Windischgarsten - Um 11.47 Uhr war Windischgarsten Geschichte. Zumindest was die Übungseinheiten des 1. FC Union in Oberösterreich angeht. Wie schon am Vortag, als sich große Teile der Mannschaft auf einer Raftingtour auf der Salza vergnügen konnten, gab Trainer Urs Fischer seinen Jungs den Nachmittag frei. Den Sonntag hatten sie sogar gänzlich zu ihrer eigenen Verfügung.

Damit es in der Bundesliga für die Eisernen nicht so rasant talwärts geht wie am Vortag auf dem Gebirgsfluss in der Steiermark waren die zurückliegenden Tage intensiv. Zumindest arbeitete Fischer mit der ihm eigenen Akribie.

Die Vorbereitung der täglichen Übungseinheiten kann da schon mal eine Stunde in Anspruch nehmen – nach absolviertem Tagewerk auf dem Rasen.

Am heutigen Mittwoch steht zum Abschluss der elftägigen Vorbereitungsreise durch die Alpenrepublik das Thema Tradition im Vordergrund. Die Eisernen gastieren anlässlich des 125-jährigem Vereinsjubiläums beim FC First Vienna, dem ältesten Fußballverein Österreichs.

Das legendäre Stadion Hohe Warte, das einst mit 85 000 Plätzen das größte auf dem Kontinent gewesen war, hat zwar schon bessere Zeiten gesehen. Doch noch immer umgibt es ein Hauch von Liebe zum Fußball. Und sei es nur für Romantiker oder Nostalgiker des schönsten Spiels.

Den Kader bei Laune halten

Für Fischer ist es eine Gelegenheit, seinem Team ein wenig Spaß zu bereiten. Gegen einen Viertligisten sollte die Freude am Kicken allein schon durch eine Vielzahl von Toren möglich sein.

Das ist nicht unwichtig. Denn angesichts eines 35-Mann-Kaders, auch wenn davon im Nachbarland lediglich 33 Teammitglieder dabei waren, ist es eine der wichtigsten Aufgaben für den Schweizer Fußballlehrer, seine Elf bei Laune zu halten. Damit Konflikte im täglichen Konkurrenzkampf gar nicht erst aufbrechen.

Ein probates Stilmittel für den 53-Jährigen scheint da auch die Gewährung von Freizeit. Übrigens schon bei seiner Ankunft in Deutschland immer wieder ein Thema. Ob vorigen Sommer in Nordrhein-Westfalen oder im Winter in Spanien, stets wunderten sich die Trainingskiebitze, dass gar nicht so viel auf dem Platz geübt wurde wie erwartet.

Von Sonntag bis Dienstag gab es beispielsweise nur zwei Einheiten auf dem Rasen. Sehr zur Freude seiner Profis. „Wenn man nur stur auf dem Trainingsplatz stehen würde, würde das zu viel werden“, merkte denn auch Grischa Prömel an.

Kopf frei bekommen

Fischer pflegt seinen eigenen Stil weiter. Unverdrossen. Damit ist er bislang gut gefahren. „Ich kann mich erinnern, dass es auch schon in Klosterpforte freie Nachmittage gab. Was nicht alle, auch unter den Fans, verstanden haben. Aber wenn ich dann auf die Daten schaue, was wir gelaufen sind und in welcher Intensität, dann sind wir nicht gerade auf dem Holzweg. Und das Ziel, besser platziert zu sein als in der vorigen Saison, haben wir doch auch erreicht“, sagte Fischer mit einiger Untertreibung.

Neben der psychologischen Komponente („Kopf frei machen“) gibt es natürlich auch handfeste Gründe für Fischer, so zu verfahren. Es ist eine Frage der Belastungssteuerung, gestützt durch elektronisch eingesammelte Daten. „Die ersten fünf Einheiten am Stück waren so eine Packung, da haben wir reichlich draufgepackt. Wir sind der Meinung, dass es nach fünf Trainingseinheiten eine Regeneration braucht“, meinte der passionierte Fliegenfischer.

Zudem bemüht sich Fischer auch, immer neue Übungsformen einzustreuen. Damit sich keine Langeweile in die Köpfe seiner Kicker einschleichen kann. Zudem setzt er auf den Faktor Euphorie, der im Kader immer noch vorhanden ist. Denn es gab zwar zwölf Zugänge, aber eben kaum Abgänge beim vorhandenen Personal.

Kader muss kleiner werden

Fischer betont zwar stets, dass er auch mit einem etwas überdimensioniertem Kader sinnvoll arbeiten könne. Unvermeidbar ist es dennoch. Und sei es nur, um überflüssige Konflikte zu vermeiden, dass sich auf der Abgabeseite bei den Eisernen noch etwas tut. Was im übrigen auch der Schatzmeister begrüßen würde. Aber auch der hat ja neues Einsparpotenzial in Deutschlands Eliteliga. Die Punktprämien werden ja nicht so üppig fließen wie im Vorjahr in Liga zwei.

Dass Union dennoch nicht auf der faulen Haut liegt und fleißig werkelt, wird sich am Ende der Woche zeigen. Denn entgegen den üblichen Gepflogenheiten der Branche gibt es nach der Rückkehr aus Österreich erst mal keinen Tag mit den Liebsten, sondern schon am Freitag bittet Fischer sofort wieder zum Training. Erst am Sonntag, nach dem Testspiel am Samstag in Aue, darf der Ball ruhen. Wenn auch nur für 24 Stunden.