ich bleibe dann in den nächsten zwei Tagen in der Akademie“, sagte Tedesco am Mittwoch mit einem Lachen.

Das Duell mit dem BVB-Bezwinger dürfte zum deutsch-schottischen Fußball-Fest werden – und soll für Leipzig der Grundstein für das Ticket nach Sevilla sein. „Wir wollen ins Finale. Eines haben wir schon erreicht, jetzt wollen wir das zweite holen“, sagte Tedesco, der mit RB im Endspiel des DFB-Pokals am 21. Mai gegen den SC Freiburg steht. Drei Tage zuvor wird in Spanien der Sieger der Europa League ermittelt – und Leipzig kann bereits dort den ersten Titel der jungen Klubgeschichte perfekt machen.

Leipzig gilt als Favorit. Ein Selbstläufer wird das Duell mit dem schottischen Meister aber nicht. Die Rangers seien eine sehr physische Mannschaft, die offensiv stark über die Flügel agiere. „Sie haben Borussia Dortmund aus dem Wettbewerb gehauen, das sagt schon viel aus“, so Tedesco. Entschieden werde das Halbfinale aber ohnehin erst beim Rückspiel am 5. Mai in Glasgow.