Zum Schiedsrichter muss ein Mensch geboren sein. Ein gutes Auge gehört dazu, ein Hang zu Gerechtigkeit natürlich auch, vor allem aber: Leidensfähigkeit. Die Schiedsrichter der Fußball-Bundesliga werden gerade auf eine besonders harte Probe gestellt. All ihren Bedenken zum Trotz wird Mitte Oktober in den drei höchsten deutschen Spielklassen das Freistoßspray eingeführt. Das hat der Deutsche Fußball-Bund (DFB) am Montag mitgeteilt. Wie schon in Frankreich und Spanien, in der Champions League und der Europa League sollen auch hierzulande Ball und Abwehrmauer akkurat auf 9,15 Meter Abstand gehalten werden. Einfach eine Linie aus Schaum auf den Rasen sprühen, fertig.

Fertig? Von wegen. Das Spray kommt zwar dem Gerechtigkeitssinn der Schiedsrichter entgegen, strapaziert aber ihre Leidensfähigkeit, müssen sie doch nun einen komplexen Vorgang mühsam erlernen. Um an der Herausforderung nicht zu zerbrechen, werden sie in einem Lehrgang gründlich an den Sprühdosen ausgebildet. „Anschließend kann die Einführung aus Sicht der Schiedsrichter zeitnah erfolgen“, sagt Heribert Fandel, Chef der Unparteiischen beim DFB.

Noch ist das Schulungsprogramm nicht im Detail bekannt, doch unbestätigten Informationen aus gewöhnlich mittelmäßig informierten Kreisen zufolge soll das ein- und beidhändige Sprühen geübt werden, das Sprühen aus vollem Lauf und das Sprühen aus dem Stand. Es folgt die Arbeit am künstlerischen Ausdruck, dann die Sicherheitsbelehrung. Freistoßspray besteht zu 20 Prozent aus Butangas. Nicht auszudenken, wenn ein Spieler vor dem Freistoß noch schnell eine raucht.

Konnten Sorgen wie diese zerstreut werden, wurden andere Fragen der Schiedsrichter nur halbherzig beantwortet. Was ist im Winter? Ja – daran haben sie beim DFB nicht gedacht. Wie kann man ein Freistoßspray bei wärmeverwöhnten Argentiniern kaufen? Klar, dass die ein Zeug zusammenpanschen, das bei minus vier Grad einfriert, weil es zu 70 Prozent aus Wasser besteht. Ganz zu schweigen davon, dass das Spray weiß ist. Schon mal was von Schnee gehört?

Nun gibt es Leute, die behaupten, moderne Stadien hätten eine Rasenheizung, und falls nicht, ließen sich die Linien mit der Schuhspitze in den Schnee ziehen. Auch sei das Spray verpackt und am Hosenbund befestigt, also selten Frost ausgesetzt. Fehlte nur noch, dass diese Leute als Ersatz Schlagsahne aus der Dose empfehlen, weil die für einen Euro zu haben ist statt für sieben. Und weil sie lecker schmeckt. Wobei: Etwas Sahne könnte im bitteren Schiedsrichter-Alltag nicht schaden. Vorheriger Lehrgang zum sachgemäßen Umgang vorausgesetzt.