Berlin - Franziska Preuß lächelte glückselig, als sie nach neun Stunden Flug ihren Sehnsuchtsort erreicht hatte. Vergessen waren nach der Landung in Peking die Zweifel und Schmerzen der vergangenen Wochen. Schon im Flieger hatte sie sich mit ihren Teamkolleginnen ein Gläschen auf Olympia gegönnt. Sie sei einfach nur froh, „dass es jetzt in Peking losgeht. Ich bin so gespannt, was auf uns zukommt“, sagte die 27-Jährige nach der Ankunft in China voller Erwartungen – in erster Linie aber grenzenlos erleichtert. Sie sei sich nicht ganz sicher gewesen, „dass ich im Flieger drin bin. Das muss ich ehrlich sagen.“

Es bleiben viele Fragezeichen

Doch Preuß gewann nach ihrer seit Wochen andauernden Leidensgeschichte mit Treppensturz und Corona-Infektion den Wettlauf gegen die Zeit. Der Traum von der ersten Medaille bei ihren dritten Winterspielen lebt bei Deutschlands Top-Biathletin – auch wenn einige Fragezeichen bleiben. Egal! Hauptsache die erste Hürde war geschafft. Entsprechend euphorisch bestieg Preuß am Flughafen in Peking am Dienstag dann auch den Bus, der das Team des Deutschen Skiverbandes (DSV) ins National Biathlon Centre im 180 Kilometer entfernten Zhangjiakou brachte. „Ich freue mich total“, sagte die Athletin aus Ruhpolding.

Noch weiß allerdings niemand, wie Preuß die lange Wettkampfpause überstanden hat. Sie fehlte bei den Weltcups im Dezember in Annecy sowie im Januar in Oberhof, Ruhpolding und Antholz. Auch wenn nach ihrem positiven Corona-Test „das mentale Gerüst schon ein wenig zusammengeprasselt“ war, bleibt Preuß zuversichtlich: „Vielleicht ist es vom Druck angenehmer, weil die Erwartungen nicht mehr so hoch sind.“

Über ihren ersten Einsatz in Peking soll kurzfristig entschieden werden. Am 5. Februar findet zunächst die Mixed-Staffel statt, danach folgt das Einzelrennen der Frauen über 15 Kilometer (7. Februar). Was erschwerend hinzukommt: Die Rennen finden 1650 Meter über dem Meeresspiegel statt – eine zusätzliche Belastung für Körper und Geist. Was bleibt, ist auch bei Frauentrainer Kristian Mehringer die Hoffnung, dass Preuß, Gesamtweltcup-Dritte der Vorsaison, irgendwie noch „eine gute Form bekommt“. Aktuell sei er „soweit zufrieden, das schaut ganz positiv aus“. Preuß selbst bezeichnet ihren Zustand als stabil.

Franziska Preuß ist wichtig für das deutsche Team

Dabei wäre eine Franziska Preuß in Topform so wichtig für das Frauen-Team, das zuletzt massiv schwächelte – allen voran die zweite Medaillenhoffnung Denise Herrmann. Die 33-Jährige setzte in diesem Winter alles auf die Karte Olympia, der Druck ist entsprechend groß. Sie hoffe einfach, sagte Herrmann, die 2014 in Sotschi immerhin schon eine Langlauf-Medaille geholt hatte, „dass ich das zeigen kann, was ich zeigen möchte. Das Schießen hat jetzt besser geklappt, das macht mich optimistisch. Es muss einfach alles passen.“

Wie bei Preuß, die nach dem undankbaren vierten Platz im Einzel von Pyeongchang 2018 mit den Winterspielen noch eine Rechnung offen hat. „Olympia verbinde ich bisher mit gemischten Gefühlen. Aber alle guten Dinge sind drei, jetzt gehe ich ganz neutral an die Sache heran“, sagte die Ex-Weltmeisterin: „Es werden so oder so spezielle Spiele.“