Früherer Union-Spieler Markus Karl: „Den vermisse ich schon, den Lumpen“

Vor einem Jahr war Markus Karl nicht aus der Startelf des 1. FC Union Berlin wegzudenken. Er war die Lunge des Teams, kämpfte Minute für Minute gegen die sich vor der Abwehrreihe auftuenden Lücken an. Dann war Winter und Karl plötzlich weg. In Kaiserslautern hoffte er, sich den Traum von der Rückkehr in die Erste Bundesliga zu erfüllen. Doch eine Verletzung vermieste ihm den Plan, Kaiserslautern scheiterte in der Relegation.

Vor dem Aufeinandertreffen mit seinem ehemaligen Verein am Sonnabend (13 Uhr) spricht Karl, 27, über Spaß, die Beziehung zu Unions Trainer Uwe Neuhaus und den Grund für den jetzigen Erfolg von Kaiserslautern.

Herr Karl, nach dem Wechsel zum 1. FC Kaiserslautern im vergangenen Januar haben Sie gesagt, es wäre einfacher gewesen, beim 1. FC Union Berlin zu bleiben. Warum?

Da habe ich meinen Stellenwert gehabt. Ich war Stamm- und Führungsspieler. Das Standing musst du dir hier erst wieder erarbeiten. Aber ich wollte und will unbedingt in die Bundesliga.

Sie haben sich sieben Spieltage vor Saisonende das Innenband gerissen. Was wog schwerer, die Verletzung oder die Enttäuschung darüber, dass die Kollegen in der Relegation gegen Hoffenheim den Aufstieg verpassten?

Es war meine erste größere Verletzung im Profibereich. Für eine Knieverletzung ist ein Innenbandriss relativ harmlos, und es war abzusehen, dass es nicht ewig dauert. Trotzdem war ich enttäuscht, weil es bis dahin für mich gut gelaufen war. Aber manchmal muss man sich damit abfinden und sich rauskämpfen. Dann lernst du da auch was draus.

Was war das bei Ihnen?

Dass man seinen Körper schätzt und achtet. Wenn du draußen auf der Tribüne sitzt, nichts machen kannst und beim Gehen aufpassen musst, daraus habe ich meine Schlüsse gezogen. Viele schätzen das gar nicht, was wir für einen Job haben als Profifußballer.

Seit Kosta Runjaic im September Trainer wurde, ist der FCK unbesiegt. Was zeichnet ihn aus?

Er ist ein Trainer, der unglaublich strukturiert und extrem viel arbeitet. Das ist sehr beeindruckend. Auch vom Fußballfachwissen her. Er macht geniale Videoanalysen, die dich als Mannschaft weiterbringen. Wir haben das verlorene Spiel in Sandhausen auseinandergenommen. Danach kam das schwere Spiel gegen Köln, wo die am Ende froh sein mussten, einen Punkt mitzunehmen. Da hat er uns allein mit der taktischen Ausrichtung sehr geholfen. Das hat uns als Mannschaft und mich persönlich weitergebracht.

Die Entscheidung pro FCK war also letztlich die richtige?

Ich hinterfrage nie irgendwelche Entscheidungen von früher. Ich weiß nicht, wie es gelaufen wäre, wenn ich bei Union geblieben wäre. Du musst in dem Moment eine Entscheidung treffen, mit der du leben kannst, und versuchen, das Beste daraus zu machen. In der Zweiten Liga gab es drei oder zwei interessante Vereine. Kaiserslautern war einer davon mit den ganzen Traditionen und Ambitionen. Das war ein Schritt, den ich machen wollte.

Was sind die Vorzüge des FCK gegenüber dem FCU?

Von der Tradition her sind beide extreme Vereine, bei denen es Spaß macht. Die ganze Stadt, das habe ich am Anfang unterschätzt, lebt für den FCK. Das habe ich vorher so noch nie erlebt. Dass eine ganze Region, ein ganzes Bundesland so für einen Verein lebt und mitfiebert. Das ist Klasse. Wobei ich von Union immer noch begeistert bin. Es war sicher kein einfacher Schritt für mich. Wir waren drauf und dran, dass ich dort länger bleibe. Aber dann ist was dazwischengekommen.

Was denn?

Ich habe mich nach dem Wechsel nie geäußert und halte das weiter so.

Uwe Neuhaus bezeichnete Markus Karl nach der Saison im Scherz als: „Absteiger des Jahres“. Da Sie den Verein verlassen hätten.

Ich weiß, wie er es gemeint hat. Ich habe mit ihm telefoniert. Im Nachhinein hat er zu mir gesagt, mich ziehen zu lassen, das würde er nie wieder machen. Er wollte mich damals schon nicht gehen lassen. Er würde jetzt noch viel mehr auf die Barrikaden gehen.

Sie waren auch eng mit der Ultra-Fanszene verbunden. Haben sich manche bei Ihnen nach dem Abschied gemeldet?

Mit dem einen oder anderen habe ich noch Kontakt, wenn ich mal in Berlin bin. Mein Herz hängt ja immer noch an Union, daraus mache ich keinen Hehl. Das war bis hierher definitiv die wichtigste Station in meinem Leben.

Kann Union bis zum Ende der Saison um den Aufstieg spielen?

Es ist eine gute Mannschaft. Dass die unter den ersten fünf und ein Geheimfavorit sind, war mir und der ganzen Liga klar. Das haben sie jetzt bestätigt.

FCK-Chef Stefan Kuntz findet, dass der Spaß zurückgekehrt sei. Eine Sache, die Ihnen aus Köpenick bekannt ist. Wo ist der Spaß größer?

Es gibt viele Ähnlichkeiten. Es war für mich erst mal eine Umstellung unter Franco Foda, weil der ja nicht der Spaßvogel schlechthin ist. Es hat Spaß gemacht, wie Neuhaus und Hofi (André Hofschneider, d. Red.) das gemacht haben. Allerdings ist ganz wichtig für den Spaß bei Union, der Mattuschka. Den vermisse ich schon, den Lumpen. Mehr Spaß kann man mit einem Menschen nicht haben.

Das Gespräch führte Max Bosse.