Berlin - Fußball-Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg hatte zuletzt gleich ein halbes Dutzend Fußballerinnen unter 21 Jahren auf dem Platz. Toptalente wie Jule Brand (18), Sjoeke Nüsken (20), Lena Oberdorf (19) oder Sophia Kleinherne (21) spielen wie selbstverständlich in der DFB-Auswahl und heizen den Konkurrenzkampf vor der EM 2022 in England an. „Es zeichnet sie aus, dass sie sehr lernbegierig und strukturiert sind“, sagt Voss-Tecklenburg vor dem nächsten WM-Qualifikationsspiel gegen Serbien am Dienstag (16 Uhr/ZDF) in Chemnitz über die neue Generation.

Beim 7:0 am Sonnabend gegen Bulgarien glänzte die 18 Jahre junge Brand von der TSG 1899 Hoffenheim erneut als Einwechselspielerin. Sie spiele Fußball, „als ob sie auf dem Schulhof ist, dann ist das schön zu sehen“, so Voss-Tecklenburg. Ein Sonderlob erhielt auch Abwehrspezialistin Kleinherne von Eintracht Frankfurt: „In der ganzen Art, wie wir uns das vorstellen, hat sie das sehr, sehr gut gelöst.“

1,11 Millionen Zuschauer sehen DFB-Auswahl gegen Bulgarien

Das interessierte TV-Publikum tröstete Voss-Tecklenburg über die wenigen Fans im Stadion beim Start in die WM-Qualifikation hinweg. „Das ist eine tolle Quote für uns. Das zeigt, dass der Markt da ist, der muss bespielt werden“, sagte Voss-Tecklenburg mit Blick auf die ARD-Quote von 1,11 Millionen Zuschauenden parallel zum Spieltag der Männer-Topligen.

Kleinherne gehöre zu jenen Talenten, die laut Voss-Tecklenburg „eine ganz andere Ausbildung genießen konnten“. Dazu gehört auch eine möglichst ideale Verquickung mit der Schule. Die einstige U17-Europameisterin ging auf Internate in Kaiserau und in Frankfurt. Sie schwärmte bei einer Video-Schalte am Montag davon, dass im Kreise der Nationalmannschaft „total viel interagiert wird“. Und der Druck? Da helfe schon mal Team-Psychologin und Rekordnationalspielerin Birgit Prinz.

Kleinhernes Frankfurter Klubkollegin Nüsken galt mal als beste deutsche Tennisspielerin ihres Alters, bevor sie sich für Fußball entschied. Oberdorf vom VfL Wolfsburg spielte mit zwölf schon in der U15 des DFB, wurde 2019 mit 17 jüngste deutsche WM-Spielerin und ist so etwas wie die Abwehrchefin.

Das Team von Voss-Tecklenburg legt bei der Persönlichkeitsentwicklung viel Wert auf Eigenverantwortung und darauf, dass den Spielerinnen „viel Individualität“ zugestanden wird: „Wir wollen davon wegkommen, dass sie es den Trainern recht machen wollen.“

Giulia Gwinn kommt im Oktober ins Team zurück

Als „beste junge Spielerin“ der vergangenen WM wurde Giulia Gwinn ausgezeichnet. Die inzwischen 22-Jährige vom FC Bayern München ist nach auskuriertem Kreuzbandriss von Voss-Tecklenburg für die weiteren Quali-Spiele gegen Israel (21./26. Oktober) eingeplant. Auch Lena Lattwein vom VfL Wolfsburg und Sydney Lohmann (beide 21) vom FC Bayern gehören immer mehr zum Establishment.