Trainingslager in den Spreewelten – da gehen die Gedanken zunächst in Richtung Wasserrutsche und Sauna. Doch so gemütlich haben es die Füchse in der Vorbereitungszeit nicht. Im Gegenteil, bei dem aktuellen Athletiktraining darf die Mannschaft von Velimir Petkovic jeden Tag den Belag der roten Laufbahn abmessen − und das zu allem Unmut mit der Wasserrutsche im Augenwinkel.

„Die schönste Zeit im Jahr“, kommentierte Fabian Wiede das Trainingslager auf Instagram, gefolgt von einem Pinocchio-Emoji und dem Hashtag #fatcamp. Auch für Zugang Martin Ziemer ist die Vorbereitungszeit nicht unbedingt die Lieblingsphase der Saison. „Laufen und überhaupt dreimal Training am Tag, das ist irgendwie nie so richtig gut“, sagt der Torwart mit einem trockenen Lachen in der Stimme.

Ziemers hartes Training

Dabei könnte man meinen, der 35-Jährige sei ein Arbeitstier, was das Training betrifft. Die letzten Wochen verbrachte Ziemer schließlich in den USA, wo er unter anderem mit Football-Spielern und Navy Seals trainierte, anstatt die Sommerpause zu genießen. „Diesmal waren es nur knapp vier Wochen. Ob das verrückt ist, dass müssen andere beurteilen, aber für mich ist es seit acht Jahren Tradition“, sagt Ziemer.

Vorbereitet in die Vorbereitung, lautet sein Motto und dennoch ist das momentane Lauftraining auch für ihn nicht unbedingt ein Zuckerschlecken: „Ich musste gerade erstmal neue Laufschuhe kaufen. Die alten sind durch. Vielleicht ist es aber nur die Hoffnung, dass es mit den neuen besser geht.“ Mit seinen alten Schuhen angereist, lagert der Großteil seines Eigentums augenblicklich noch in Berlin ein. Eingerichtet hat sich der gebürtige Rostocker nämlich noch nicht. Derzeit im Dormero Hotel am Kurfürstendamm untergebracht, sucht er demnächst bei einem Freund Unterschlupf. „Ich bin zuversichtlich, dass ich bald etwas finde. Und ob momentan meine Wohnung leersteht oder das Hotelzimmer, ist ja egal“, erklärt Ziemer.

Im Zimmer mit Frederik Simak

Im Trainingslager in Lübbenau teilt er sich das Zimmer erst einmal mit Frederik Simak. „Da sind die Rollen klar verteilt“, scherzt Ziemer schelmisch, fügt jedoch an, dass er ihm trotz seiner Altershoheit das größere Bett gelassen habe.
Die Stimmung scheint jedenfalls gut zu sein, was bei der lockeren Art des 35-Jährigen nicht verwundert. Auf der Platte wird das Kräftemessen in dieser Saison dagegen sicher etwas härter ausfallen. Mit drei Torhütern im Kader sind die Rollen eben nicht klar verteilt. Für Ziemer ist das allerdings kein Grund unruhig zu werden: „Da muss man als Spieler die Situation annehmen und das Beste draus machen. Gas geben muss man sowieso immer.“

Wenngleich er natürlich am liebsten so viel Zeit wie möglich auf dem Feld verbringen würde, hat Ziemer viel Respekt vor seinen Mitstreitern: „Ich habe tolle Torwartkollegen. Heine (Silvio Heinevetter, d. Red.) ist eine Torwart-Ikone, da brauchen wir nicht drüber reden. Er ist nicht nur bei den Füchsen sondern deutschlandweit ein bekanntes Gesicht. Der nächste (Dejan Milosavljev , d. Red.) ist Champions-League-Sieger. Da mangelt es nicht an Konkurrenz.“

Oben angreifen

Ziel sei es aber letztlich ein „Team im Team“ aufzubauen, wie es die Männer zwischen den Pfosten gerne ausdrücken. Denn schwierige Situationen oder verletzungsbedingte Ausfälle stehen in den meisten Spielzeiten bevor und dann geht es nicht um den Einzelnen.

In Berlin will Ziemer seine Geschichte weitererzählen und angreifen. „Es geht immer darum, das Beste aus sich herauszuholen. Was die Füchse im letzten Jahr trotz der vielen Verletzten geschafft haben, finde ich beachtlich. Das stimmt mich zuversichtlich, dass es für uns noch weiter nach oben gehen kann. Und Titel sind natürlich immer etwas Feines.“ Ein erster Schritt zu den neuen Erfolgen müssen die Füchse am DHB-Pokalwochenende am 17./18. August machen. Bis dahin dürfte Ziemer seine neuen Schuhe wieder eingelaufen haben.