Berlin - Ihre missglückte Olympia-Premiere machte Vanessa Voigt schwer zu schaffen. „Ich muss das Rennen erst sacken lassen“, sagte die Biathletin aus Thüringen, nachdem sie die deutsche Mixed-Staffel zum Olympia-Auftakt in China früh um eine mögliche erste Medaille gebracht hatte. Zwei Strafrunden leistete sich die nervöse 24-Jährige in Zhangjiakou, mehr als der fünfte Rang war danach nicht mehr drin. „So habe ich mir mein Debüt sicherlich nicht vorgestellt“, sagte die enttäuschte Voigt: „Ich weiß jetzt einfach, dass die Nervosität hier eine große Rolle bei mir spielt.“

Das Quartett des Deutschen Skiverbands mit Startläuferin Voigt, Denise Herrmann, Benedikt Doll und Philipp Nawrath kam mit insgesamt 18 Nachladern und zwei Strafrunden nie in die Nähe der Podestplätze. Damit gab es auch im dritten Anlauf kein Olympia-Edelmetall für eine gemischte deutsche Staffel. Den Olympiasieg sicherte sich in einem turbulenten Rennen bei extremen Bedingungen Norwegen trotz drei Strafrunden von Tiril Eckhoff vor Frankreich und dem Team aus Russland. Norwegens Superstar Johannes Thingnes Bö entschied einen packenden Schlussspurt für sich, Schweden wurde Vierter.

„Es ist ein bisschen enttäuschend, aber es ist jetzt nicht selbstverständlich, dass wir eine Medaille holen“, sagte Doll: „Wir können mit dem fünften Platz gut leben, auch wenn er einfach nichts bringt.“ Bei Olympia zählen nur Medaillen, betonte der Schwarzwälder: „Hier ist der fünfte Platz für umsonst, das muss man klar so sagen.“

Das hat sich für Franziska Preuß in den vergangenen Wochen gedreht. Bei der Mixed-Staffel war sie Zuschauerin, Medaillen sind für sie gerade ziemlich weit weg. „Ich wäre natürlich gerne mit anderen Erwartungen hierher gefahren, aber aktuell muss ich es einfach so nehmen, wie es kommt“, sagte die Biathletin in China. Als größte deutsche Medaillen-Hoffnung war die 27-Jährige in den Olympia-Winter gestartet, doch nach acht Wochen ohne Wettkampf sind die Vorzeichen vor ihrem Comeback an diesem Montag (10 Uhr MEZ) im schweren Einzelrennen nun ganz andere. „Natürlich bin ich jetzt sehr gespannt, was der Körper aktuell so hergibt. Ich lasse mich da mal überraschen“, sagte Preuß.

Unter normalen Umständen wäre die Bayerin ziemlich sicher schon zum Auftakt in der deutschen Mixed-Staffel dabei gewesen. Doch eine Corona-Infektion und eine Fußverletzung verdarben ihr die Vorbereitung auf die Winterspiele dermaßen, dass sie nur zuschauen konnte, wie die deutschen Skijäger auf dem fünften Platz über die Ziellinie liefen und nie eine echte Chance auf Edelmetall hatten. Preuß konnte nach dem verpatzten Start nordwestlich von Peking zumindest Trost spenden. Im Einzel – wo es pro Fehlschuss eine Strafminute gibt – geht sie zusammen mit Vanessa Voigt, mit der sich Preuß eine Unterkunft teilt, Denise Herrmann und Vanessa Hinz erstmals bei diesen Spielen für Deutschland an den Start. „Ich freue mich, jetzt wieder dabei zu sein und mitmischen zu können“, sagte Preuß zu ihrer eigenen Situation.

Gerade die Corona-Infektion Ende Dezember hatte die Gesamtweltcup-Dritte des vergangenen Winters mental ziemlich schwer getroffen. „Einen Tiefpunkt“ nannte sie die Tage, die sie isoliert zu Hause verbringen musste, während die Konkurrenz intensiv auf Olympia hinarbeitete. „Die letzten Wochen waren eine große Herausforderung“, sagte sie. Was bei der Rückkehr möglich ist? Zunächst müssen Preuß und Co. mit den extremen Bedingungen klarkommen. Temperaturen von unter minus zehn Grad und eisiger Wind bedeuten bei einer Renndauer von mehr als 40 Minuten sehr hohe Belastungen.

Ihr Start im ersten Einzelrennen ist allerdings auch als Testlauf zu verstehen. „Ich brauche jetzt erstmal wieder die Wettkampferfahrung und wie sich die Wettkampfhärte anfühlt“, sagte sie. Wenn alles klappt, soll die Staffel-Weltmeisterin von 2015 anschließend auch im Sprint, in der Verfolgung und in der Frauen-Staffel dabei sein, sich vielleicht auch für den Massenstart qualifizieren. „Das Gute ist, dass zwischen den Rennen immer wieder ein paar Tage zum Erholen sind“, sagte Preuß am Sonntag: „Wenn es Schlag auf Schlag gehen würde, wäre es nicht optimal. So traue ich mir das alles zu.“ Zwar hat die Wahl-Ruhpoldingerin schon sieben WM-Medaillen gesammelt, bei Olympia reichte es bislang aber noch nicht für Edelmetall. Das erwartet diesmal niemand von ihr. Vielleicht läuft es sich damit aber auch leichter.