Nationalmannschafts-Kapitänin Alexandra Popp hilft ihren Nachbarn, kann aber keine größere Summe spenden.
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Frankfurt am MainSiegfried Dietrich, 62, führt als Manager und Investor den 1. FFC Frankfurt und steht dem neuen DFB-Ausschuss Frauen-Bundesligen vor. Dietrich hat ein Meinungsbild bei den Vereinen zur Coronakrise eingeholt. Anfang der Woche soll das weitere Vorgehen abgesprochen werden. Dietrich meint: „Ich glaube, dass alle Klubs die Situation meistern können, weil die Zuschauereinnahmen nicht so entscheidend sind wie beispielsweise in der Dritten Liga und den Regionalligen der Männer. In der Frauen-Bundesliga machen diese deutlich weniger als zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus“, sagt Dietrich.

Der Schnitt der Frauen-Bundesliga liegt bei rund 900. Bei Turbine Potsdam, im Schnitt 1 300 Fans, decken die Eintrittsgelder gerade die laufenden Kosten eines Heimspiels, wie Präsident Rolf Kutzmutz erklärt. Für seine größte Säule im Etat garantieren die vielen regionalen Sponsoren. Bedrohlich könne es dann werden, sagt Kutzmutz, „wenn unsere Partner in solch wirtschaftlichen Schwierigkeiten geraten, dass sie sich das Engagement bei uns nach dem Sommer nicht mehr leisten können.“ Dietrich bestätigt, dass die Vermarktungserlöse – „die individuellen sowie die zentralen durch den DFB“ – die wichtigsten Einnahmesäulen der Klubs sind.

Spielerinnen von Turbine Potsdam spenden fürs DRK

Deren Etats sind bescheiden. Rekordmeister Frankfurt verfügt über 1,5 Millionen Euro. Zwölf Frauen-Bundesligisten sind an Lizenzvereine der Männer angebunden: Bayer Leverkusen, 1. FC Köln oder SC Freiburg, TSG Hoffenheim, Bayern München und Meister VfL Wolfsburg werden   an dieser Sparte kaum sparen.

Mehrere Fußballerinnen des Bundesligisten 1. FFC Turbine spendeten am gestrigen Sonntag einen Teil ihres Gehalts dem Deutschen Roten Kreuz zur Unterstützung im Kampf gegen den Coronavirus. Das teilten sie via Instagram mit. Die Initiatorinnen der Aktion sind Gina Chmielinski und Caroline Siems. "Die Grundsätze, die wir normalerweise auf dem Platz leben, gelten jetzt mehr denn je neben dem Platz. Darum habe ich mich entschieden, 10 Prozent meines Gehaltes an das DRK zu spenden. Wir müssen uns gegenseitig unterstützen", schrieben sie.

In Wolfsburg spendete die Norwegerin Ingrid Engen zehn Prozent ihres Gehalts, „um Menschen zu helfen, die in diesen Tagen wirklich finanzielle Unterstützung benötigen“. Doch nicht mal Teamgefährtin Alexandra Popp, Kapitänin der deutschen Nationalelf, kann da folgen. „Respekt! Allerdings sind wir Fußballerinnen auch keine Großverdiener. Ich helfe mit Taten, gehe zum Beispiel für unsere älteren Nachbarn einkaufen“, so die 28-Jährige im Kicker. „Wenn unsere Spieler auf Gehalt verzichten, verzichten sie auf den Lebensunterhalt. Außer einer symbolischen Geste würde das gar nichts bringen“, sagt Kutzmutz. Dietrich beteuert: „Die Spielerinnen sind die Hauptakteurinnen, die jeden Cent verdient haben und auch für den Lebensunterhalt brauchen.“

Sein FFC soll mit Eintracht Frankfurt fusionieren. Corona könnte dazu führen, dass das Team bereits am 1. März das letzte Mal als 1. FFC Frankfurt spielte. Erste Stimmen fordern einen Abbruch der Saison. Dietrich sagt: „Grundsätzlich wäre es wichtig, die Saison fertig zu spielen, um präsent zu sein und die sportlichen Entscheidungen herbeizuführen. Notfalls auch ohne Zuschauer.“