Berlin - Gewählt hat Franz Reindl schon längst. „Ja klar, Briefwahl“, sagt der Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst. Denn am Sonntag ist der 66-Jährige nicht daheim in Garmisch-Partenkirchen, sondern in St. Petersburg – und dann möglicherweise einer der mächtigsten Männer im Welteishockey. Wenn er die ersten Hochrechnungen der Bundestagswahl auf dem Fernseher im Hotel sieht, ist sein „Big Game“ schon vorbei: Am Sonnabendmorgen wird auf dem Halbjahreskongress des Weltverbandes IIHF der Nachfolger des langjährigen Präsidenten Rene Fasel gewählt. Und Reindl hat – nach monatelangem Wahlkampf – „ein sehr gutes Gefühl, aber Gefühl wählt nicht“.

Der ehemalige Nationalspieler, Bronzemedaillengewinner bei Olympia 1976, hat in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur das deutsche Eishockey geprägt wie kaum ein anderer – als Multifunktionär, der zwischendurch sogar selbst an der Bande stand. Erst als Streiter in einem langen Zwist, der den Sport in eine tiefe Krise stürzte, dann als Vermittler, der alle Kräfte bündelte und einen bemerkenswerten sportlichen Aufschwung mit Olympia-Silber 2018 und dem Vorstoß der Nationalmannschaft unter die Topnationen auslöste.

Reindl hat auch international ein Netzwerk aufgebaut, das ihn nach insgesamt 23 Jahren in diversen Ämtern im Weltverband an die Spitze führen soll. Der ehemalige Stürmer, in Deutschland wegen seiner zahlreichen Posten nicht ganz unumstritten, will in der IIHF „kein Weiter-So“, bei der Analyse „keinen Stein auf dem anderen lassen“. Dabei hat er durchaus seine Arbeit als DEB-Präsident seit 2014 als Blaupause vor Augen. Wie er den zerstrittenen Verband und die abgespaltene Deutsche Eishockey Liga (DEL) wieder zusammenführte und mit dem Konzept „Powerplay26“ zu verstärkten gemeinsamen Anstrengungen für die Nachwuchsarbeit drängte, könne man auch „aufs Welteishockey transferieren“.

Soll heißen: Die NHL und die großen europäischen Ligen sollen stärker eingebunden werden. Eine „langfristige Strategie“ mit einem „internationalen Kalender, der über ein Jahrzehnt geht“, soll die ständigen Diskussionen über die NHL-Teilnahme an Olympia beenden, den Sport globaler machen. Doch Reindl will auch – anders als einige seiner vier Gegenkandidaten – am Status quo festhalten, wenn es um die alljährliche WM geht, die dem Weltverband die Kasse füllt. „Es ist der Zug, in dem alle Mitglieder fahren. Das ist unantastbar“, betont er.